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Wenn auf der französisch-orientierten Tropeninsel Madagaskar "Komm, lieber Mai" von Mozart, der "Frühlingsgruss" von Schumann, die Volkslieder "Der Mond ist aufgegangen" und "Kein schöner Land in dieser Zeit" oder das "Wiegenlied" von Brahms von einheimischen Sängerinnen und Sängern bei Konzerten im Goethezentrum oder anderswo einem breiten Publikum zu Gehör gebracht werden, dann ist dies ein Verdienst des 72-jährigen Reinhard Schwarte aus Baden-Baden, der sich seit Jahrzehnten in Deutschland und im Ausland um die Förderung von Musik- und Gesangstalenten grosse Verdienste erworben hat.
Im Emsland geboren, wo sein Vater als Hufschmied tätig war, siedelte der junge Reinhard vor dem Zweiten Weltkrieg mit seinen Eltern ins Münsterland über. Der Vater und die aus Essen stammende Mutter sangen in mehreren Chören und als der musikalische Filius bei einer Probe mittels des Ein-Finger-Suchsystems ein Kirchenlied auf dem Klavier intonierte, "meinte der Pfarrer, ich hätte Talent." In der folgenden Zeit machte der Schüler schlechte und gute Erfahrungen mit unterschiedlichen Lehrern, "die mir - so die Kontraste - bei einem falschen Ton eins auf die Finger gaben oder die Liebe zur Musik förderten." Im Herbst 1954, nur wenige Monate nach dem Abitur am Gymnasium des Ordens vom Heiligsten Herzen Jesu, bestand Reinhard Schwarte die staatliche Prüfung als Klavierlehrer. Die erforderlichen Kenntnisse erwarb er sich nachmittags an der westfälischen Schule für Musik in Münster. Es folgten an der Hamburger Musikschule Dirigierkurse, ferner ein Studium der Musikwissenschaften an der Uni der Hansestadt, die Teilnahme an Meisterkursen am Salzburger Mozarteum ("Dort wurde ich nur Monsieur Walzer genannt"), Tätigkeiten im Kammerorchester in Toulouse und im Opernorchester in Valencia. Von der Deutschen Grammophongesellschaft erhielt Reinhard Schwarte sogar ein Stipendium. In Genf trat er an einer staatlichen Schule eine Assistentenstelle als Deutschlehrer an und wirkte zugleich in der dortigen Jesuitengemeinde als Chorleiter und Organist. Zu jener Zeit war er auch regelmässig in Freiburg im Breisgau anzutreffen, wo er für das Staatsexamen für das Lehramt an Höheren Schulen in Französisch und Musik paukte. Nachdem Schwarte alles erfolgreich absolviert hatte, konnte er an einer privaten Internatsschule in Sasbach bei Achern unterrichten. Neben Französisch wollte er dort den musischen Zweig ausbauen. Der passionierte Musiker hatte gute Kontakte zum Südwestfunkorchester im nahen Baden-Baden und verpflichtete etliche Kollegen für den Unterricht. "Anfang der 70er Jahre erhielt ich dann Kenntnis von einer Stelle in Madagaskar." Die dortige Regierung wollte mit fachlicher Unterstützung aus Deutschland den Madagassen helfen, ihre eigene Kultur neu zu entdecken, und Musik als Pflichtfach an Schulen einführen. Schwarte: "Das war etwas ganz Neues und Interessantes." Mit Frau und drei Kindern machte er sich 1971 auf einem der letzten Linienschiffe auf den langen Seeweg bis nach Südafrika und von dort ging es per Flugzeug für rund vier Jahre nach Antananarivo. Im Erziehungsministerium angesiedelt, wurde die Lehrerfortbildung organisiert. Schwarte erlebte dann die Revolten der damaligen Zeit hautnah mit. "Es ging schwer rund in Madagaskar. Dies war wahrlich keine goldene Zeit für Musikerziehung. Viele Einrichtungen wurden geschlossen, Regierungen kamen und gingen, der Kommunismus fasste Fuss." Der Baden-Badener versteht Kultur als Geben und Nehmen. "Die Madagassen sollen nicht nur staunen, was es alles in Deutschland oder anderen Ländern gibt." Ateliers zum Mitmachen waren angesagt, nachdem wieder Ruhe eingekehrt war, die Instrumente wurden von Einheimischen gebaut, Kinder- und andere Liederbücher in der Landessprache Malagasy herausgegeben. "Sogar in Gefängnissen haben wir uns von langjährigen Insassen Lieder aus ihrer Kindheit vorsingen lassen." Beim damaligen neuen Kulturminister wurde Schwarte mit seinen Vorschlägen mit offenen Armen aufgenommen. Er war dann zwei Jahre der allererste Direktor des Zentrums für nationale Musikerziehung, das unter deutscher Leitung seine Blütezeit hatte. Nicht nur positive Erlebnisse sind haften geblieben. Der Nachfolger, der mit der Kasse durchging, Intriganten und weitere "komische Zustände" in den über 30 Jahren des Bestehens sind dunkle Punkte in der Geschichte der Einrichtung. 1975 kehrte Reinhard Schwarte nach Deutschland zurück, war lange am Einstein-Gymnasium in Kehl mit zusätzlichem Lehrauftrag für Französisch am Wirtschaftsgymnasium tätig und setzte in dieser Stadt auch in der Freizeit viele musikalische Akzente. 1991 wurde er in den Ruhestand versetzt. Madagaskar hat ihn eigentlich in der ganzen Zeit nie mehr losgelassen. 1992 eröffnete seine madagassische Ehefrau mit Hilfe ihrer Familie in Antananarivo das Hotel "Bellevue", Reisebüros in Deutschland und Madagaskar wurden angegliedert. In der Hauptstadt Antananarivo war Schwarte noch bis zum 65. Lebensjahr als Musikprüfer am französischen Gymnasium tätig. Seit Jahren leitet er das Gesangsatelier im deutsch-madagassischen Kulturverein des Goethezentrums. Bereits seit 1972 existiert ein Kammerorchester in der Millionenstadt, das Schwarte seit seiner Rückkehr 1991 erfolgreich weiterführt. Im Jahre 2003 hat ihm dann der madagassische Staatspräsident Marc Ravalomanana zum 30-jährigen Bestehen des von dem Deutschen gegründeten Musikausbildungszentrums CNEM einen Orden verliehen. Seitdem ist Schwarte "chevalier de l'ordre national". Drei Monate im Jahr, im madagassischen Winter, verbringt Reinhard Schwarte in der dann sonnigen Kurstadt Baden-Baden, "wo die Kinder leben und ich das hiesige abwechslungsreiche Kulturprogramm dann in vollen Zügen geniesse." Ein Projekt will der Deutsche auf der Gewürzinsel noch verwirklichen, "die Herausgabe eines madagassischen Künstlerlexikons." |
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