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Die 38jährige Sonja Ranarivelo geborene Gottlebe, die im bundesdeutschen Kassel das Licht der Welt erblickte, in Rinteln an der Weser aufgewachsen ist, seit 1978 in Madagaskar lebt, 1990 in Antananarivo geheiratet und inzwischen drei Töchter hat, ist eine echte PowerFrau: Seit nunmehr 18 Jahren betreibt sie an einem Süßwasserkanal Richtung Ostküste das bekannte "Buschhaus", leitet seit 1989 ein renommiertes Reisebüro ("Boogie Pilgrim"), unterhält mehrere TouristenCamps im Land und ist seit einiger Zeit zudem Präsidentin von "Go to Madagascar", einer Organisation, der etliche Grossunternehmen der Reisebranche angehören.
Gerade konnte die vielseitig engagierte Geschäftsfrau, die immerhin 35 Mitarbeiter beschäftigt, als Anerkennung für diverse Umweltschutzmassnahmen und ökologische Tourismusförderung in direkter Verbindung mit Erwerbssicherung der einheimischen Bevölkerung im HochlandFeuchtwald von Anjozorobe den Umweltschutzpreis des über 5000 Mitglieder zählenden Deutschen Reisebüro und ReiseveranstalterVerbandes bei der 55. Jahrestagung in Dubai entgegennehmen. Diese Auszeichnung wird seit 1987 vergeben. Im Vorjahr erreichte die Deutsche bei ihrer allerersten Bewerbung übrigens Rang drei. Im Jahre 2000 ging der Preis auf die FidschiInsel Viti Levu, danach an ein Forschungs und Bildungsprojekt für verantwortungsvollen Walbeobachtungstourismus vor der Küste der Kanareninsel La Gomera, an die Förderung von ökotourismus rund um die Frische und Kurische Nehrung der Ostsee, an eine Organisation, die in Nepal die Luftverschmutzung bekämpft, und an eine Einrichtung in Australien, die dafür sorgt, dass die Ureinwohner unter Berücksichtigung ihres kulturellen Erbes am Tourismus teilhaben können. In Anjozorobe, 90 Kilometer oder zwei Autostunden nördlich der Hauptstadt Antananarivo, haben Sonja Ranarivelo und ihr Mitarbeiterteam mit der einheimischen Nichtregierungsorganisation "Fanamby" seit 2002 ein Projekt für regionale Entwicklung in enger Zusammenarbeit mit der örtlichen Bevölkerung erarbeitet. Diese Aktion sei ein gutes Beispiel dafür, welche Vorteile die Zusammenarbeit des Privatsektors mit einem derartigen Entwicklungsprojekt haben könne, urteilte die Jury. Sonja Ranarivelo: "Die Touristen schätzen es sehr, neben den Pflanzen und Tieren auch die kulturelle und menschliche Seite in einem Ort kennenzulernen. Und für die Madagassen ist es von Vorteil, mit den "vazaha" (=Fremder, Europäer) in Kontakt zu kommen und weltoffener zu werden." Der WaldKorridor von Anjozorobe gehört in der vor der Südostküste Afrikas gelegenen Heimat von Pfeffer und Vanille, in der sich die restlichen noch vorhandenen Wälder in rasantem Tempo buchstäblich in Rauch auflösen, zu den letzten überresten der Feuchtbereiche des madagassischen Hochlandes. Er umfasst bei einer Breite von 80 Kilometern rund 66.500 Hektar und ist, eine Seltenheit, intakt. Dieser Wald bietet Lebensraum und Schutz für viele seltene Tiere und Pflanzen. Elf verschiedene Lemurenarten, darunter der Indri, der Riese unter den Halbaffen, der DiademSifaka oder putzige Mausmakis, nachtaktive Gesellen, die nur rund 40 Gramm wiegen, sind hier noch zu Hause und können beobachtet werden. Für Ornithologen ist der Bereich ebenfalls eine Schatztruhe: In Anjozorobe wurden bis jetzt 82 Vogelarten bestimmt, von denen 43 endemisch sind. 423 Pflanzenarten lassen das Herz des Botanikers höher schlagen. Von dem zentralen Lager, dem "Soa Camp" (Soa bedeutet in Malagasy "schön") mit geräumigen Zelten, komplett ausgestattet mit sanitären Einrichtungen, werden unter Leitung ortskundiger Führer des Dorfes Wanderungen durch den Primärwald angeboten, ferner "treeclimbing"Ateliers für Schüler und Teambuilding für Mitarbeiter großer Firmen aus der Hauptstadt. Dieses Camp mit derzeit rund 200 Besuchern im Jahr wird ausschließlich von Einheimischen aus der Anrainerbevölkerung geleitet. Im Mai 2005 wurde mit dem Bau einer ökoLodge begonnen. Rund 400 Menschen leben in dem Dorf im Bereich des Privatwaldes der Familie Ranarivelo. Mit dem touristischen Projekt seien auch zahlreiche Schutzmaßnamen verbunden, um eine Vernichtung des Waldes insbesondere durch übernutzung der natürlichen Ressourcen, durch die noch weit verbreitete Brandrodung oder durch Buschfeuer zu vermeiden. Sonja Ranarivelo: "Ein Management und Tourismusentwicklungsplan für die Region soll eine nachhaltige Entwicklung garantieren." Erträge aus dem Projekt kommen von Beginn an teilweise der einheimischen Bevölkerung zugute. So wurde 2004 eine Schule finanziert und gebaut, die inzwischen von 60 Mädchen und Jungen besucht wird. "Damit will ich erreichen, dass die Kinder eine bessere Zukunft haben als ihre Vorfahren in dieser lange Zeit abgeschiedenen Region." Derzeit setzt sich die 38jährige mit einheimischen Partnern dafür ein, dass in Madagaskar konkrete Kriterien für den Begriff "ökotourismus" festgelegt werden und der Status "Privatreservat" offiziell anerkannt wird. "Bisher gibt es leider nur den Begriff Privatbesitz." Bedauert wird auch, dass etliche Reiseveranstalter unter der Flagge ökotourismus fahren, oft jedoch nur "Touren in die Natur" veranstalten. "Ausländische Besucher kennen den Unterschied sehr genau und sind dann enttäuscht, wenn ihnen etwas vorgegaukelt wird." |
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