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"Von christlicher Nächstenliebe getragene Arbeit"

Bundespräsident Köhler besuchte Ausbildungszentrum "Soltec" des deutsch-madagassischen Vereins in Antananarivo / Lob für Eheleute Hekler

Von Klaus Heimer, Antananarivo

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"Ich bin glücklich, in Madagaskar Menschen aus Deutschland zu treffen, die die Initiative ergreifen und Gutes bewirken." Bundespräsident Horst Köhler ließ sich auch durch Zeitdruck und den schon längst fälligen Weiterflug von Antananarivo nach Botswana nicht davon abhalten, den Eheleuten Inge und Günter Hekler sowie den Mitgliedern des 1988 gegründeten deutsch–madagassischen Vereins Esslingen, der auf der Tropeninsel im Indischen Ozean ein Ausbildungszentrum für junge Menschen aus ärmlichen Verhältnissen bzw. Waisen unterhält, seine ganz besondere Anerkennung für diese "selbstlose, solidarische und von christlicher Nächstenliebe getragene Arbeit" auszusprechen.

In Madagaskar seien bereits viele gute Dinge auf den Weg gebracht worden, es müsse aber noch mehr geschehen, wofür Kraft, Zeit und Geld erforderlich seien. Das Beispiel des Esslinger Vereins zeige in hervorragender Weise, dass man auch im Kleinen etwas bewirken könne. Man dürfe sich nicht einschüchtern lassen von Katastrophen und dem Elend in vielen Teilen der Welt, sondern mit persönlichem Engagement gezielt auf eine Verbesserung hinarbeiten. Es sei ganz besonders wichtig, in Ländern wie Madagaskar Ausbildungsplätze zu schaffen. Dies habe er bei den verschiedenen Stationen seines viertägigen Staatsbesuches in Madagaskar immer wieder festgestellt. "Die jungen Menschen brauchen Angebote."

125 Mädchen und Jungen erhalten derzeit bei "Soltec" in der madagassischen Hauptstadt von 21 Fachkräften in den Bereichen Metall– und Holzverarbeitung, Hauswirtschaft und Kochen, Nähen und Sticken eine kostenfreie Ausbildung und damit eine Chance, ihre Zukunft später einmal selbst in die Hände zu nehmen. Vereinsvorsitzender Günter Hekler, der mit Udo Fredmüller aus Ratingen 8000 Kilometer von zu Hause entfernt gerade das 355. Mitglied aufnehmen konnte, und Ehefrau Inge reisten extra für den Besuch des Bundespräsidenten für eine Woche in die Heimat von Pfeffer und Vanille, um Köhler und der ihn begleitenden Delegation bestehend aus Wirtschaftsfachleuten, Ministeriumsmitarbeitern und Journalisten Einblick in das Projekt zu gewähren, das am 5. Oktober auf sein zehnjährige Bestehen zurückblicken wird. Speziell für das Eintreffen des Ehrengastes aus Berlin wurde das neue Gebäude präsentiert, in dem ab Herbst erstmals auch angehende Kfz–Mechaniker ausgebildet werden können. 12.000 Euro wurden aus Spendengeldern und Mitgliedsbeiträgen aufgebracht, um diesen Neubau in die Tat umzusetzen, mit dem der großen Nachfrage in dem populären Beruf Rechnung getragen werden soll.

Zwei Container mit Hebebühnen, Motoren, Werkzeug und weiterem Lehrmaterial schippern derzeit auf hoher See und werden am 21. April in der Hafenstadt Tamatave an Land gebracht. Autohausbesitzer Karl Scheffler aus Esslingen hat bei seinen Kollegen, in Berufsschulen und der Kraftfahrzeug–Innung der gesamten Region Stuttgart eifrig die Werbetrommel gerührt und dafür gesorgt, dass schon ab Mai auf dem Gelände im Stadtteil Mandrosoa der Probelauf für die geplante Ausbildung entsprechend dem dualen System in Deutschland in einer voll eingerichteten Werkstatt beginnen kann. Die zweijährige technische Unterrichtung sieht zunächst eine Grundausbildung vor, bevor sich die jungen Leute dann entscheiden können, ob sie mit Metall oder Holz arbeiten bzw. die Reparatur von Fahrzeugen erlernen möchten. Etwa ein Drittel der jährlichen Kosten, die in dem unter madagassischer Leitung stehenden Zentrum mit insgesamt 27 Mitarbeitern anfallen, werden durch den Verkauf von Backwaren in einem eigenen Geschäft sowie herrlichen Tischdecken, Hemden und weiteren Näharbeiten in Deutschland oder auch die Herstellung von Solarkochern und –öfen finanziert. Den Rest steuere der Esslinger Verein bei, berichtete Hekler dem hohen Gast. Nächstes Projekt sei die Erweiterung des Kochtraktes zu einer Lehrküche.

Als Topfgucker betätigte sich Horst Köhler nach dem Rundgang an einem der aufgestellten Solarkocher. Seit Anbeginn versuchen Hekler und sein Team den Menschen in Madagaskar das Kochen mit der Kraft der Sonne schmackhaft zu machen, um damit der weiteren Zerstörung der Wälder Einhalt zu gebieten. Nach wie vor verwenden noch gut 80 Prozent der Einwohner der Insel Holzkohle, um mehrmals am Tag Reis zu kochen. "Kochen mit der Sonne – Verbindung von Ausbildung und Umweltschutz" war auf einem Transparent zu lesen, dass die Philosophie der Esslinger Einrichtung widerspiegelt. Seit 1986 wurden im Zentrum "Soltec" rund 850 Solargeräte auch dank der Hilfe von Rotary International hergestellt und an Privatleute sowie soziale Einrichtungen abgegeben. 950 Jugendliche haben die Ausbildungsgänge bisher durchlaufen und ausnahmslos Arbeitsplätze gefunden beziehungsweise den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Inge und Günter Hekler werden Mitte September mit weiteren Mitgliedern erneut auf die vor der Südostküste Afrikas gelegene Insel fliegen, um dort am 5. Oktober bei "Soltec" das zehnjährige Bestehen der Einrichtung zu feiern.



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