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"Ich wurde auf den Namen Albert A 200 S getauft, bin ein waschechter Frankenthaler Bub, wiege rund 35 Tonnen, habe meine Kindheit und Jugendzeit in der Schweiz verbracht und verdiene nun mein Geld im fernen Madagaskar. Ich habe eine einmonatige Schiffsreise in drei dunklen, stickigen Containern hinter mir, atme jedoch jetzt herrliche Sommerluft auf der viertgrössten Insel der Welt."
Wenn die Zeitungsrotationsmaschine der Firma Albert-Frankenthal AG (heute König und Bauer) tatsächlich erzählen könnte, dann wäre dies sicher eine spannende und auch amüsante Sache. Vor weit über 20 Jahren, schätzt der Schweizer Druckmaschinenmechaniker Peter Schwarz, wurden die fünf jeweils 5,7 Tonnen schweren Druckwerke einschliesslich des Falzapparates, der rund sechs Tonnen auf die Waage bringt, von der weit über die Grenzen ihrer Heimatstadt hinaus bekannten Firma gebaut. In dem Schweizer Ort Mels, in den Bergen im Kanton St. Gallen, hat die Maschine lange gute Dienste geleistet, treu und zuverlässig die "Sarganser Zeitung" - ein Regionalblatt - gedruckt und zusammengelegt. Nachdem die Produktion verlagert wurde, schien das Ende gekommen. Doch das Schicksal meinte es gut mit "Albert" aus dem bundesdeutschen Frankenthal. In Madagaskar hat der frühere Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo, der inzwischen zum Staatspräsidenten gewählt wurde, ein Medienzentrum mit Radio- und Fernsehstation sowie Zeitungsverlag geschaffen. Das Aussergewöhnliche an dem Millionenprojekt ist, dass Auftraggeber Marc Ravalomanana, dessen Sohn in Heidelberg studiert hat, nahezu die komplette Technik und das Know-how in der Bundesrepublik Deutschland geordert hat. Im Mai 2001 bauten Peter Schwarz und sein Schweizer Kollege Kurt Zaugg, die ihren ersten gemeinsamen Auslandsauftrag im Indischen Ozean abwickelten, die Rotatationsmaschine nach einem letzten Probelauf in Mels komplett ab und verstauten sie in drei Seecontainern, die von Hamburg aus auf die rund 8000 Kilometer lange Seereise geschickt wurden. In Zusammenarbeit mit dem madagassischen Drucker Jean Desire Rakotonjanahary wurde die Rotationsmaschine in einem Neubau im Stadtteil Anosipatrana wieder aufgebaut. Ein Elektriker und ein Druckereifachmann wiesen die einheimischen Kollegen ein und rechtzeitig zum Wahlkampf des neuen Präsidenten konnte die Nullnummer gedruckt werden. Jeweils freitags kehrt nun Leben in der Druckerei ein: Dann wird die 16-seitige Wochenzeitung Ny Vaovaontsika gedruckt, die die recht lebendige Zeitungslandschaft einmal als Tageszeitung bereichern soll. Wenn die fünf Druckwerke mit Papierrollen - ebenfalls "Made in Germany" - bestückt sind, kann das Blatt innerhalb weniger Stunden gedruckt werden. Farbseiten sind natürlich möglich, im fernen Madagaskar auch heute schon kein Novum mehr. Albert A 2OO S: "Ich freue mich riesig, wieder in Bewegung zu sein und Druckerschwärze riechen zu können. Schliesslich bin ich noch ein junger Spund und will in Madagaskar noch lange zeigen, was in mir steckt. Nur an die neuen Sprachen - Französisch und Malagasy - muss ich mich erst noch gewöhnen. Aber das kriege ich auch noch hin, da bin ich mir ganz sicher. Schliesslich beherrsche ich ja auch schon Schwyzer Deutsch." |
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