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Aachener auf der Walz dort, wo der Pfeffer wächst

Steinmetzgeselle Rene Breuer auf Madagaskar unterwegs / Drei Jahre und einen Tag "on the road"

Von Klaus Heimer, Antananarivo

Ein Steinmetzgeselle aus Aachen, der im Goethe–Zentrum in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo einem Konzert der Berliner Akkordeonvirtuosin Cathrin Pfeifer lauscht – das Leben schreibt die schönsten und oftmals auch seltsame Geschichten. Und der gebürtige Aachener Rene Breuer, der genau drei Jahre und einen Tag lang unterwegs sein wird, bis er wieder an die heimische Haustüre klopft, kann dann sicher wochenlang erzählen.
Deutsche Handwerksburschen auf der Walz, das hat auf der vor der Südostküste Afrikas gelegenen Gewürzinsel eher Seltenheitswert. Dort wird zwar in Zusammenarbeit mit der Hamburger Handelskammer und dem Bonner Senior Experten–Service das duale Ausbildungssystem nach deutschem Vorbild eingeführt, aber für junge Leute in dem bitterarmen Land mit Kinderehen und hoher Geburtenrate heißt es nach der Ausbildung möglichst sofort eine Stelle finden und Geld für die Großfamilie verdienen.
Den 25–jährigen Rene Breuer aus Aachen, der seit November 2004 auf der Wanderschaft war und dabei neben zehn Ländern Europas auch schon ägypten auf Schusters Rappen und mit anderen Fortbewegungsmitteln erkundet hat, war drei Monate in der Heimat von Pfeffer und Vanille unterwegs. „Ich wollte in dieser Zeit auch einmal etwas Grosses unternehmen und an Madagaskar reizt mich die einzigartige Pflanzen– und Tierwelt." Lediglich sechs Kilo Gepäck im Rucksack und den kunstvoll gedrehten Wanderstock hat er dabei. „Jeder normale Urlauber bringt für zwei Wochen Strandurlaub mit Leichtigkeit das dreifache Koffergewicht auf die Waage“, wird schmunzelnd unter der Tropensonne Afrikas angemerkt.
Gemeinsam mit Freund Alexander Dübler (27) aus Reichenbach bei Plauen hat Rene in den ersten Tagen nach der Ankunft der Botschaft und dem Goethe–Zentrum in der Hauptstadt Antananarivo Besuche abgestattet. „Es ist Wahnsinn, wie schnell man Leute kennen lernt und Kontakte zu den hier lebenden Deutschen bekommt, die uns wertvolle Tipps geben.“ Mit dem Buschtaxi ging es nach einem Konzert einheimischer Akkordeonspieler mit der Berlinerin Cathrin Pfeifer zunächst in den Nationalpark Andasibe, in dem die größte Lemurenart, der Indri Indri, vorkommt. Dort hat der Stuttgarter Helmut Zimmermann ein Spezialreservat für seltene Frösche eingerichtet. Die Regenzeit hat mit Macht eingesetzt, auch Nationalstrassen unpassierbar gemacht und große Flächen überflutet. So wird es dem Wetter und dem Zufall überlassen bleiben, wie weit die Reise in den Regenwaldbereich Richtung Ostküste oder auch nach Norden geht. Unterwegs will das rechtschaffene Handwerker–Duo, sofern möglich, seine praktischen Fähigkeiten nicht nur im Steinmetzbereich einsetzen und für Kost und Logis als Lohn arbeiten.
Rene hat in Aachen, wo die Eltern und die Schwester weiter leben, das Licht der Welt erblickt, ist hier aufgewachsen und hat an der Gesamtschule das zehnte Schuljahr absolviert, bevor er bei Steinmetz Schwarzenberg in die Lehre ging. Nach der Gesellenprüfung leistete der junge Mann seinen Ersatzdienst im Bereich der Denkmalpflege im Weser–Bergland und arbeitete dort auch einen Monat in einem koptischen Kloster. „Die dort gewonnenen Kontakte kamen uns dann beim gut dreimonatigen Aufenthalt im Land der Pyramiden zugute.“ Rene und Alexander arbeiteten längere Zeit in Speyer an einer gotischen Kirche und verdienten sich dabei das nötige Kleingeld für den großen Trip Richtung Indischer Ozean. über Reims ging es nach Paris, von dort nach Mauritius und dann mit dem Inselhüpfer nach Madagaskar. „Bisher haben wir uns sprachlich gut durchgewurstelt“, sind die beiden Burschen stolz auf die abenteuerliche Zeit. Einige Brocken Französisch und erste Kenntnisse in der Landessprache Malagasy öffnen viele Türen in der neuen Heimat auf Zeit.
“Wenn wir wieder zu Hause sind, dann steigt zunächst einmal eine Riesenfete und danach wollen wir unseren Meister machen“, ist nahes Fernziel von Rene und Alexander.


Wien: Fossiler Lemurenschädel nach 100 Jahren vervollständigt

Funde aus dem Jahr 2003 passten zu 1900 entdeckten Knochen / Das Naturhistorische Museum zeigt den kompletten Schädel
Der Fundort ist eine teilweise eingestürzte Höhle auf Madagaskar. 1899 entdeckte ein Wiener Fossilien–Sammler dort unter anderem den Schädel eines seltenen, ausgestorbenen Halbaffen namens Hadropithecus stenognathus. 2007 stellte ein US–amerikanisches Wissenschafterteam um Alan Walker fest, dass Knochen von neuerlichen Funden aus dem Jahre 2003 teilweise exakt zu den alten Relikten in der österreichischen Hauptstadt passen.
2008 waren die Anthropologinnen Laurie Godfrey (University of Massachusetts) und Natalie Vasey (Portland State University) in Wien, um die neuen und alten Fundstücke zu bearbeiten und zusammenzufügen. „Unsere Kollegen haben uns die Funde geschenkt, der nun fast vollständige Schädel wird natürlich wieder ausgestellt“, sagte dazu Ursula Göhlich von der Wirbeltierpaläontologie des NHM anlässlich der überreichung der Knochen im August 2008 in Wien.
Die beiden Augenbrauenbögen passen exakt zu dem Schädel. Daneben fanden die Wissenschafter aber auch andere Knochen, Kiefer und Zähne die sich wie Teile eines Puzzles zu den Wiener Relikten fügen. „Insgesamt handelt es sich um vier Individuen, ein fast erwachsenes, zwei jüngere und ein erst wenige Monate altes Tier“, so Godfrey. Die Wissenschaftlerin geht davon aus, dass die vier Halbaffen gleichsam einen Unfall bei einem Einbruch des porösen Gesteins bei der Höhle erlitten und dabei ums Leben kamen.
Hadropithecus zählt zu den so genannten Archaeolemuren, die vor rund 500 Jahren ausstarben. Im Gegensatz zu den meisten heute noch lebenden Lemurenarten, die als Baumbewohner gelten, waren diese Tiere auf das Leben am Boden spezialisiert. Das zeigen nicht zuletzt die Funde von Handknochen. Laut Godfey dürften Hadropithecus nicht zuletzt durch die Besiedelung der Tropeninsel durch den Menschen ausgestorben sein. Erste Hinweise auf die menschliche Eroberung der viertgrössten Insel der Welt datieren auf eine Zeit vor etwa 2.000 Jahren. Die überreste von Hadropithecus haben ein Alter von rund 7.500 Jahren.


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