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"Ich habe mich in Madagaskar verliebt", bekennt die 32jährige Sandra Linder aus Bräunlingen, die in diesem Jahr bereits zum zweiten Male für längere Zeit auf der viertgrößten Insel der Welt ehrenamtlich in einem Kinderheim arbeitet. "Ich komme auf jeden Fall wieder hier her", steht lange vor dem Heimflug fest, der für Jahresbeginn 2006 terminiert ist. "Ich bin offenbar unheilbar an Reisefieber und Fernweh erkrankt", merkt die gelernte Bauzeichnerin 8000 Kilometer von zu Hause entfernt unter der Tropensonne Afrikas schmunzelnd an. Drei Mal bereiste sie jeweils längere Zeit Indonesien, in Südamerika wurden Ecuador, Bolivien und Peru erkundet, bevor Thailand Urlaubsziel war. "Jeweils am Ende einer Reise träume ich schon von der nächsten Tour", schwärmt die Weltenbummlerin. "Als vor einiger Zeit im Fernsehen ein Film über Madagaskar gezeigt wurde und ich erfahren habe, dass die Urbevölkerung aus dem indonesischen Raum stammt, stand für mich felsenfest: Da muss ich hin." Gesagt, getan! Doch der Reihe nach.
Sandra wurde in Freiburg/Breisgau geboren. Als sie Vier war, zog die Familie nach Bräunlingen um, wo Mutter, Bruder und Oma auch heute noch leben. Nach der Mittleren Reife am FürstenbergGymnasium in Donaueschingen besuchte die weitgereiste Schwarzwälderin die Berufsfachschule für Bauzeichner in dieser Stadt, bevor sie im Ingenieurbüro Schaaf in Mundelfingen ihre Ausbildungszeit absolvierte und dort zwölf Jahre arbeitete. "Neben meiner Mutter ruft auch mein früherer Chef in Madagaskar an und fragt, wie es mir geht", wird das familiäre Verhältnis in diesem Betrieb gelobt. "Wenn ich zurückkomme und es gibt genügend Arbeit kann ich jederzeit wieder dort einsteigen." Beim TuS Bräunlingen war Sandra Linder seit frühester Kindheit drei Mal in der Woche Leistungsturnerin und auch rund zehn Jahre ehrenamtliche übungsleiterin. "1995 hat es mich dann erstmals gepackt und ich war drei Monate in Indonesien", blickt sie auf ihre erste große Tour zurück. "Am 17. Januar 2005, "zwei Tage nach der Rückkehr meines Bruders aus Asien", ging es dann erstmals für drei Monate in die vor der Südostküste Afrikas gelegene Heimat von Pfeffer und Vanille. Auf einer Rundreise lernte sie Rahel Camps aus Windeck bei Köln kennen, die in dem Kinderheim "Akany Avoko" (bedeutet "Haus der AvokoBlume") nahe der Hauptstadt Antananarivo vor ihrem Ethnologiestudium in Halle ein Praktikum leistete. Sandra brach ihren Urlaub ab und half dort ebenfalls sieben Wochen lang. "Nach der Rückkehr hielt es mich nicht lange in Deutschland, zumal dort die Arbeitsmarktsituation alles andere als rosig ist." Ende Juli wurde erneut der Koffer gepackt, diesmal für sechs Monate! Erneut ist sie bei "Akany Avoko" tätig, wo rund 140 Mädchen und Jungen vom Säuglingsalter aufwärts betreut werden. "Jedes Kind hat seine eigene Leidensgeschichte", ist Sandra erschüttert über die vielen Schicksale. Besonders übel erging es der kleinen Sinah, die Anfang diesen Jahres geboren wurde. Im Alter von drei Monaten zeigten Nachbarn die Eltern an, die dem Mädchen Alkohol zu trinken gaben. Auf Gerichtsbeschluss wurde es in die Einrichtung in dem Ort Ambohidratrimo gebracht. Nach intensiver ärztlicher Behandlung konnte das Leben des Kindes gerettet werden, das derzeit gerade mal 4000 Gramm wiegt. Die Eltern nutzten das Besuchsrecht in betrunkenem Zustand ein einziges Mal. Kurze Zeit später wurde auch die neunjährige Schwester von Sinah, die in den Strassen der Hauptstadt um Nahrung bettelte, zu "Akany Avoko" gebracht. "Die Arbeit mit den Kleinen macht sehr viel Spaß. Sie kuscheln gerne und suchen Nestwärme." Besonders gefreut haben sich alle Bewohner mit dem Mädchen Manon, das in einem Abfallbehälter gefunden und bereits von Ratten angefressen worden war und nun nette Adoptiveltern in Frankreich gefunden hat. Der Einrichtung ist auch eine Schule angegliedert. Die jungen Leute werden bis zur Entlassung betreut und es gibt auch Starthilfen in das berufliche Leben. Sandra ist froh, dass sie ihre Französischkenntnisse aus der Schulzeit auffrischen und zudem noch die Landessprache Malagasy lernen kann. "Die Kinder sind gute Lehrer, auch wenn sie sich manchmal wegen meiner offenbar ulkigen Aussprache kugeln". Neben dem sozialen Engagement will Sandra auch diesmal reisen und die Schönheiten der Gewürzinsel in Augenschein nehmen. Sie ist meist mit dem Buschtaxi unterwegs und scheut sich auch nicht auf eine Zebukarre umzusteigen und mit zwei OchsenStärken durch die weltbekannte Baobaballee nördlich von Morondava zu zockeln. Wenn sie dann das nächste Mal wiederkommt, dann möchte sie eine andere Einrichtung kennenlernen, sich auf jeden Fall wieder in irgendeiner Form für notleidende Menschen engagieren. |
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