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Dass es im Fußball beim Kampf um Tore, Punkte und
Titel nicht nur tierisch ernst zugeht, beweisen
insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent die
klangvollen Namen, mit denen sich Nationalteams
schmücken, um ihren Gegnern vorab Angst und Schrecken
einzuflössen. In den verschiedenen Traditionen und
Kulturen nehmen gefiederte und behaarte Tiere oft
einen symbolischen Platz ein. An erster Stelle steht
der mächtige Löwe, aber auch Leoparden, Adler, Falken,
Elefanten oder das Zebra erfreuen sich bei der
Namensgebung großer Beliebtheit. In Benin ist das
Eichhörnchen Favorit. Doch es wurde zunächst als wenig
vorteilhaft angesehen, diesen Beinamen beizubehalten,
da dieses possierliche Tierchen nicht unbedingt einen
Sieg verkörpert. Ein solch freundliches Wesen ohne
Hang zur Aggressivität könne keinen Gegner
beeindrucken, meinten die Funktionäre.
Im Land der Pyramiden war es schwierig, ein symbolhaftes Tier zu finden. Das in ganz Afrika vertretene Nilkrokodil war offenbar nicht edel genug und so haben sich vor gut 20 Jahren die Spieler den Beinamen "Pharaonen" gegeben. In Algerien sind die Fenneks (Wüstenfüchse) Symbol für Kraft, Ausdauer und überlebenswillen. Die Tunesier hatten lange keinen Spitznamen, haben sich jedoch jetzt auf die Adler von Karthago festgelegt, nachdem man den Löwen eine Absage erteilt hatte. In Madagaskar war es besonders schwierig, ein Tier zu finden, das Männlichkeit, Siegeslust und weitere Eigenschaften, mit denen sich erfolgsgewillte Fußballer identifizieren können, aufweist. Größtes Raubtier im Land ist die fuchsgroße Schleichkatze Fossa. Die Rugbymannschaft hat sich den Beinamen Makis (=Lemuren, Halbaffen) gegeben, die nur auf dieser viertgrößten Insel der Welt in über 30 Arten vorkommen. Das Team steht übrigens in Harmlosigkeit den possierlichen Sprungkünstlern nicht nach. Für die Balltreter blieb da eigentlich nur der Skorpion, der fiese Stiche austeilen kann, wenn man unversehens auf ihn tritt. Unter dem aus der Schweiz stammenden Nationaltrainer Hans Heiniger und in den 80er Jahren unter dem deutschen Fußballlehrer Peter Schnittger konnten die Scorpions ihren Gegnern noch "Schmerzen" zufügen, will heißen gewinnen, doch inzwischen sind die Stachel offenbar abgenutzt oder ausgefallen. Gegen eine drittklassige Provinzmannschaft aus Belgien (Blue Stars Gemmenich) langte es gerade mal zu einem blamablen 0:0. In Kamerun, wo der Deutsche Winfried Schäfer seit einigen Jahren als Trainer erfolgreich ist, sind die "unzähmbaren Löwen" die Nationalhelden, in Burundi fliegen die Fans auf ihre "Schwalben", in Burkina Faso galoppieren Hengste, in Cote d'Ivoire tummeln sich "Elefanten" auf dem Rasen, im Kongo, ähnlich wie auf dem Betzenberg in Kaiserslautern, die "Roten Teufel", in Gabun die geschmeidigen Panther, in Gambia gibt es ebenfalls mehr oder wenige bissige Skorpione, in Lesotho versuchen Krokodile ihre Gegner zu beeindrucken. In Mali sind es die Adler, in Nigeria sogar die SuperAdler, in Marokko die Löwen aus dem Atlasgebirge, im Sudan die Falken, in Mosambik die als besonders giftig geltenden Mambas, in Botswana die Zebras, in Togo die jagdlustigen Sperber und im Senegal die "Löwen von Teranga", die allesamt torhungrig sein sollen. Daneben sind noch tapfere Krieger in Zimbabwe und Namibia am Ball, Stars in allen Variationen in Tansania am Fuße des Kilimandscharo, in Sierra Leone, Liberia, Kenia, Guinea, Ghana und Somalia, züngelnde Flammen in Malawi und "Boys" in Südafrika (Bafana Bafana). Damenteams stehen in der phantasievollen Bezeichnung den Herren der Schöpfung übrigens keineswegs nach. Schöne Blumen aus Lesotho, tapfere Gladiatorinnen aus Namibia, SuperFalken aus Nigeria, SierraKöniginnen aus Sierra Leone, AtlasLöwinnen aus Marokko, schwarze Königinnen aus Ghana, Kleopatras aus ägypten und ebenfalls unbezähmbare Löwinnen aus Kamerun führen die NamensHitliste an. Bekanntester deutscher FußballBotschafter ist Weltenbummler Rudi Gutendorf, der 1973 in Chile erster deutscher Trainer einer ausländischen Mannschaft war und seitdem 16 weitere Stationen vorweisen kann. Die meisten deutschen Nationaltrainer, die weltweit hoch im Kurs stehen (so Otto Rehhagel in Griechenland, Berti Vogts in Schottland, Lothar Matthäus in Ungarn etc.) sind vor allem Entwicklungshelfer verschiedener Stufen, die entweder, wie Winfried Schäfer in Kamerun, schlafende Riesen wecken, Mannschaften kontinental an die Spitze bringen oder mit Fußballzwergen den Anschluss schaffen sollen. DiplomSportlehrer Peter Schnittger aus Hannoversch Münden, der in einem Seminar mit Udo Lattek den TrainerSchein erwarb, zog es im Auftrag der Bundesregierung 1968 nach Afrika und Asien, um als Entwicklungshelfer für die Trainer und Nachwuchsförderung im Fußball zu wirken. über die Elfenbeinküste, äthiopien, Thailand, Madagaskar, Marokko, Benin und Kamerun, wo er auch Roger Milla entdeckte, führte es den einstigen OberligaSpieler 1994 nach Senegal, wo er mit dem Nationalteam in der Folgezeit große sportliche überraschungscoups landete. Der FußballGlobetrotter aus Niedersachsen hat die Erfolgsstory der Profis von der westafrikanischen Küste entscheidend mitgeschrieben. Jochen Figge in äthiopien und Peter überjahn, der lange in Namibia tätig war, sind bzw. waren ebenfalls vom Auswärtigen Amt auf dem "schwarzen Kontinent" eingesetzt. |
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