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Rosen auf der Müllhalde

Pater Pedro Opeka hat in 18 Jahren in Madagaskar ein erstaunliches Hilfsprogramm für die Ärmsten der Armen auf die Beine gestellt

Von Klaus Heimer, Antananarivo

    


"Kinder sind wie Rosen. Gott kann es schaffen, Rosen auf einer Müllhalde wachsen zu lassen." Der Lazaristenpater Pedro Opeka, von dem dieser symbolhafte Ausspruch stammt, hat 1989 in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo die Wohltätigkeitseinrichtung "Akamasoa" (in Deutsch "Die guten Freunde") ins Leben gerufen, weil "ich das Elend und die Verzweiflung der kinderreichen Familien nicht mehr ertragen konnte, die auf der Strasse oder – noch schlimmer – auf der stinkenden Mülldeponie vegetierten." Innerhalb kurzer Zeit hat er "mit viel Gottvertrauen" und hohem persönlichen Einsatz Einrichtungen für diese "ganz unten" lebenden Menschen geschaffen. Pro Tag erfahren mittlerweile über 40000 Menschen direkte Hilfe von "Akamasoa".

Beißender Brandgeruch empfängt den Besucher im Herzen der Einrichtung. Der Wind trägt von der nahen Müllkippe neben dem Qualm auch wenig feine Gerüche in die Siedlung. "Ich hatte zu Beginn kein Geld, aber meinen Glauben. Ich wusste, Gott lässt die Armen nicht im Stich", sagt Pater Pedro, der auf dem Weg zur Begrüßung der Gäste viele Hände schütteln muss. Alle wollen dem Pater, der so viel Gutes für sie getan hat, berühren. Auch Zeitdruck kann ihn nicht davon abhalten, mit den Jungen Fußball zu spielen und einige Elfmeter zu schießen. Für den wackeren Torwart gibt es ein Sonderlob, selbstverständlich in perfektem Malagasy, der Hauptsprache in Madagaskar.

Pater Pedro dann weiter: "Ich wusste, ich muss etwas machen. Aber am Anfang wusste ich einfach nicht konkret, was." Es folgten ab Mai 1989 viele Gespräche mit den Notleidenden. Mitarbeiter waren schnell gefunden, die bereit waren, sein Werk zu unterstützen. Nach Besuchen auf der Müllhalde, die auch heute noch Arbeitsplatz für rund 20 Familien ist, die auf den stinkenden Bergen Kompost herstellen, folgte zunächst der Bau einer Kantine in unmittelbarer Nähe. Damals, erinnert sich der "Pater der Armen", lebten dort rund 700 Familien. Neben dem täglichen Kampf ums überleben brachte die hohe Kindersterblichkeit viel Leid: Bis zu sieben Todesfälle erlebte jede Familie. Pater Pedro: "Das ist Unrecht."

Er nutzte bestehende Kontakte nach Europa und knüpfte neue. Der Pater machte dabei stets deutlich, dass es um Leben und Tod gehe. Finanziell war er jedoch zunächst noch auf sich alleine gestellt. Heute ist es anders: Containerweise werden Reis, Zucker oder öl – unter anderem von der Europäischen Union – angeliefert. Von 1989 bis 1992 hat Pater Pedro die Menschen von der Strasse geholt und ihnen Hilfe angeboten. Entlang der Route nach Majunga baute der Staat damals 500 Häuser für die Schützlinge des Priesters. Der Bau von Häusern und Schulen, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung und die Schaffung von Arbeitsplätzen für die Menschen von "Akamasoa" sind nach wie vor die Schwerpunkte seiner Arbeit. Inzwischen hat das Projekt internationale Anerkennung und Förderung gefunden. "Wenn eine Familie kein eigenes Haus hat, dann ist sie auch nur schwer einzubinden", hat Pater Pedro die Erfahrung gemacht. Die Schule sei dann die Basis für die weitere Entwicklung. Gemeinsam wurde und wird weiter viel gebaut. Die Menschen sollen bewusst zu Eigentümern ihres Lebens gemacht werden.

Pater Pedro lädt die ehemaligen Müllmenschen regelmäßig zum Gebet ein. Spirituell so gestärkt haben sie Kraft gefunden, ihr Leben zu meistern. Das Gebet, davon ist er überzeugt, sei das beste Mittel gegen Egoismus: "Es fördert die Bereitschaft, sich für andere einzusetzen, denen es noch schlechter geht." Der Ordensmann freut sich, dass die Kinder von 1989 heute Verantwortung für die Arbeit übernehmen und sogar das tägliche Gebet in der Kirche leiten. "Jedes Kind, das der Strasse und dem Elend entzogen wird, bedeutet einen Sieg für die gesamte Menschheit", betont der Pater. Längst ist er in Madagaskar und weit darüber hinaus bekannt. Als Sohn einer frommen slowenischen Familie, die nach Argentinien auswanderte, wurde er 1948 in Buenos Aires geboren, studierte ab dem 20. Lebensjahr zwei Jahre in der Heimat seiner Eltern Philosophie, kam mit 22 erstmals nach Madagaskar und war dort als gelernter Maurer zunächst zwei Jahre mit dem Bau von Häusern in der Diözese Farafangana im Südosten des Landes beschäftigt. Von 1973 bis 1975 folgte das Theologiestudium am katholischen Institut Paris. 1975 wurde Pater Pedro Opeka in Argentinien zum Priester geweiht. Von dort kehrte der Seelsorger nach Madagaskar zurück und war bis Oktober 1988 im Süden in einer Missionsstation tätig.

Im März 1989 übernahm er die Leitung der Lazaristenschule in der Hauptstadt Tana. Ab Mai desselben Jahres besuchte Pater Pedro, der 2000 in Italien als "Missionar des Jahres" geehrt wurde, regelmäßig die Menschen, die unter erbärmlichsten Bedingungen zu Hunderten auf der Strasse hausten. Heute ist "Akamasoa" das größte Bauunternehmen der Insel. Jetzt sollen in den Dörfern in der Nähe weitere Häuser aus Backsteinmauerwerk für Familien errichtet werden, die noch in provisorischen Unterkünften leben. Alle vier Tage entsteht ein neues einstöckiges Bachsteinhaus. 250.000 Menschen sind bis heute regelmäßig im Auffanglager behandelt und mit dem Nötigsten versorgt worden. 40.000 medizinische Behandlungen pro Jahr, 420 Bauarbeiter, 1000 Gemeindearbeiter, Sozialhelfer und Altenpfleger – das sind schwindelerregende Zahlen, wenn man bedenkt, dass all dies das Werk eines einzigen mutigen Menschen ist. Lediglich sieben Mitarbeiter sind in der Verwaltung tätig, da der Pater auf aktive Mitarbeit eines jeden Einzelnen beim Aufbau der Dörfer Wert legt. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den Frauen zu, die fast alle leitenden Funktionen im Dorf innehaben.

Derzeit werden rund 8.800 Mädchen und Jungen vom dritten Lebensjahr bis zum Abitur in 72 eigenen Schulen von 280 Lehrkräften unterrichtet und betreut. Pater Pedro ist sich sicher: "Man darf die junge Generation auf ihrem Entwicklungsweg nicht mittendrin stehen lassen, sondern muss sie bis zum Ende begleiten." In den nächsten Jahren gebe es noch viel zu tun, "denn grundsätzlich hat sich für die Armen in Madagaskar noch immer nichts geändert." Er habe sich dafür entschieden, den ganz Armen zu helfen, "die immer ärmer werden." Für ihn eine Lebensaufgabe. Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass er immer und überall für jeden ein freundliches Wort findet – und sei die Menschenmenge um ihn herum auch noch so groß. "Die Kinder der Müllhalde sind die Zukunft von Akamasoa. Sie werden ihre eigenen Apostel. Deshalb dürfen wir auch keine halben Sachen machen." Pater Pedro ist die lebende Zuversicht. Der Glaube, dass der göttliche Zuspruch nicht ausbleibt, gibt ihm und durch ihn auch vielen anderen die Kraft weiterzumachen – für die vielen Rosen, die noch blühen sollen.

Wer die Einrichtung "Akamasoa" in Tana (Stadtausgang in Richtung Tamatave) besuchen will, kann dieses gerne tun. Es empfiehlt sich eine schriftliche Anmeldung: Association "Akamasoa", B.P. 7010, 101 Antananarivo, E–Mail: akamasoa@wanadoo.mg. Pater Pedro freut sich über jeden Besuch.





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