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Der VFK Bau Rostock und der Polizeisportverein der Stadt sind bei einigen Straßenkindern in der madagassischen Hauptstadt Antananarivo seit kurzem bestens bekannt. Beide Vereine haben etliche Judojacken und Gürtel zur Verfügung gestellt, die die 23-jährige Studentin Wiebke Standfuß mit auf die vor der Südostküste Afrikas gelegene Gewürzinsel genommen hat. Die Rostockerin, deren Eltern in Häschendorf wohnen, hat viele Jahre erfolgreich den Judonachwuchs des VFK trainiert und absolviert derzeit ein halbjähriges Praktikum bei der nichtstaatlichen Organisation Manda (bedeutet in Malagasy Schützende Burg), die sich seit fünf Jahren intensiv um Mädchen und Jungen kümmert, welche entweder kein Zuhause mehr haben, mit ihren Eltern auf der Strasse leben beziehungsweise diese aus den verschiedensten Gründen verlassen oder verloren haben und für die das Wort Überlebenskampf täglich aufs Neue schlimme Realität ist. Finanziell gefördert wird die viel Einfühlungsvermögen erfordernde Arbeit, die auch die Ausbildung Jugendlicher in den Bereichen Schreinerei, Nähen, Schneidern und Weben umfasst, von dem Berliner Verein Zaza Faly.
Wiebke Standfuß hat am früheren Rostocker Wilhelm-von-Humboldt-Gymnasium ihr Abitur gemacht, engagierte sich dort drei Jahre als Schülersprecherin, leistete dann in der Nähe der französischen Stadt Bordeaux in einer Einrichtung für Geistigbehinderte ein freiwilliges soziales Jahr, hängte dort noch zwölf Monate dran, bevor sie 2001 an der staatlichen Fachhochschule Köln das Studium im Bereich Sozialarbeit aufnahm. Die Diplomarbeit werde ich über meine Erfahrungen und Eindrücke auf der Insel Madagaskar schreiben, auf der das Problem der Straßenkinder von offizieller Seite lange totgeschwiegen wurde. Die Ideen, was man Gutes für die dankbaren Schützlinge in die Wege leiten könnte, sprudeln aus Wiebke wie aus einem nicht versiegenden Quell. An meinem Studienort und in der Heimatstadt Rostock möchte ich nach meiner Rückkehr im Frühjahr 2005 Partnerschaften initiieren, also Spender suchen, die das Schulgeld für ein Straßenkind übernehmen. In Madagaskar wird sie in bei Touristen besonders beliebten Hotels mit den Direktoren Gespräche führen und diese bitten, Handzettel auszulegen oder einen Verkaufsstand mit kunstgewerblichen Arbeiten aufzustellen. Es gibt viele Besucher, die neben dem reinen Urlaub auch etwas Sinnvolles tun wollen, aber oft keinen konkreten Ansprechpartner haben. Das soll nun besser werden. Ausländische Gäste seien oft überfordert von widersprüchlichen Eindrücken wie toller Natur, Urlaubsidylle und dann als Kontrast im Abfall wühlende Straßenkinder. Wir wollen informieren und aufzeigen, dass diese Kinder nicht Bonbons oder Kleingeld benötigen . Eine Internetseite wird gestaltet und die örtliche Presse verstärkt über Aktivitäten informiert. Weitere Aktionen sind in Vorbereitung, die dazu beitragen sollen, dass sich Manda noch mehr aus eigener Kraft finanziell über Wasser halten kann, wenn der Spendenfluss aus Deutschland einmal abreißen sollte. Wiebke Standfuß: Den politisch Verantwortlichen in Madagaskar soll zudem die reale Situation der Straßenkinder stetig vor Augen geführt werden. Darüber hinaus ist Wiebke, die sich schnell einen stattlichen Wortschatz in der Landessprache Malagasy angeeignet hat, in den Alltag im Sozialzentrum aktiv eingebunden. Mit den Jüngsten werden kleine Theaterstücke eingeübt und es wird viel gebastelt, mit den Jungen Basketball gespielt, mit den Mädels werden Tänze einstudiert und Französisch gepaukt. Dank der Unterstützung aus Rostock kann jetzt auch einmal in der Woche mit der Deutschen, die Trägerin des braunen Gürtels ist, in der Sporthalle der nahen Universität Judo trainiert werden. Die Mädchengruppe hat inzwischen die noch fehlenden Hosen genäht. Wiebke Standfuss: Positiver Nebeneffekt der sportlichen Betätigung ist, dass die Jungen, die mit Begeisterung bei der Sache sind, spielerisch lernen, Regeln zu beachten, sich gegenseitig zu respektieren und auch Wert auf Körperhygiene zu legen. Auf der Strasse geht es oft sehr rau zu. Wichtig sei ihr auch, bei Manda zu sehen, wie eine solche nichtstaatliche Organisation in einem Land der so genannten Dritten Welt aufgebaut und wie die Zusammenarbeit mit ähnlichen Einrichtungen ist. Die Kinder sind so dankbar und froh, dass sich jemand mit ihnen beschäftigt, ihnen Liebe und Geborgenheit gibt, ihnen Wertschätzung und Akzeptanz entgegenbringt, ist schöne Erfahrung, die vom ersten Tag an gemacht wird. Die Kleinen werden von dem Betreuungsteam als Menschen mit einer Geschichte, Persönlichkeit und verschiedenen wertvollen Fähigkeiten wahrgenommen. Sie können die wichtigsten Kulturtechniken, wie Lesen, Schreiben und Rechnen, erlernen, um nicht mehr von Almosen oder Abfällen abhängig zu sein. Ihr Lachen ist das schönste Dankeschön. Die vielseitig interessierte junge Frau hat in Frankreich mit Kontakt-Improvisationstanz begonnen, was sie gerne fortsetzen möchte. Leider fehlte mir anfangs in Madagaskar die Zeit, mich mit zeitgenössischen Tänzen zu beschäftigen, doch nun gehe ich regelmäßig zu Übungsstunden. Darüber hinaus malt und zeichnet Wiebke sehr gerne, für die dieses Hobby eine gute Möglichkeit sei, dem Erlebten eine Form zu geben und spontan Emotionen auszudrücken. Nach dem Studienabschluss will sie eventuell noch eine Ausbildung als Psychodrama-Therapeutin dranhängen, um später in einer Familienberatungsstelle oder ähnlichen Einrichtungen arbeiten zu können. Insbesondere Rollenspiele seien hier eine gute Möglichkeit, Alltagsprobleme aus mehreren Perspektiven zu überdenken und zu hinterfühlen oder unterschiedliche Situationen zu durchleben. Doch dies steht noch etwas in den Sternen. Gerade stand die Organisation der Geburtstagsfeier zum fünfjährigen Bestehen von Manda mit Vertretern der Regierung und der Stadtverwaltung im Goethe-Zentrum in der Hauptstadt an, die von den jungen Leuten mit Musik, Gesang, Tanz, einer Modenschau und einer Ausstellung mitgestaltet wurde. Die Entlassfeier für die acht Auszubildenden wird vor dem Weihnachtsfest ein weiterer Höhepunkt im Jahresablauf sein. Die Absolventen der Lehrwerkstätten erhalten von Manda jeweils eine Starthilfe für Grundausstattung und Handwerkszeug für den weiteren beruflichen Weg, zudem werden die ersten Mieten übernommen. Dies soll ebenfalls den Weg in die Selbstständigkeit erleichtern, ferner halten die Ausbilder den Kontakt zu den Arbeitgebern der Jugendlichen, die also auch künftig nicht mehr alleine auf der Strasse stehen müssen. Einige Absolventen haben inzwischen gute Stellen gefunden. Bakoly, eine junge Frau, hat sogar ihre kunstvollen Webarbeiten aus Seide schon in Frankreich präsentieren können. |
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