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Was
vorbeirauscht, wird in Miniaturformat gebaut
Im
Hochland von Madagaskar wird Holzspielzeug hergestellt / Kinder
können dank der Einnahmen nun zur Schule geschickt werden
Von
Klaus Heimer, Antananarivo
Feno
und Hanta Rajaonarivony und ihre sechs Kinder leben in bescheidenem
Wohlstand. Die madagassische Familie besitzt direkt an der
Nationalstrasse 7, die von der Hauptstadt Antananarivo im Hochland
zur Hafenstadt Tulear im Südwesten der Gewürzinsel führt,
sogar ein schmuckes Häuschen. Ein eigenes Auto werden sie sich
wohl nie leisten können, trotzdem verfugen die Eheleute über
einen ganz beachtlichen Fuhrpark direkt vor der Haustüre...
Die
rund 1.000 Kilometer lange Hauptverbindungsachse vom Zentrum
Madagaskars zur Hafenstadt Tulear ist von alters her sehr stark
frequentiert. Mächtige Trucks, Buschtaxis, Tankfahrzeuge,
Brauereiwagen und Lieferwagen aller Größen sowie natürlich
Personenwagen rauschen tagtäglich an der Haustüre von Feno
und Hanta vorbei. Irgendwann wurde vor Jahren mehr spielerisch ein
erstes Fahrzeug aus Holz für die eigenen Kinder nachgebaut. Es
fand einen Käufer und seitdem wird mit viel Professionalität
und Geschick ein neuer Haupternährungszweig neben der
Landwirtschaft (Reisanbau und Gemüse) stetig weiterentwickelt
und ausgebaut.
"Am Anfang sahen unsere Modelle eher
klobig und etwas plump aus", gesteht Feno schmunzelnd ein.
,,Doch wir haben uns mächtig angestrengt, dazugelernt, uns
bessere Werkzeuge beschafft und auch verschiedene Farben und Lacke
zur optischen Gestaltung gekauft." Die heutigen Ergebnisse
können sich sehen lassen. Rund ein Dutzend Familien links und
rechts eines etwa 2 km langen Straßenstücks produzieren
derzeit im Miniformat all das, was bei ihnen in beide Richtungen
vorbeifährt. Verblüffend ist dabei die Detailgenauigkeit.
Die Baupläne sind im Kopf gespeichert, der Nachbau bereitet den
findigen Tüftlern und Bastlern keinerlei Probleme. Vorbilder auf
vier und mehr Rädern gibt es ja zu Genüge.
In
Antsirabe hat zum Beispiel die Brauerei (Three Horses Beer) ihren
Hauptsitz. Die leuchtend roten Lastwagen des florierenden
Unternehmens sind natürlich Blickfang. Ferner wird in der nahen
Edelsteinmetropole auch Limonade, Speiseeis, Joghurt etc.
hergestellt. Der vom derzeitigen Staatspräsidenten Marc
Ravalomanana landesweit agierende Lebensmittelkonzern Tiko hat
übrigens seine gesamte Fahrzeugflotte mit über 150 Lkw bei
einer deutschen Firma in Sittensen geordert. Darüber hinaus wird
Sprit der großen Ölkonzerne in Tankfahrzeugen, die auch
aus Holz en miniature entstehen, Richtung Süden befördert.
Der zunehmenden Zahl Landrover im Straßenbild wird ebenfalls
Rechnung getragen und auch diese geländegängigen Fahrzeuge
dürfen in der Angebotspalette nicht fehlen.
Direkt am
Fahrbahnrand werden mit einfachsten Hilfsmitteln dekorative Stände
errichtet. Schon von weitem sind die Mini-Trucks als bunte
Farbkleckse in der Landschaft zu erkennen. Viele Lkw-Fahrer halten
an, um ihr Gefährt im Kleinformat mit nach Hause zu nehmen.
Familien mit Kindern finden hier ein stabiles Spielzeug für den
Nachwuchs. Billigimporte aus China gerade auf dem Spielzeugsektor,
die meist nur eine kurze Lebensdauer haben, überschwemmen seit
einiger Zeit den madagassischen Markt und verdrängen mehr und
mehr Blech- oder auch Holzautos. Doch Holzspielzeug erlebt auch in
Madagaskar eine Renaissance.
Bei schönem Wetter sitzen
ganze Familien vor ihren Häusern und arbeiten fast wie am
Fliessband. Jeder hat seine feste Aufgabe, sei es Räder aus Holz
schnitzen, die Karosserie vorbereiten oder das Bemalen und
Beschriften", erzählt Feno. Rechtschreibfehler, die früher
oft zum Schmunzeln anregten, wurden inzwischen ausgemerzt - auch eine
positive Folge der regelmäßigen Einnahmen der Familien,
die ihre Kinder nun zur Schule schicken können.
Im
Gegensatz zu den Zafimaniry, den bekanntesten Holzschnitzern
Madagaskars, 150 km südlich um das Zentrum Ambositra, verwenden
unsere Holzautobauer ausschließlich Pinienholz und keinerlei
Edelholzer, die in den vergangenen Jahrzehnten fast völlig aus
diesem Teil des Hochlandes verschwunden sind. Noch gibt es das
Arbeitsmaterial in der Nähe, doch der Produktion von Holzkohle
(auf dem Land das einzige Brennmaterial zum Kochen) fallen immer mehr
Eukalyptus- oder Nadelbäume zum Opfer.
Feno und Hanta
brauchen sich um den Absatz ihrer Trucks keine großen Gedanken
zu machen. Der Transport auf die Märkte in der Hauptstadt lohnt
nicht, doch es fahren ja ausreichend potenzielle Kunden am Haus
vorbei. Und Konkurrenz belebt auch hier das Geschäft und fordert
Leistung sowie Qualität, wird die Erfahrung gemacht. Die
Familien, die sich auf den Truck-Nachbau spezialisiert haben, helfen
sich gegenseitig, damit auch jeder Kundenwunsch erfällt werden
kann. Sonderanfertigungen stellen kein Problem dar. Oft reicht ein
Foto aus, um ein neues Modell in kürzester Zeit anzufertigen.
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