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Wie kommt Schweinfurti ins ferne Madagaskar?

Bezeichnung einer Pflanze im staubigen Süden der Tropeninsel weckt das Interesse an deutscher Stadt und löst erfolgreiche Suche aus

Von Klaus Heimer, Antananarivo

Schweinfurti


Im unwirtlichen und staubigen Südwesten der fernen, immer noch französisch orientierten Tropeninsel Madagaskar auf den Namen der deutschen Stadt Schweinfurt zu stoßen, das löst nicht nur bei der einheimischen Reiseleiterin Sylvia Andriambololona großes Erstaunen aus. Die 23–Jährige erlernt im vierten Jahr im Goethezentrum in der Hauptstadt Antananarivo die deutsche Sprache und zeigt Besuchern aus aller Welt die Schönheiten ihrer exotischen Heimat.

Mit einer 16–köpfigen deutsch–polnischen Reisegruppe wurde gerade zwölf Kilometer südöstlich der Hafenstadt Tulear das 1980 von dem Schweizer Hobbybotaniker Hermann Petignat gegründete "Arboretum" mit rund 1000 Pflanzenarten der Trockenzone besichtigt. Beim Rundgang durch diesen herrlichen Garten blieb das Auge der jungen Madagassin an einem Schild mit der Aufschrift "Sanseviera Schweinfurti, Amaryllidaceae" hängen. Der örtliche Führer, ein profunder Kenner der Fauna und Flora, konnte jedoch keinen Hinweis geben, wie und wann das bundesdeutsche "Schweinfurt" in die Heimat von Pfeffer und Vanille gelangt sein könnte.

Sylvia Andriambololona gibt nicht auf: Die deutsche Stadt ist schnell lokalisiert. Aber die weitere Suche im Internet erweist sich als mühsam. Amaryllidaceae, so werden die Vertreter der Narzissengewächse bezeichnet. Damit ist sie einen kleinen Schritt weiter. Die anschließende Recherche endet, und dies ist ein Volltreffer, auf der Website von Friedrich Lohmüller aus dem norddeutschen Kappeln/Schlei, der sich als wahre Fundgrube erweist und das ersehnte Licht in das Dunkel bringt.

Heute werde, so der Experte, Sansevieria meist zu den Dracanaceae (Drachenbaumgewächsen) gerechnet – eine abgegliederte Familie der Lilienartigen. "Amaryllidaceae ist aber auch nicht total falsch." Der richtige Name der in Madagaskar vorkommenden Pflanze laute jedoch "Sansevieria schweinfurthii Tackh. + Drar.", wobei die letzten beiden Abkürzungen für die Autoren stehen, die die Pflanze beschrieben haben. Das Ursprungsland der "Schweinfurti"–Pflanze soll vermutlich Erythraea sein.

Friedrich Lohmüller merkt noch an, dass der Name "leider kaum etwas mit der Stadt Schweinfurt" zu tun hat, sondern eher mit einem Botaniker namens Schweinfurth, der durch die Namensgebung geehrt werden sollte. Das Interesse bleibt aber geweckt. Bei der überprüfung des Familiennamens "Schweinfurth" stößt Lohmüller auf die beiden botanischen Autoren Charles Schweinfurth (1890–1970) und Georg August Schweinfurth (1836–1925). Wer von beiden nun für den Namen "Schweinfurthi" auf der vor der Südostküste Afrikas gelegenen viertgrößten Insel der Welt "schuld" ist, lässt sich leider nicht nachvollziehen. Reiseleiterin Sylvia, ein großer Deutschlandfan, wird jedoch auch künftig auf die Pflanze "Sansevieria Schweinfurthii" hinweisen.





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