Klaus Heimer   Klaus Heimer

"Der Regenwald war schon immer mein Ding"

Karlsruher Agrarökologe Dr. Rainer Dolch lebt im fernen Madagaskar / Schirmherr des Vereins "Mitsinjo"

Von Klaus Heimer, Antananarivo

Rainer Dolch            Rainer Dolch


Dr. Rainer Dolch aus Karlsruhe ist ein echter Exot - in seiner früheren und in der jetzigen Heimat auf der viertgrössten Insel der Welt im Indischen Ozean. Der 36-Jährige ist innerhalb der rund 250-köpfigen deutschen Kolonie in Madagaskar der einzige Karlsruher und in seinem 5000-Seelen-Wohnort Andasibe (Perinet), 140 Kilometer östlich der Hauptstadt Antananarivo, sowie im weiten Umkreis der einzige hier Dr. Rainer Dolch aus Karlsruhe ist ein echter Exot - in seiner früheren und in der jetzigen Heimat auf der viertgrössten Insel der Welt im Indischen Ozean. Der 36-Jährige ist innerhalb der rund 250-köpfigen deutschen Kolonie in Madagaskar der einzige Karlsruher und in seinem 5000-Seelen-Wohnort Andasibe (Perinet), 140 Kilometer östlich der Hauptstadt Antananarivo, sowie im weiten Umkreis der einzige hier lebende Deutsche. Doch der Reihe nach: Dolch wurde zwar in Fürth geboren, doch die Familie zog schon bald nach Karlsruhe um, wo Rainer aufgewachsen ist und am Markgrafen-Gymnasium im Stadtteil Durlach das Abitur bestanden hat. In Karlsruhe nahm der Ökologe auch das Zoologie- und Botanikstudium auf, machte hier sein Diplom in Biologie, in dessen Vorfeld Tier-Pflanze-Beziehungen untersucht wurden. In Göttingen folgte dann der Doktortitel im Bereich Agrarwissenschaft. Während des Studiums kam Dolch 1992 erstmals ins ferne, immer noch geheimnisumwitterte Madagaskar, das als Naturdenkmal und Fundgrube für Biologen gilt. "Das war wegweisend für mich," bekennt der Karlsruher mit dem Drang in die Ferne. Er absolvierte die Forschungen für seine Doktorarbeit auf dem vor der Südostküste Afrikas gelegenen Eiland. Biodiversität war das Stichwort - und zwar konkret die von Insekten auf Leguminosen. Grundlagenforschung war angesagt. "Für mich keine trockene Materie." Der Auswanderer ging der Frage nach, warum der Artenreichtum in tropischen Lebensgemeinschaften höher ist als in gemässigten Zonen. Drei Mal war er jeweils zwischen vier und fünf Monate vor Ort. Bereits beim ersten Aufenthalt lernte er in Andasibe seine heutige Ehefrau Sahondra kennen, die er im Mai 2000 in Göttingen geheiratet hat. Sie erlernte schnell die deutsche Sprache während der Aufenthalte in der Heimat ihres Mannes, Rainer hat sich seit seiner Übersiedlung im Mai 2001 das Malagasy (neben Französisch die zweite Landessprache) angeeignet. "Der Regenwald war eigentlich schon immer mein Ding," sagt Dr. Dolch und fügt schmunzelnd hinzu: "Doch meine Doktorarbeit habe ich im Trockenwald gemacht." In Andasibe lebt er mit seiner Frau in bescheidenen Verhältnissen, hat sich gut in die Dorfgemeinschaft integriert. "Der Ort ist schnuckelig." Viele Menschen, insbesondere die rund 50 jungen Naturführer leben von Einnahmen aus dem Tourismus. Nahezu jeder Madagaskarreisende macht einen Abstecher in das Reservat, in dem der Weltbestand der grössten Lemurenart, der fast schimpansengrosse Indri, lebt. Wohlstand ist auf den ersten Blick beim Rundgang allerdings nicht sichtbar. Schuld daran sind auch Naturkatastrophen, so der grosse Zyklon Geralda 1994, der auch das Häuschen von Rainer Dolch und seiner Frau mitgerissen hat. "Einige Bretter haben wir wiedergefunden, mussten alles neu aufbauen." Zwischen Diplom- und Doktorarbeit hat der Agrarökologe, der in Madagaskar ein reiches Betätigungsfeld vorfindet, in Indien, Nepal oder auch Tansania als Reiseleiter gearbeitet. In Madagaskar ist er als Berater in den Bereichen Entwicklungshilfe und Naturschutz tätig, hat für internationale Organisationen Projektevaluierungen (Ernährungssicherung, Umwelt, Gesundheit, Familienplanung etc.) durchgeführt. 1999 wurde in Andasibe von jungen Leuten der Verein "Mitsinjo" (bedeutet "für die Zukunft vorsorgen") ins Leben gerufen. Vorsitzender Christian Nasoavina (E-Mail: mitsinjo@hotmail.com) und die übrigen 16 Mitglieder arbeiten unter anderem als Touristenführer. Sie haben erkannt, dass dem Abholzen unbedingt ein Riegel vorgeschoben werden muss, da sie sonst auf Dauer arbeitslos werden, wenn der Naturwald und mit ihm die Tierwelt erst einmal verschwunden sind. Rainer Dolch: "Das Engagement hat mich so beeindruckt, dass ich die Schirmherrschaft des Vereins übernommen habe und bei der Ausbildung helfe." Elf junge Leute, darunter drei Frauen, haben inzwischen ihre Prüfung als "guide" bestanden und "Mitsinjo" wurde vom zuständigen Ministerium sogar die Betreuung der Forststation von Analamazaotra nahe dem Indri-Reservat übertragen. "Wir müssen uns um die Menschen kümmern, die hier leben." In Zusammenarbeit mit dem Ministerium wird ein lokales Gesetzbuch ausgearbeitet, das in Kraft tritt, wenn etwa illegal Palisanderbäume gefällt werden. Der Verein kann also bei Verstössen Strafen auferlegen, wobei jedoch vornehmlich darauf hingearbeitet wird, den Bewohnern die Folgen ihrer Taten aufzuzeigen und ihnen Alternativen, insbesondere neue Einnahmequellen, zu bieten. So sollen moderne Methoden der Imkerei eine ertragreichere Honigernte bringen. Das Sammeln von Brennholz für den Eigenbedarf wird weiter erlaubt, jedoch können Holzkohlemeiler nur noch ausserhalb der Forststation mit Eukalyptusholz betrieben werden. Dr. Dolch und seine einheimischen Kollegen wollen effektivere Techniken im landwirtschaftlichen Bereich bekannt machen, die Produktion und den Vertrieb ätherischer Öle aus einheimischen Pflanzen vorantreiben, Baumschulen mit madagassischen Arten einrichten, um bereits zerstörte Waldflächen wieder aufzuforsten, und den Ökotourismus, ein derzeit ebenfalls noch zartes Pflänzchen, verstärkt fördern. "Meine Eltern waren nicht sehr begeistert darüber, dass das einzige Kind nach Madagaskar übersiedelt," weiss Dolch. Vater und Mutter, die nach wie vor in Karlsruhe leben, wollen den Sohnemann und die Schwiegertochter möglichst im nächsten Jahr besuchen. E-Mail-Anschluss gibt es in Andasibe nicht, erst wieder im rund 25 Kilometer entfernten Ort Moramanga. Für Kontakte zur Aussenwelt sorgen Touristen aus aller Welt, die das Reservat besuchen. Das Karlsruher Uni-Magazin trifft übrigens regelmässig, man höre und staune, im 8000 Kilometer entfernten Andasibe ein. Die Sportergebnisse erfährt Dr. Dolch, der früher selbst dem runden Leder nachgejagt ist, dank der Deutschen Welle ganz aktuell. "Richtig Heimweh habe ich eigentlich noch nie gehabt, wenn ich mich auch manchmal danach sehne, ins Kino zu gehen oder Nürnberger Bratwürste mit Sauerkraut zu essen." Die ärztliche Versorgung in Madagaskar und besonders auf dem Land sei stark verbesserungsbedürftig, im Notfall sei Ausfliegen die einzige Möglichkeit. "Man braucht hier jedoch relativ wenig zum Leben," wurde schnell die Erfahrung gemacht. "Es war für mich schon immer interessant, die Welt zu sehen. Die Auswanderung nach Madagaskar war anfangs keineswegs geplant, sondern hat sich erst langsam entwickelt. Und an den allgegenwärtigen Reis zu den Mahlzeiten habe ich mich auch schnell gewöhnt," wird abschliessend verschmitzt angemerkt.lebende Deutsche. Doch der Reihe nach:
Dolch wurde zwar in Fürth geboren, doch die Familie zog schon bald nach Karlsruhe um, wo Rainer aufgewachsen ist und am Markgrafen-Gymnasium im Stadtteil Durlach das Abitur bestanden hat. In Karlsruhe nahm der ökologe auch das Zoologie- und Botanikstudium auf, machte hier sein Diplom in Biologie, in dessen Vorfeld Tier-Pflanze-Beziehungen untersucht wurden. In Göttingen folgte dann der Doktortitel im Bereich Agrarwissenschaft.
Während des Studiums kam Dolch 1992 erstmals ins ferne, immer noch geheimnisumwitterte Madagaskar, das als Naturdenkmal und Fundgrube für Biologen gilt. "Das war wegweisend für mich," bekennt der Karlsruher mit dem Drang in die Ferne. Er absolvierte die Forschungen für seine Doktorarbeit auf dem vor der Südostküste Afrikas gelegenen Eiland. Biodiversität war das Stichwort - und zwar konkret die von Insekten auf Leguminosen. Grundlagenforschung war angesagt. "Für mich keine trockene Materie." Der Auswanderer ging der Frage nach, warum der Artenreichtum in tropischen Lebensgemeinschaften höher ist als in gemässigten Zonen. Drei Mal war er jeweils zwischen vier und fünf Monate vor Ort. Bereits beim ersten Aufenthalt lernte er in Andasibe seine heutige Ehefrau Sahondra kennen, die er im Mai 2000 in Göttingen geheiratet hat. Sie erlernte schnell die deutsche Sprache während der Aufenthalte in der Heimat ihres Mannes, Rainer hat sich seit seiner übersiedlung im Mai 2001 das Malagasy (neben Französisch die zweite Landessprache) angeeignet.
"Der Regenwald war eigentlich schon immer mein Ding," sagt Dr. Dolch und fügt schmunzelnd hinzu: "Doch meine Doktorarbeit habe ich im Trockenwald gemacht." In Andasibe lebt er mit seiner Frau in bescheidenen Verhältnissen, hat sich gut in die Dorfgemeinschaft integriert. "Der Ort ist schnuckelig." Viele Menschen, insbesondere die rund 50 jungen Naturführer leben von Einnahmen aus dem Tourismus. Nahezu jeder Madagaskarreisende macht einen Abstecher in das Reservat, in dem der Weltbestand der grössten Lemurenart, der fast schimpansengrosse Indri, lebt. Wohlstand ist auf den ersten Blick beim Rundgang allerdings nicht sichtbar. Schuld daran sind auch Naturkatastrophen, so der grosse Zyklon Geralda 1994, der auch das Häuschen von Rainer Dolch und seiner Frau mitgerissen hat. "Einige Bretter haben wir wiedergefunden, mussten alles neu aufbauen."
Zwischen Diplom- und Doktorarbeit hat der Agrarökologe, der in Madagaskar ein reiches Betätigungsfeld vorfindet, in Indien, Nepal oder auch Tansania als Reiseleiter gearbeitet. In Madagaskar ist er als Berater in den Bereichen Entwicklungshilfe und Naturschutz tätig, hat für internationale Organisationen Projektevaluierungen (Ernährungssicherung, Umwelt, Gesundheit, Familienplanung etc.) durchgeführt.
1999 wurde in Andasibe von jungen Leuten der Verein "Mitsinjo" (bedeutet "für die Zukunft vorsorgen") ins Leben gerufen. Vorsitzender Christian Nasoavina (E-Mail: mitsinjo@hotmail.com) und die übrigen 16 Mitglieder arbeiten unter anderem als Touristenführer. Sie haben erkannt, dass dem Abholzen unbedingt ein Riegel vorgeschoben werden muss, da sie sonst auf Dauer arbeitslos werden, wenn der Naturwald und mit ihm die Tierwelt erst einmal verschwunden sind. Rainer Dolch: "Das Engagement hat mich so beeindruckt, dass ich die Schirmherrschaft des Vereins übernommen habe und bei der Ausbildung helfe." Elf junge Leute, darunter drei Frauen, haben inzwischen ihre Prüfung als "guide" bestanden und "Mitsinjo" wurde vom zuständigen Ministerium sogar die Betreuung der Forststation von Analamazaotra nahe dem Indri-Reservat übertragen.
"Wir müssen uns um die Menschen kümmern, die hier leben." In Zusammenarbeit mit dem Ministerium wird ein lokales Gesetzbuch ausgearbeitet, das in Kraft tritt, wenn etwa illegal Palisanderbäume gefällt werden. Der Verein kann also bei Verstössen Strafen auferlegen, wobei jedoch vornehmlich darauf hingearbeitet wird, den Bewohnern die Folgen ihrer Taten aufzuzeigen und ihnen Alternativen, insbesondere neue Einnahmequellen, zu bieten. So sollen moderne Methoden der Imkerei eine ertragreichere Honigernte bringen. Das Sammeln von Brennholz für den Eigenbedarf wird weiter erlaubt, jedoch können Holzkohlemeiler nur noch ausserhalb der Forststation mit Eukalyptusholz betrieben werden. Dr. Dolch und seine einheimischen Kollegen wollen effektivere Techniken im landwirtschaftlichen Bereich bekannt machen, die Produktion und den Vertrieb ätherischer öle aus einheimischen Pflanzen vorantreiben, Baumschulen mit madagassischen Arten einrichten, um bereits zerstörte Waldflächen wieder aufzuforsten, und den ökotourismus, ein derzeit ebenfalls noch zartes Pflänzchen, verstärkt fördern.
"Meine Eltern waren nicht sehr begeistert darüber, dass das einzige Kind nach Madagaskar übersiedelt," weiss Dolch. Vater und Mutter, die nach wie vor in Karlsruhe leben, wollen den Sohnemann und die Schwiegertochter möglichst im nächsten Jahr besuchen. E-Mail-Anschluss gibt es in Andasibe nicht, erst wieder im rund 25 Kilometer entfernten Ort Moramanga. Für Kontakte zur Aussenwelt sorgen Touristen aus aller Welt, die das Reservat besuchen. Das Karlsruher Uni-Magazin trifft übrigens regelmässig, man höre und staune, im 8000 Kilometer entfernten Andasibe ein. Die Sportergebnisse erfährt Dr. Dolch, der früher selbst dem runden Leder nachgejagt ist, dank der Deutschen Welle ganz aktuell. "Richtig Heimweh habe ich eigentlich noch nie gehabt, wenn ich mich auch manchmal danach sehne, ins Kino zu gehen oder Nürnberger Bratwürste mit Sauerkraut zu essen." Die ärztliche Versorgung in Madagaskar und besonders auf dem Land sei stark verbesserungsbedürftig, im Notfall sei Ausfliegen die einzige Möglichkeit. "Man braucht hier jedoch relativ wenig zum Leben," wurde schnell die Erfahrung gemacht. "Es war für mich schon immer interessant, die Welt zu sehen. Die Auswanderung nach Madagaskar war anfangs keineswegs geplant, sondern hat sich erst langsam entwickelt. Und an den allgegenwärtigen Reis zu den Mahlzeiten habe ich mich auch schnell gewöhnt," wird abschliessend verschmitzt angemerkt.



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