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Aachener auf der Walz dort, wo der Pfeffer wächst

Steinmetzgeselle Rene Breuer ist derzeit auf Madagaskar unterwegs / Drei Jahre und einen Tag "on the road"

Von Klaus Heimer, Antananarivo

Foto: Klaus Heimer


Ein Steinmetzgeselle aus Aachen, der im Goethe–Zentrum in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo einem Konzert der Berliner Akkordeonvirtuosin Cathrin Pfeifer lauscht – das Leben schreibt die schönsten und oftmals auch seltsame Geschichten. Und der gebürtige Aachener Rene Breuer, der genau drei Jahre und einen Tag lang unterwegs sein wird, bis er wieder an die heimische Haustüre klopft, kann dann sicher wochenlang erzählen.

Deutsche Handwerksburschen auf der Walz, das hat auf der vor der Südostküste Afrikas gelegenen Gewürzinsel eher Seltenheitswert. Dort wird zwar derzeit in Zusammenarbeit mit der Hamburger Handelskammer und dem Bonner Senior Experten–Service das duale Ausbildungssystem nach deutschem Vorbild eingeführt, aber für junge Leute in dem bitterarmen Land mit Kinderehen und hoher Geburtenrate heisst es nach der Ausbildung möglichst sofort eine Stelle finden und Geld für die Grossfamilie verdienen.

Den 22–jährigen Rene Breuer aus Aachen, der seit November 2004 auf der Wanderschaft ist und dabei neben zehn Ländern Europas auch schon ägypten auf Schusters Rappen und mit anderen Fortbewegungsmitteln erkundet hat, ist nun drei Monate in der Heimat von Pfeffer und Vanille unterwegs. "Ich wollte in dieser Zeit auch einmal etwas Grosses unternehmen und an Madagaskar reizt mich die einzigartige Pflanzen– und Tierwelt." Lediglich sechs Kilo Gepäck im Rucksack und den kunstvoll gedrehten Wanderstock hat er dabei. "Jeder normale Urlauber bringt für zwei Wochen Strandurlaub mit Leichtigkeit das dreifache Koffergewicht auf die Waage", wird schmunzelnd unter der Tropensonne Afrikas angemerkt.

Gemeinsam mit Freund Alexander Dübler (24) aus Reichenbach bei Plauen hat Rene in den ersten Tagen nach der Ankunft der Botschaft und dem Goethe–Zentrum in der Hauptstadt Antananarivo Besuche abgestattet. "Es ist Wahnsinn, wie schnell man Leute kennenlernt und Kontakte zu den hier lebenden Deutschen bekommt, die uns wertvolle Tipps geben." Mit dem Buschtaxi ging es nach einem Konzert einheimischer Akkordeonspieler mit der Berlinerin Cathrin Pfeifer zunächst in den Nationalpark Andasibe, in dem die grösste Lemurenart, der Indri Indri, vorkommt. Dort hat der Stuttgarter Helmut Zimmermann ein Spezialreservat für seltene Frösche eingerichtet. Die Regenzeit hat mit Macht eingesetzt, auch Nationalstrassen unpassierbar gemacht und grosse Flächen überflutet. So wird es dem Wetter und dem Zufall überlassen bleiben, wie weit die Reise in den Regenwaldbereich Richtung Ostküste oder auch nach Norden geht. Unterwegs will das rechtschaffene Handwerker–Duo, sofern möglich, seine praktischen Fähigkeiten nicht nur im Steinmetzbereich einsetzen und für Kost und Logis als Lohn arbeiten.

Rene hat in Aachen, wo die Eltern und die Schwester weiter leben, das Licht der Welt erblickt, ist hier aufgewachsen und hat an der Gesamtschule das zehnte Schuljahr absolviert, bevor er bei Steinmetz Schwarzenberg in die Lehre ging. Nach der Gesellenprüfung leistete der junge Mann seinen Ersatzdienst im Bereich der Denkmalpflege im Weser–Bergland und arbeitete dort auch einen Monat in einem koptischen Kloster. "Die dort gewonnenen Kontakte kamen uns dann beim gut dreimonatigen Aufenthalt im Land der Pyramiden zugute." Rene und Alexander arbeiteten längere Zeit in Speyer an einer gotischen Kirche und verdienten sich dabei das nötige Kleingeld für den grossen Trip Richtung Indischer Ozean. über Reims ging es nach Paris, von dort nach Mauritius und dann mit dem Inselhüpfer nach Madagaskar. "Bisher haben wir uns sprachlich gut durchgewurstelt", sind die beiden Burschen stolz auf die abenteuerliche Zeit. Einige Brocken Französisch und erste Kenntnisse in der Landessprache Malagasy öffnen viele Türen in der neuen Heimat auf Zeit.

"Wenn wir wieder zu Hause sind, dann steigt zunächst einmal eine Riesenfete und danach wollen wir unseren Meister machen", ist nahes Fernziel von Rene (links im Bild) und Alexander.





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