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"Ich war auf alles gefasst, auch auf mangelnde Hygiene
und so, aber bis jetzt ist eigentlich alles optimal
gelaufen. Madagaskar ist überwältigend." Der
22jährige Tobias Schill aus Rheinhausen, der ein
studienbedingtes siebenmonatiges Praktikum auf der
viertgrößten Insel der Welt absolviert, hat sich gut
eingelebt, nette Menschen kennengelernt und auch die
Arbeit bei der FriedrichEbertStiftung in der
Hauptstadt Antananarivo sagt ihm zu. "Mein Vorgänger
hat mir das Einleben erleichtert und viele wertvolle
Tipps gegeben." Groß war zudem die überraschung, als
Tobias, der an der Universität Konstanz Politik und
Verwaltungswissenschaften (Ba) belegt hat, seinen
Studienkollegen Franz Böttcher traf, der ebenfalls am
Bodensee studiert und nun bei der deutschen Botschaft
hospitiert. Beide wohnen zusammen und mit weiteren
jungen Leuten unterschiedlicher Nationalitäten wird
nach Feierabend und an Wochenenden viel unternommen.
Im vierten Semester ist ein Praktikum obligatorisch, das den jungen Breisgauer auf die ferne Tropeninsel Madagaskar geführt hat. Tobias Schill: "Ich wollte in den frankophonen Bereich, um meine Französischkenntnisse zu verbessern, und zudem in ein afrikanisches Entwicklungsland." Er hat etliche Bewerbungen rausgeschickt, die einzige Zusage kam von der FriedrichEbertStiftung. Anfang März wurde der Koffer gepackt und ab ging es auf die vor der Südostküste Afrikas gelegene Gewürzinsel, die gleichsam Afrika und Asien en miniature ist. 8000 Kilometer von zu Hause entfernt ist der Student nun eingetaucht in eine völlig neue Welt. "In der Stiftung wurde ich von den Mitarbeitern überaus herzlich aufgenommen. Derzeit wird der bevorstehende viertägige Besuch des deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler vorbereitet." Tobias ist in erster Linie in das zehnmonatige "Youth Leadership Training Programm" der Stiftung eingebunden, für das auch im zweiten Jahr 25 junge Leute aus verschiedenen Organisationen und Bereichen der madagassischen Gesellschaft ausgewählt wurden. Als Seminarassistent ist er in erster Linie für den Ablauf zuständig. Darüber hinaus werden im Außenministerium, bei der Botschaft und anderen Einrichtungen Termine wahrgenommen, Einladungen verfasst, Kontakte zur Presse gehalten und das gesellschaftliche Leben allgemein wird beleuchtet. "Das ist alles überaus spannend." Für den Rheinhausener ist es der erste große Auslandsaufenthalt. "Ich habe bisher immer andere beneidet, die fremde Länder bereist oder dort gearbeitet haben. Mein Studium bietet mir erfreulicherweise die Möglichkeit, dies nun ebenfalls zu tun." Tobias Schill hat im Archiv der Uni Erfahrungsberichte von Kollegen gelesen, die ähnlich wie er ihr Praktikum fernab der Heimat leisteten. Der Studiengang in Konstanz umfasse neben öffentlichem Recht, auch Management, Personal und Organisationsstrategien. Der 22Jährige kann sich durchaus vorstellen, ein Masterstudium dranzuhängen mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen. "Dieses Praktikum ist für mich auch deshalb wichtig, um zu erkennen, ob der berufliche Weg, den ich einschlagen möchte, der Richtige ist und er mit meinen Vorstellungen übereinstimmt. Man muss hier offen sein, auf die Menschen zugehen und sich auf sie einlassen, ohne die Vorsicht zu vernachlässigen", betont der Student im Gespräch mit dieser Zeitung unter der Tropensonne Afrikas. Tobias Schill, der in Herbolzheim geboren wurde, machte im Jahre 2003 an der Heimschule St. Landolin in Ettenheim das Abitur und leistete im Anschluss bei der Sozialstation St. Franziskus der Caritas in Herbolzheim den neunmonatigen Zivildienst. "Ein Freund von mir hatte dort gearbeitet und die abwechslungsreiche Arbeit gelobt." Der 22Jährige unterstützte die Mitarbeiter der katholischen Einrichtung bei der Pflege älterer Menschen, lieferte Mahlzeiten ("Essen auf Rädern") aus oder übernahm den Fahrdienst für behinderte Schüler. Darüber hinaus wurden Hausmeistertätigkeiten ausgeübt, die Fahrzeuge der Station gewartet und auch in der Verwaltung hat er mitgearbeitet. Der junge Mann ist vielseitig interessiert, war im früheren Jugendverein Rheinhausen mehrere Jahre Kassierer, spielte rund 14 Jahre beim TuS Oberhausen Handball, zuletzt in der zweiten Mannschaft, gehörte als Trompeter dem Musikverein Niederhausen an, nahm Orgelunterricht und brachte sich selbst das Gitarrenspiel bei. "Sport und Musik sind nach wie vor meine liebsten Freizeitbeschäftigungen." Natürlich will er in Madagaskar "möglichst viel von der überaus lebendigen Musikszene mitnehmen". Konzerte werden besucht, mit Kunstschaffenden und Gleichaltrigen wird gerne diskutiert und auch das Leben fernab der Zivilisation erforscht. Mit der Digitalkamera, "ein Weihnachtsgeschenk", werden die vielen Eindrücke festgehalten und die Familie in Rheinhausen kann per Internet daran teilhaben. |
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