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Mainzer Ulrich Link mit Air Madagascar auf Höhenflug

Lufthansa Consulting macht flügellahme Airline wieder marktfähig / 49–jähriger Generaldirektor: "Ein Traum geht in Erfüllung"

Von Klaus Heimer, Antananarivo

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Antananarivo (dpa) – "Es ist sicher der größte Traum eines jeden Mitarbeiters eines Unternehmens der Flugbranche, einmal seine ,eigene' Airline zu managen und für eine ganze Flotte verantwortlich zu sein." Ulrich Link, dessen Wahlheimat seit 1990 der Mainzer Stadtteil Bretzenheim ist, weiß wovon er redet. Man sieht ihm die Zufriedenheit über seinen Beruf trotz des 24 Stunden–Tages und der Sieben–Tage–Woche 8000 Kilometer von zu Hause entfernt an. "Ich habe seit Studienende 1985 in Aachen beruflich ein Vagabundenleben geführt, war in halb Europa zu Hause und bin jetzt für die Lufthansa Consulting mit Sitz in Köln der dritte deutsche Generaldirektor bei Air Madagascar."

Der Umzug vom letzten Arbeitsplatz in Stockholm ging rasend schnell: "Freitags habe ich dort meinen Schreibtisch ausgeräumt, bin nach Hause geflogen, habe den Koffer gepackt, bin nach Madagaskar gedüst und montags um 8 Uhr war ich im neuen Büro an der Unabhängigkeitsstrasse." Wenn Ulrich Link jedoch an die ersten Arbeitstage als fliegender Entwicklungshelfer in exotischer Umgebung denkt, dann gerät er nachträglich noch ins Schwitzen. Ein Flugzeug hatte einen technischen Motorschaden, was in der nun 45–jährigen Geschichte des Unternehmens noch nie vorgekommen sei, kurz darauf musste das angespannte Verhältnis mit den streikbereiten Piloten bereinigt werden. "Das war meine Feuertaufe. Von der ersten Minute an musste ich operationsbereit sein." Fünf Direktoren und insgesamt rund 1450 Beschäftigte bilden mit dem sprachbegabten 49–jährigen Deutschen, den alle nur kurz "DG" (Directeur Général) nennen, das Team bei Air Madagascar. Schmunzelnd wird angemerkt, dass anfangs vor allem die madagassischen Namen eine Herausforderung für ihn gewesen seien. So heißen führende Mitarbeiter etwa Erick Rabemananoro, Andriamialisoa Rakotomalala, Arthur Randiranambinintsoa.

Nach der schweren politischen Krise mit einem gut halbjährigen Generalstreik im Jahre 2001 auf der viertgrössten Insel der Welt hätte niemand mehr nur einen einzigen Euro für diese 1962 gegründete Linie gegeben, die flügellahm mit einem Schuldenberg von 40 Millionen US–Dollar eine finanzielle Bruchlandung hinter sich hatte. Die Lufthansa Consulting durchleuchtete 2002 den "Patienten" auf ihrer internen Intensivstation und arbeitete einen Restrukturierungsplan aus, der nicht nur beim deutschfreundlichen Staatspräsidenten Marc Ravalomanana auf Zustimmung stieß. Die Gläubiger verzichteten auf 50 Prozent der Schulden, für zehn Millionen US–Dollar stand der Staat gerade, die restlichen zehn Millionen sind komplett von der nationalen Fluglinie aus eigener Gewinnkraft in drei Jahresraten abgezahlt worden. Eine enorme Leistung innerhalb kürzester Zeit. Inzwischen ist der Vertrag mit dem bundesdeutschen Beratungsunternehmen zum zweiten Male verlängert worden und es ist nun Aufgabe von Ulrich Link, nach dem ungeahnten Höhenflug der Linie für eine Konsolidierung zu sorgen, die zukunftsgerichtete Flottenpolitik den Gegebenheiten anzupassen und eine schlagkräftige Vertriebseinheit aufzustellen, um das nun kerngesunde Kind "Air Madagascar" noch besser auf dem internationalen Markt verkaufen zu können.

Ulrich Link: "Wenn unsere Aufgabe beendet ist, dann wollen wir dem Land eine Fluglinie zurückgeben, auf die die Menschen stolz sein können. Die Mitarbeiter können dann auch ohne uns auf einem soliden Grundstock aufbauen und vernünftig arbeiten." Der in Fulda geborene Wahlmainzer drückt Begeisterung darüber aus, in seinem Job tagtäglich etwas gestalten zu können. Dies sei eine enorme Herausforderung, aber auch mit besonderer Verantwortung verbunden, da man bei jeder Entscheidung oder Initialzündung die Folgen für die einzelnen Firmenbereiche überdenken müsse. "Stolz ist bei meiner Tätigkeit nicht angebracht, Freude an der Arbeit, Demut und Bescheidenheit sind eher die richtigen Gefühle", merkt der knallharte Geschäftsmann nachdenklich an. Er könne sich auf neue Kulturkreise und die unterschiedliche Mentalität anderer Völker schnell und gut einstellen. Das komme ihm ganz besonders in Madagaskar zugute. "Man darf hier auf keinen Fall nach Gutsherrenart agieren. Ich sehe mich eher als Spielertrainer, der zwar Einkäufe macht, Strategien und Techniken entwickelt, aber auch selbst auf dem Rasen steht."

Air Madagascar hat die Passagierzahlen von 266.033 im Jahre 2002 auf 606.031 in 2006 und das Frachtaufkommen von 3374 auf 4323 Tonnen steigern können. Zwölf Flugzeuge, darunter zwei Boeing 767 und zwei Boeing 737–300, stehen derzeit für die wöchentlichen 18 Langstreckenflüge nach Paris, Milan, Bangkok (ab März auch noch Marseille), die 52 regionalen (La Reunion, Mauritius, Komoren, Südafrika, Kenia und Mayotte) und die 435 Inlandsflüge zur Verfügung.

Wenn man so oft im Flieger sitzt, wie Ulrich Link, oder mehrere Jahre in Düsseldorf, Frankfurt, Stockholm beziehungsweise in Paris seinen Stammsitz hat, dann leidet meist das Familienleben. Dem muss Ulrich Link energisch widersprechen. Der Diplom–Ingenieur für Chemische Technik und Diplom–Kaufmann hat seine aus Frankreich stammende Ehefrau Martine 1984 gegen Studienende in Aachen geheiratet, Sohn Johannes, der in Würzburg Sinologie studiert, kam im gleichen Jahr zur Welt, Tochter Annabelle, die in Worms jetzt ein Touristikstudium aufnimmt, 1986. Jedes Mal, wenn ein Umzug anstand, habe der Familienrat getagt. "In Paris lebten wir zusammen, in Stockholm war ich alleine, die Familie blieb in Mainz. Doch an Wochenenden oder in den Ferien waren alle bei mir auf der Bude in Schweden." Madagaskar habe ich mir zunächst zwei Tage mit meinem Vorgänger Berend Bruns und dann noch einmal mit meiner Frau angeschaut. Die Entscheidung, hier her zu ziehen, sei schnell gefallen, zumal die Kinder nun erwachsen seien. "Wenn man sechs Jahre in Stockholm war und dann in Antananarivo landet – der Kontrast könnte nicht größer sein. Aber das hat mich an meiner neuen Aufgabe gereizt."

In Madagaskar lasse es sich sehr gut leben, exotische Speisen und Getränke seien ausgezeichnet, wenn auch die aus Deutschland bekannte Vielfalt an Wurst– und Brotsorten fehle. Ulrich Link: "Wenn ich jedoch aus dem Urlaub in Deutschland mit 50 Bratwürstchen im Koffer nach Madagaskar zurückkomme, löst das bei Grillabenden mit einheimischen Freunden wahre Begeisterungsstürme aus."



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