Deutschland–Schweiz–Österreich und Madagaskar von A bis Z
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Deutsche Initiative pflanzt auf Madagaskar „kleinen Schwarzwald“
Von Klaus Heimer
Um die Wälder des Inselstaates Madagaskar steht es schlecht. „90 Prozent der madagassischen Primärwälder sind bereits zerstört, der Rest löst sich unaufhaltsam ebenfalls in Rauch auf“, sagt Andri Mahefa, der Vorsitzende der Deutsch–Madagassischen Gesellschaft (DMG) in Leipzig. „Es ist fünf vor Zwölf.“ Aufforstungsprojekte sollen das wertvolle Grün der Insel retten.
Eine erste Initiative startete im Sommer 1999. Damals wählte der im sächsischen Zwickau lehrende Professor für Internationales Marketing einen kahlen Hügel bei Mahitsy nahe der Hauptstadt Antananarivo aus. Alljährlich zur Regenzeit pilgern seither Einheimische und auf der Insel lebende Deutsche zwei Tage lang auf den Berg und pflanzen etliche kleine Bäumchen. Im Volksmund wird das Wäldchen mittlerweile als „madagassischer Schwarzwald“ bezeichnet.
Anfangs waren viele Gespräche mit den Bürgermeistern der vier angrenzenden Ortschaften des Hügels nötig, auf dem Gräber lokaler Könige liegen. Die Menschen hätten zunächst gedacht, der Berg solle ihnen weggenommen werden, erklären die DMG–Mitglieder Anne und Erich Raab aus München. „Es hat fast drei Jahre gedauert, bis sie Vertrauen zu uns hatten“, sagt Annette Schiller aus Leipzig. „Der Hügel, auf dem noch Kulthandlungen vollzogen und Feste gefeiert werden, bleibt selbstverständlich weiter Eigentum der hiesigen Menschen“, sagt Mahefa.
Mittlerweile sind die im ersten Jahr der Aktion gepflanzten Kiefern mehrere Meter hoch und wetteifern mit Eukalyptusbäumen um die „Lufthoheit“. Die DGM–Mitglieder freuen sich besonders darüber, dass inzwischen auch die Bürgermeister der Nachbarorte den steilen Weg zum Hügel erklimmen, um Kontakte zu knüpfen. „Im nächsten Jahr werden wir auch bei ihnen Bäume pflanzen. Es ist schön, dass unser Anliegen auf fruchtbaren Boden fällt und Nachahmer findet.“
Die Einheimischen betreiben mittlerweile kleine Baumschulen und erzielen aus dem Verkauf von Setzlingen ein eigenes Einkommen. Zudem finanziert die Gesellschaft zwei Wächter, die frei laufende Rinder vom Wald fern halten. Das dafür nötige Geld stammt vor allem aus Spendenaktionen wie „Ein Baum – ein Euro“.
Holz wird auf der Insel vor allem zur Herstellung von Holzkohle genutzt, die traditionell als Brennmaterial zum Kochen verwendet wird. Die ungeschützten kahlen Böden aber werden wegen der heftigen Regenfälle sehr schnell weggeschwemmt – zurück bleibt lebensfeindliche ödnis. Die DGM wirbt deshalb auch für das Kochen mit Sonnenenergie und verteilt Solarkocher. Auch der Staatschef des Inselstaates haben mittlerweile reagiert: Zumindest die Brandrodung ist auf der Insel mittlerweile verboten.
(Internet: Deutsch–Madagassische Gesellschaft: www.dmg–ev.org)
Wie kommt Schweinfurti ins ferne Madagaskar?
Bezeichnung einer Pflanze im staubigen Süden der Tropeninsel weckt das Interesse an deutscher Stadt und löst erfolgreiche Suche aus
Von Klaus Heimer, Antananarivo
Im unwirtlichen und staubigen Südwesten der fernen, immer noch französisch orientierten Tropeninsel Madagaskar auf den Namen der deutschen Stadt Schweinfurt zu stoßen, das löst nicht nur bei der einheimischen Reiseleiterin Sylvia Andriambololona großes Erstaunen aus. Die 28–Jährige erlernt im sechsten Jahr im Goethezentrum in der Hauptstadt Antananarivo die deutsche Sprache und zeigt Besuchern aus aller Welt die Schönheiten ihrer exotischen Heimat.
Mit einer 16–köpfigen deutsch–polnischen Reisegruppe wurde zwölf Kilometer südöstlich der Hafenstadt Tulear das 1980 von dem Schweizer Hobbybotaniker Hermann Petignat gegründete „Arboretum“ mit rund 1000 Pflanzenarten der Trockenzone besichtigt. Beim Rundgang durch diesen herrlichen Garten blieb das Auge der jungen Madagassin an einem Schild mit der Aufschrift „Sanseviera Schweinfurti, Amaryllidaceae“ hängen. Der örtliche Führer, ein profunder Kenner der Fauna und Flora, konnte jedoch keinen Hinweis geben, wie und wann das bundesdeutsche „Schweinfurt“ in die Heimat von Pfeffer und Vanille gelangt sein könnte.
Sylvia Andriambololona gibt nicht auf: Die deutsche Stadt ist schnell lokalisiert. Aber die weitere Suche im Internet erweist sich als mühsam. Amaryllidaceae, so werden die Vertreter der Narzissengewächse bezeichnet. Damit ist sie einen kleinen Schritt weiter. Die anschließende Recherche endet, und dies ist ein Volltreffer, auf der Website von Friedrich Lohmüller aus dem norddeutschen Kappeln/Schlei, der sich als wahre Fundgrube erweist und das ersehnte Licht in das Dunkel bringt.
Heute werde, so der Experte, Sansevieria meist zu den Dracanaceae (Drachenbaumgewächsen) gerechnet – eine abgegliederte Familie der Lilienartigen. "Amaryllidaceae ist aber auch nicht total falsch." Der richtige Name der in Madagaskar vorkommenden Pflanze laute jedoch „Sansevieria schweinfurthii Tackh. + Drar.“, wobei die letzten beiden Abkürzungen für die Autoren stehen, die die Pflanze beschrieben haben. Das Ursprungsland der „Schweinfurti“–Pflanze soll vermutlich Erythraea sein.
Friedrich Lohmüller merkt noch an, dass der Name „leider kaum etwas mit der Stadt Schweinfurt“ zu tun hat, sondern eher mit einem Botaniker namens Schweinfurth, der durch die Namensgebung geehrt werden sollte. Das Interesse bleibt aber geweckt. Bei der überprüfung des Familiennamens „Schweinfurth“ stößt Lohmüller auf die beiden botanischen Autoren Charles Schweinfurth (1890–1970) und Georg August Schweinfurth (1836–1925). Wer von beiden nun für den Namen „Schweinfurthii“ auf der vor der Südostküste Afrikas gelegenen viertgrößten Insel der Welt „schuld“ ist, lässt sich leider nicht nachvollziehen. Reiseleiterin Sylvia, ein großer Deutschlandfan, wird jedoch auch künftig auf die Pflanze „Sansevieria Schweinfurthii“ hinweisen.
Senior–Experten engagieren sich für Auszubildende
Die Hamburger Handelskammer hat 2004/05 in Kooperation mit der Föderation der madagassischen Handelskammern des Inselstaates eine duale Berufsausbildung nach deutschem Muster in fünf Berufen eingeführt. Dieses Vorhaben wird als Partnerschaftsprojekt zwischen den beiden Institutionen bis wenigstens 2007 fortgesetzt. Zuerst wurden 2004/05 Standards in der dualen Berufsausbildung erarbeitet, deren Umsetzung durch die einzelnen Leitkammern dann in Folgeeinsätzen von Fachleuten des Bonner Senior Experten–Service sichergestellt wurden. Es ging dabei um die Einhaltung der ausgearbeiteten Ausbildungspläne, die Vorbereitung eines Fragenkatalogs für die Abschlussprüfungen, die einheitliche Organisation dieser Prüfungen durch die Kammern sowie um die Vorbereitung des Ausbildungsjahrgangs 2007 und die Werbung neuer Ausbildungsbetriebe. Ziel der Einsätze war ein hoher Qualitätsstandard der dualen Berufsausbildung in den Bezirken der beteiligten madagassischen Kammern. Berufe zum Beispiel Hotel, Touristik, Elektro, Kaufmann.
Weiterhin reisen im Rahmen der Kammerpartnerschaftsprojekte fünf ehemalige Hauptgeschäftsführer oder stellvertretende Hauptgeschäftsführer regelmäßig nach Madagaskar, um dort die Strukturen der lokalen Kammern zu verbessern. Hierfür werden Seminare durchgeführt und die Kammern Antananarivo, Antsirabe, Fianarantsoa, Mahajanga (Majunga) und Toamasina (Tamatave) regelmäßig besucht.
Auf der Festveranstaltung zum 25. Jahrestag des Senior Experten–Service am 15. Mai 2008 im ehemaligen Bundestag in Bonn ging Bundespräsident Horst Köhler auch auf die Aktivitäten in Madagaskar ein, die er aus eigener Anschauung kennt. Die Festveranstaltung hatte 1 300 Teilnehmer.
"Afrika ist mein eigentliches Zuhause"
Bernd Jüncke aus Herzberg ist in Madagaskar ein gefragter Senior–Experte / Kfz–Fachmann hat viele Jahre im Ausland gearbeitet
Von Klaus Heimer, Antananarivo
Mit herzlichem Handschlag wird Bernd Jüncke im fernen Madagaskar in der Industrie– und Handelskammer und in den zahlreichen Firmen, die sich an dem neuen Ausbildungskonzept nach deutschem Vorbild beteiligen, jeweils begrüßt. Die Hamburger Handelskammer hat gleich acht Fachleute des Bonner Senior Experten–Service ausgesandt, die in der Heimat von Pfeffer und Vanille jeweils sechs Monate lang tätig sein werden. Bernd Jüncke, ausgebildeter Kfz–Meister, ist einer von ihnen.
„Made in Germany“ hat auf der vor der Südostküste Afrikas gelegenen viertgrößten Insel der Welt einen ausgezeichneten Ruf – auch dank Jüncke und seiner ebenfalls stark engagierten Kollegen. Der weit gereiste Herzberger war bereits vor rund 30 Jahren (1973–76) schon einmal auf dem immer noch geheimnisumwitterten Eiland, damals als Werkstattleiter bei der Firma Landis Madagascar, die zu einem Hamburger Konzern gehört und früher auch Landrover herstellte. „Afrika ist mein eigentliches Zuhause“, bekennt der weißhaarige Deutsche.
Doch der Reihe nach: Bernd Jüncke wurde in Hamburg–Altona geboren, aufgewachsen ist er jedoch in Bad Lauterberg im Harz. Dort hat er auch die Schulzeit und die Ausbildung im Kfz–Bereich erfolgreich absolviert. Das hier erworbene Rüstzeug hat ihm bei seinen Einsätzen fern der Heimat stets wertvolle Dienste geleistet. Es folgten zunächst acht Jahre bei der Bundeswehr an verschiedenen Standorten, dann die Fahrschullehrerausbildung und die erfolgreiche Meisterprüfung 1970 in Heide in Schleswig–Holstein. Bernd Jüncke wurde anschließend in die Versuchsabteilung des BMW–Konzerns berufen und wollte eigentlich für den bayrischen Automobilkonzern in den Libanon gehen. „Das hat sich jedoch wegen der dortigen prekären Situation zerschlagen.“ Stattdessen folgte der erste Auslandskontakt im Rahmen des „Dienstes in übersee“ im marokkanischen Agadir. Vom „Afrikafieber“ erfasst siedelte er 1973 mit Ehefrau Renate und den ersten beiden von insgesamt drei Töchtern in die madagassische Hauptstadt Antananarivo über. „Für uns war von Anfang an klar, wir wollten ins Ausland.“ Während er drei Jahre die Werkstatt bei der Firma Landis betreute, arbeitete seine ebenfalls aus Herzberg stammende Frau, die er 1966 heiratete, aushilfsweise bei der deutschen Botschaft und danach als Chefsekretärin bei der Friedrich–Ebert–Stiftung.
Es folgt eine einjährige Tätigkeit als technischer Lehrer an der Deula–Schule im bundesdeutschen Hammelburg, „bevor ich 1977 in die Dienste der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit trat“. In Kamerun (elf Jahre) und Sansibar war Bernd Jüncke für die Bereiche Straßenbau, Aufbau von Straßenmeistereien, die Ausbildung Einheimischer oder auch als Sprengmeister in Steinbrüchen tätig, bis ein schwerer Arbeitsunfall in Sansibar beim Aufbau einer Mischanlage dem aktiven Berufsleben ein jähes Ende bereitete. Doch auch im Ruhestand gibt der 62–Jährige seine Kenntnisse und Erfahrungen gerne weiter. Der seit 1983 bestehende Senior Experten–Service mit rund 6000 Fachleuten ist in rund 150 Ländern der Welt tätig. „Ein Schwerpunktland ist derzeit in Kooperation mit der Hamburger Handelskammer die Insel Madagaskar, in der das duale Ausbildungssystem mit vier Tagen Praxis und einem Tag Theorie eingeführt werden soll.“ Bernd Jüncke nimmt in der Hauptstadt eine Schlüsselposition ein. Nachdem er zunächst in der nordwestlichen Hafenstadt Majunga eingesetzt war, in der der theoretische Unterricht zeitweise und auch nur abends stattfinden konnte, wird nun im Hochland mit größeren Firmen zusammengearbeitet, die im Rahmen der zehnmonatigen Lehre ihre Nachwuchskräfte auch tatsächlich zum freitäglichen Theorie–Unterricht freistellen. Bis Ende März wollen Jüncke und sein einheimischer Partner Andriamolisoa Rakotovelo einen kompletten Ausbildungsplan für insgesamt 43 Wochen vorlegen, ferner die Aufgaben für Zwischen– und Hauptprüfungen.
Bernd Jüncke hat frühzeitig einen Pkw nach Madagaskar verschifft, so dass er in der Millionenstadt flexibler ist und an Wochenende auch Ausflüge in die reizvolle Umgebung unternehmen kann. Das polizeiliche Kennzeichen "OHA" für den Osteroder Harz fällt natürlich in der recht kleinen deutschen Gemeinde werbewirksam ins Auge. Bernd Jüncke, der auch sprachlich äußerst fit ist, fühlt sich in der Luft und im Wasser gleichermaßen pudelwohl. „Vor rund 30 Jahren hatte er angefangen, in Madagaskar die ersten Flugstunden zu nehmen. Dann kam die Revolution dazwischen.“ In Kamerun konnte er die Fliegerei auch nicht lange fortsetzen. „Ich musste dort 500 Kilometer mit dem Auto bis zum Flugplatz fahren.“ Jüncke schwimmt sehr gerne, schnorchelt, taucht und segelt auch.
„Ich habe viele schöne menschliche Erfahrungen gemacht“, wird positive Bilanz der langen Auslandstätigkeit gezogen. „Lediglich in Kamerun wurde einmal in mein Haus eingebrochen.“ Der Herzberger schmiedet 8000 Kilometer von zu Hause entfernt schon eifrig Zukunftspläne: „Ich kann mir durchaus vorstellen, mit meiner derzeit noch berufstätigen Frau später einmal ein halbes Jahr in Deutschland und sechs Monate in Madagaskar zu leben, zumal es hier über den Senior Experten–Service weitere interessante Herausforderungen gibt. Wiederkommen ist also icht ausgeschlossen.“ Doch nach sechs Monaten fern der Familie muss ich zunächst einmal längere Zeit im Harz bleiben, sonst bekomme ich einen Platzverweis“, wird schmunzelnd angemerkt.
Soltec: Ausbildung für arme Jugendliche
Das Zentrum für Berufsausbildung (Soltec) in dem Dorf Mandrosoa–Ivato– nahe dem Flughafen Ivato in Antananarivo wurde vom Deutsch–Madagassischen Verein Esslingen e.V. 1996 gegründet. Jugendliche aus besonders armen Verhältnissen (Waisen, Halbwaisen, Heimkinder) erhalten in diesem Zentrum eine kostenlose, zweijährige Ausbildung in Handwerksberufen. Zur Zeit in den Bereichen Metall, Holz, Nähen und Sticken, Haus– und Hotel– Wirtschaft, Kochen, und Automechanik. Im Schuljahr 2007/08 wurden 145 Jugendliche ausgebildet. Die kostenlose Berufsausbildung wird hauptsächlich von den 415 Mitgliedern des Vereins finanziert, der auf Spenden angewiesen ist und sich über weitere Förderer freut. Die Mitarbeiter im Centre de Formation SOLTEC freuen sich, wenn Touristen zu Besuch kommen; bitten aber um eine Voranmeldung: Tel.–(00261 ) 20 22 457 67 oder – 24 24641, Mail: soltec@moov.mg
Die Zukunftspläne: Beim Besuch des Staatspräsidenten Marc Ravanomanana im November 2007 sprach dieser sich dafür aus, dass in allen Regionen Madagaskars solche Ausbildungszentren nach deutschem Muster für arme Jugendliche entstehen sollen! Das erste Beispiel soll in der Stadt Fiaranantsoa gebaut werden.
Adresse in Madagaskar: Lot 314 bis MD, Mandrosoa–Ivato, Direktor Jocelyn Rakotomavo.
Adresse in Deutschland: Mettingerstrasse 35, 73728 Esslingen, Günter Hekler, Tel. 0711–352013, Mail: ghekler@t–online.de
Pionierarbeit im Tourismusbereich: Sonja's Geschichte
„Meine Eltern sind nach Madagaskar ausgewandert als ich neun Jahre alt war. Meine Kindheit habe ich in Antananarivo, wo ich die französische Schule besuchte und im madagassischen Busch verbracht. Mein Vater exportierte exotische Pflanzen, so war ich von klein auf von Natur umgeben. 1978 erwarben meine Eltern das Buschhaus am Canal des Pangalanes. Wir waren viel per Boot unterwegs und während der Schulferien streiften meine Eltern und ich mit dem Geländewagen umher.
Nach einem kurzen Versuch in Europa zu leben, fand ich wie durch Zufall meinen ersten Job als übersetzerin bei einem deutschen Primatologen im Jahre 1986. Bernhard Meier wurde im selben Jahr durch die Entdeckung einer neuen Lemurenart im Wald von Ranomafana bekannt.
Mein erster Schritt in den Tourismus war eine Anstellung als Direktionsassistentin beim Hotel Palm Beach (existiert nicht mehr) in Nosy Be im selben Jahr. Ich war eine der wenigen ansässigen Deutschen in Madagaskar und arbeitete als Freelance–Reiseleiterin für Agenturen, die auf deutschsprachige Kundschaft spezialisiert waren.
Zusammen mit meinem madagassischen Mann Thierry startete ich die erste touristische Aktivität am Pangalanes–Kanal: das Buschhaus mit drei Zimmern wurde 1987 eröffnet! Zu der Zeit befand sich der Tourismus in Madagaskar im Embryo–Stadium, wir leisteten Pionierarbeit bei Trekking–Touren mit Isalo–Massiv, das später zum Nationalpark erklärt wurde.
Unsere Erfahrungen zahlten sich aus und wir gründeten Boogie–Pilgrim (Pilger–Abenteurer–Figur aus einem Chanson von Elton John), und sind Incoming Agentur seit 1989. Wir haben Ausflüge in sämtliche Nationalparks der großen Insel angeboten, sowie Bootstouren auf dem Kanal, Campingtouren per Geländewagen in den weiten Süden und an die Westküste Madagaskars. Zu Beginn fungierten Thierry und ich als Fahrer–Reiseleiter–Koch–Kapitän zugleich. Zwischen den Touren lebte ich im Buschhaus, um dort nach dem Rechten zu sehen und gleichzeitig wurden weitere Bungalows gebaut. 1990 wurde unsere Tochter Betty geboren und das Globetrotterleben wurde etwas ruhiger.
Als natürliche Folge ergab sich allmählich aus diesem Natur–Abenteuer–Tourismus das Streben nach ökologisch orientiertem Tourismus. Zunächst wurde die örtliche Bevölkerung um das Buschhaus mit einbezogen. 1994 haben wir in einem Dorf in Hotelnähe eine öffentliche Grundschule bauen lassen mit finanzieller Hilfe der Deutschen Botschaft. Wir rüsteten uns besser und professioneller aus und das Buschhaus wurde mit Solarenergie ausgestattet für Beleuchtung und Funkgerät.
Die Organisation des RAID GAULOISES im Jahre 1993 war die erste Erfahrung mit einem Ereignis internationalen Ausmaßes. Wir waren eingesetzt als offizielle Hauptorganisatoren für dieses RAID und hier entdeckten wir die zahllosen Einsatzmöglichkeiten für Luftfahrzeuge auf dieser großen unzugänglichen Insel.
Sobald die Umstände es erlaubten, wurde mit einer weiteren Aktivität begonnen: Madagascar Helicopter wurde 1997 gegründet, die erste private Helikopter Vermietung.
1999–wir eröffneten das erste Luxus–Zeltcamp in Madagaskar in einem entlegenen Tal in der Nähe des Andringitra–Massivs. Obwohl die Saison im Andringitra nur sechs Monate pro Jahr unsere Anwesenheit erfordert, waren wir aktiv beteiligt am Bau einer Schule und Krankenstation. Ein Teil des Personals wurde vor Ort rekrutiert und wurde in Erster Hilfe, Hygienebedingungen, Lesen und Schreiben und der Notwendigkeit für Wiederaufforstung ausgebildet.
Nach der Geburt weiterer zwei Mädchen haben wir unsere Aktivitäten mehr auf Antananarivo und Umgebung konzentriert. Die Familie meines Mannes, Ranarivelo, ist in der glücklichen Lage 4 km vom Stadtzentrum entfernt ein schönes Grundstück von 27 ha zu besitzen, das Seen und Wald umfasst. Es ist ein Rückzugsgebiet für die Vogelwelt und mehr als 50 verschiedene Arten leben hier. Zahlreiche Interessenten aus aller Welt kommen wegen der Reiher. Im Jahr 2001 wurde ein Familienverband gegründet zum Schutz des Tsarasaotra Parks (APT), das Grundstück wurde von RAMSAR anerkannt, einer internationalen Organisation zum Schutz der Feuchtgebiete. Als Sekretärin kümmere ich mich um die Organisation der Besuche, Förderung und Entwicklung des Parks.
Unser jüngstes Projekt zielt noch stärker auf ökotourismus ab Anjozorobe. Im August 2002 haben wir ein weiteres Familiengrundstück für die öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein Besitz von über 3000 ha, vorwiegend Primärwald, bietet 12 Arten von Lemuren, 82 Vogelarten und einer großen Anzahl endemischer Pflanzen Heimat. Das Grundstück ist ein Teil eines Streifens Hochlandwaldes, der überrest von ca. 60.000 ha soll unbedingt unter Schutz gestellt werden. Organisationen wie PNUD (Programm der Vereinten Nationen), CI (Conservation International) und WWF (World Wildlife Fund) sind ernsthaft interessiert und suchen öffentliche und private Partner. Wir arbeiten zusammen mit diesen Organisationen, um echten ökotourismus zu entwickeln. Die NGO Partner haben bereits wissenschaftliche Studien unternommen wie ein Inventar von Fauna und Flora, DNA der Lemuren, Auffinden und Zählen der Arten etc. Auf dem Grundstück gibt es mehr als 40 km Rundwege, sie sind kartographiert und beschrieben. Die örtliche Bevölkerung wurde in die Entwicklung integriert – Produktion und Verkauf von wildem Honig, Destillierung von Duftölen wie Eucalyptus citriodora und Geranium, Verkauf von rosa Pfeffer. Die Dorfbewohner werden als Pistenwärter und Führer und im Hotelgewerbe ausgebildet, um an ökotouristischen Aktivitäten teilzunehmen. Eine Grundschule für 100 Kinder wurde mit Hilfe der Deutschen Botschaft 2004 gebaut. Im Jahr 2005 gewann dieses Konzept– Projekt den ersten Preis im nachhaltigen Tourismus in Deutschland beim Deutschen Reisebüro Verband.
Seit Mai 2007 haben wir eine öko–Lodge geöffnet: die Mananara Lodge im Baustil einer Südafrikanischen Lodge, für Tagesbesucher oder längeren Aufenthalt. Anjozorobe wird das erste wirklich ökotouristische Privatprojekt. Wir streben an, Schulen aus der Hauptstadt einzuladen, um „Grüne Klassen“ abzuhalten, Umweltschutzunterricht für Madagassen zu geben, internationale ökotouristen entsprechend unterzubringen.
Kontakte: contact@boogiepilgrim–madagascar.com, Alarobia, ile aux oiseaux, PO BOX 12149 Antananarivo 101, Tel. +261 20 22 53070, Fax +261 20 22 53069
SOS–Kinderdorf–Aktivitäten in Madagaskar
1986 wurde der madagassische Verein zur Errichtung eines SOS–Kinderdorfes gegründet. Grund dafür waren die schwierigen Lebensbedingungen in Madagaskar, unter denen besonders Kinder zu leiden hatten. Heute gibt es drei SOS–Kinderdörfer, vier SOS Jugendeinrichtungen, drei SOS–Kindergärten, neun SOS–Sozialzentren, ein SOS–Berufsbildungszentrum, drei SOS–Hermann–Gmeiner–Schulen und sechs SOS–Medizinische–Zentren.
Die SOS–Kinderdörfer Vontovorona nahe Antananarivo, Antsirabe und Mangarano bei Tamatave bieten insgesamt 380 Mädchen und Jungen ein neues Zuhause. In den angeschlossenen SOS–Kindergärten können 550 junge Madagassen betreut werden. Zusätzlich stehen die SOS–Medizinischen–Zentren auch der Bevölkerung aus der Nachbarschaft zur Verfügung und werden von etwa 15.000 Patienten pro Jahr in Anspruch genommen. Das Angebot umfasst vor allem Impfaktionen, Gesundheitsvorsorge und die Betreuung von schwangeren Frauen und Babys.
1995 entstand, angeschlossen an das SOS–Kinderdorf Vontovorona, ein SOS–Berufsbildungszentrum zur Ausbildung von SOS–Jugendlichen im Bereich Landwirtschaft. Um den Kindern Madagaskars eine gute Schulausbildung zu ermöglichen wurden im Laufe der Jahre 3 SOS–Hermann–Gmeiner–Schulen für insgesamt über 1000 Kinder und Jugendliche errichtet, die hier eine Pflicht– und Sekundarschulausbildung in Anspruch nehmen können. Zusätzlich wurden neun Sozialzentren und Kindertagesstätten eröffnet. Bis zu 1000 Kinder arbeitender Mütter werden hier tagsüber betreut und erhalten eine ausgewogene Mahlzeit sowie eine Vorschulerziehung. Insgesamt betreuen die SOS–Kinderdörfer in Madagaskar über 12.000 Kinder und Jugendliche pro Jahr und weitere 6000 erwachsene Menschen nehmen jährlich die Hilfe der Kinderdorf–Einrichtungen in Anspruch.
Wer vor Ort helfen oder eine der Einrichtungen besuchen möchte, kann dies gerne tun. Die SOS–Kontaktadresse in Madagaskars Hauptstadt lautet: Villages d'Enfants SOS de Madagascar, National Director: Mr. Daniel Paniez, Andrainarivo (près Hôtel Panorama), Antananarivo 101, Postanschrift: P.O. Box 6062, Antananarivo 101, Madagascar, Tel 020/22 41827, Fax 020/22 41828, e–mail: vesosmad@moov.mg
Deutsches Spendenkonto: 111 1 111 (siebenmal die Eins), Deutsche Bank München, BLZ: 700 700 10, Stichwort/Verwendungszweck angeben: SOS–Madagaskar. Adresse der SOS–Kinderdörfer weltweit: Hermann–Gmeiner–Fonds Deutschland e.V., Menzinger Str. 23, 80638 München, Tel.: 089/179 14 261, Fax: 089/179 14 260. Website: www.sos–kinderdoerfer.de/html/madagaskar/html oder www.sos–kinderdoerfer.de
Fahrbare Geschäftsstelle nach Madagaskar exportiert
Susanne Hierholzer ist für die Sparkassenstiftung von Ort tätig und geht dort neue Wege / „Wir möchten uns auf die Kunden zubewegen“
Von Klaus Heimer, Antananarivo
In Deutschland und anderen Ländern werden fahrbare Geschäftsstellen von Geldinstituten seit Jahrzehnten eingesetzt, kommen jedoch immer mehr aus der Mode, da heutzutage Geldautomaten und andere Maschinen oder auch das bequeme Online–Banking von zu Hause aus viele Dienstleistungen übernehmen.
Auf der 8000 Kilometer entfernten Tropeninsel Madagaskar, auf der die frühere Abteilungsleiterin der Sparkasse Staufen–Breisach, Susanne Hierholzer, seit über 2 Jahren im Dienste der deutschen Sparkassenstiftung für internationale Kooperation die einheimische Sparkasse CEM (Caisse d’Epargne de Madagascar) berät und ihr den Weg in die Zukunft weist, erlebt ein solches Mobil eine Renaissance.
Seit rund drei Jahren ist die Bankenlandschaft in dem vor der Südostküste Afrikas gelegenen bitterarmen Land in Bewegung. Etliche Neuansiedlungen sind seit der Amtsübernahme durch Staatspräsident Marc Ravalomanana im Jahre 2002 erfolgt. Insbesondere solche mit dem Schwerpunkt auf Kleinkrediten boomen ohne Ende und eröffnen eine Geschäftsstelle nach der anderen. Da sind dann Ideen gefragt, den Mitbewerbern einige Schritte voraus zu eilen. „Mit vier Rädern ist das dann kein Problem“, ist Susanne Hierholzer überzeugt.
Dank der finanziellen Unterstützung der Sparkassenstiftung und des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (80 Prozent) und des Eigenanteils von 20 Prozent der CEM wurde 2008 eine gebrauchte mobile Geschäftsstelle, die früher im Raum Frankfurt für die Nassauische Sparkasse Dienst tat, in die Heimat von Pfeffer und Vanille exportiert. Rechtzeitig zu den Feierlichkeiten 2008 aus Anlass der Unterzeichnung des allerersten deutsch–madagassischen Freundschaftsvertrages vor genau 125 Jahren rückte das Fahrzeug in den Blickpunkt der öffentlichkeit.
Mit einer Fahne mit dem weißen „S“ auf rotem Grund, dem deutschen Sparkassenlogo, wurde während der Ausstellung auf die Kooperation hingewiesen. Auf dem zentralen Platz gegenüber dem Goethe–Zentrum in der City der Hauptstadt Antananarivo präsentierte sich die madagassische Sparkasse CEM mit der bisher einzigen rollenden Filiale überhaupt in Madagaskar und ihrem Serviceteam der öffentlichkeit.
Von hier aus ging das schmucke Fahrzeug dann im Juni auf die Nationalstrasse 7 bis in die knapp 1000 Kilometer entfernte Hafenstadt Tulear im Südwesten der Afrika vorgelagerten Insel. Unterwegs wird überall dort Station gemacht, wo es Geschäftsstellen der Sparkasse gibt, die 2008 auf ihr 90–jähriges Bestehen zurückblicken konnte. Hierholzer: „Wir wollen auch die Jugend in Schulen in Bezug auf Sparen sensibilisieren.“ Im Juli und August wurde die fahrbare Geschäftsstelle bei verschiedenen Anlässen wieder in der Hauptstadt eingesetzt, im September ging es nach Majunga (560 km) im Nordwesten der viertgrössten Insel der Welt. „2009 soll das Fahrzeug dann auf regelmäßigen Touren rund um das Zentrum im Hochland feste Punkte anfahren, sich also weiter auf die Kunden zubewegen und die Finanzdienstleistungen vor allem an Orten anbieten, an denen es keine festen Geschäftsstellen gibt.“
Die madagassische Sparkasse beschäftigt inselweit 470 Mitarbeiter in 19 Filialen, davon drei in der Hauptstadt, und betreut über eine Million Kunden bei einer Gesamteinwohnerzahl von über 18 Millionen Madagassen. Die Spareinlagen konnten von 2006 auf 2007 um rund 25 Prozent, was 12,5 Millionen Euro entspricht, erhöht werden. Eine enorme Leistung in einem Land, das zu den zehn ärmsten der Welt gehört.
„Falls es in meiner deutschen Heimat noch eine weitere ausrangierte fahrbare Geschäftsstelle gibt, dann wollen wir auch diese noch nach Madagaskar holen“, merkt Susanne Hierholzer mit Blick in die nahe Zukunft an. „Sparkassen, die ihr Fahrzeug nicht mehr benötigen, können sich gerne bei der Stiftung in Bonn melden.“ Zudem werde nun bei der madagassischen Bankaufsicht eine Lizenz beantragt, um auch ins Kreditgeschäft einsteigen zu können. In Kooperation mit der Hamburger Handelskammer, die in Madagaskar das duale Ausbildungssystem nach deutschem Vorbild für zahlreiche Berufe einführt, soll ab Oktober 2008 auch der Bankassistent einbezogen werden.
Reportagen von A Z
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