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Die Musik führte Peter Steidle aus dem Frankfurter Stadtteil Dornbusch bis Herbst 2004 über 36 Jahre als Hornist unter vier Chefdirigenten dem Hr-Sinfonieorchester der Mainmetropole angehörte, in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur durch ganz Europa sondern auch rund um den Erdball. "Jede Reise war ein Erlebnis, ganz besonders die Tournee durch Südamerika. China war aufregend, Japan nach acht Reisen etwas eintönig. Die Krone waren jedoch die Konzerte im Wiener Musikvereinssaal, dem "schönsten Saal der Welt ", schwärmt der 66-Jährige unter der Tropensonne Afrikas im fernen Madagaskar. Dort hin hat es den Senior-Experten gerade für rund ein Jahr verschlagen, um intensive kulturelle Entwicklungshilfe zu leisten. "Gott sei dank lässt meine Familie mich reisen. Ich liebe die Musik und meinen Beruf."
Privat war Steidle in der Vergangenheit des öfteren auf der Nachbarinsel Mauritius und von dort war der Sprung nicht weit in die Heimat von Pfeffer und Vanille. In der Hauptstadt Antananarivo lernte er Musiklehrer Reinhard Schwarte aus dem Badischen kennen, der hier eine Musikakademie gegründet hat, angehende einheimische Kollegen ausbildet und seit vielen Jahren im Goethe-Zentrum Klavier- und Gesangsunterricht erteilt. Im Vorfeld des für April 2006 geplanten Besuchs des deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler soll sich Steidle als Vertreter des Bonner Senior Experten-Service eigentlich auch um die madagassischen Militärkapellen kümmern, um sie "hymnentauglich" zu machen. "Eine reizvolle Aufgabe! Ich bin ein praktischer Mensch", drückt der Musiker Begeisterung über diese Herausforderung aus, packt noch sechs Hörner und entsprechendes Notenmaterial als private Geschenke ein und ab geht es auf die viertgrößte Insel der Welt. Dort folgt die Ernüchterung auf dem Fuß: Trotz der Zusagen höchster Stellen lernt Peter Steidle schnell die "mora-mora"-Mentalität kennen: "Mora" bedeutet in der Landessprache Malagasy "langsam". Aber ein echter Steidle lässt sich davon nicht entmutigen und in der Musikakademie von Landsmann Schwarte gibt es für ihn genug Arbeit. Familienvater Steidle, der in Rumänien geboren wurde, hat inzwischen fünf Hornschüler um sich geschart, vielfältige Kontakte zu Musikern und Orchestern geknüpft, die als Multiplikatoren wirken sollen, assistiert bei der Lehrerausbildung und auch das Musizieren sowie Konzertauftritte kommen nicht zu kurz. Mit Blick auf das Mozartjahr 2006, in dem sich der Geburtstag des Komponisten zum 250. Male jährt, möchte Peter Steidle seine Frankfurter Bläser-Serenade, die dann 25 Jahre besteht, ebenfalls nach Madagaskar holen und Werke von Mozart im Goethezentrum und in verschiedenen Städten der Insel aufführen. Dabei soll auch "mein großer Traum" verwirklicht werden: Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung", von mir für die Harmonie-Musik im klassischen Stil gesetzt, wird ebenfalls zu hören sein." Die Texte, die die Schönheiten der Welt preisen und eindringlich auf die Notwendigkeit der Bewahrung der Schöpfung hinweisen, sollen in der Landessprache Malagasy vorgetragen werden. Dieses Projekt kann jedoch nur verwirklicht werden, wenn sich noch weitere Sponsoren finden. Steidle: "Die Proben Mitte April in Antananarivo sind öffentlich, jeder ist dazu willkommen." Peter Steidle, der sich nebenher sehr für den Metall-Blasinstrumentenbau interessiert, ist auch durch den Entwurf verbesserter Waldhörner in Fachkreisen bekannt, welche er zur Serienreife geführt hat und die bei der Mainzer Firma Gebrüder Alexander gebaut und verkauft werden. Er förderte zudem Legionen junger Musiker, denen er "aus überzeugung und Weltanschauung" kostenlos Unterricht erteilte. "Mein liebster Schüler war natürlich mein Sohn Gregor, der seinen Platz in den besten Orchestern hätte finden können, jedoch Jura studierte, über das Thema "Kunstfreiheit und Mitbestimmung im Orchester" promovierte und in Kiel als Richter tätig ist." Besonders erfolgreich wurden die früheren Schützlinge Peter Bromig (Solohornist im SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg), Clara-Christine Hohorst (Solohornistin bei den Essener Philharmonikern), Gabriele Guder (Hornistin im Staatstheater Stuttgart), Gerda Wind-Sperlich und Thomas Sonnen (beide neben Peter Steidle im Hr-Sinfonieorchester Frankfurt), Frank Stephan (Hornist im Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin), Markus Bruggaier (Hornist in der Staatskapelle Berlin), Michael Nassauer (Hornist in dem Philharmonischen Orchester Südwestfalen), Ralf Kluge (Hornist in der Württembergischen-Philharmonie Reutlingen) oder Jens Hentschel (Hornist bei den Hofer Symphoniker/Staatstheater Wiesbaden). Solisten wurden Peter Cloos (Kassel) und Urla Kahl (Basel). 1965 übersetzte Steidle Philip Farkas bekanntes Buch "The Art of Brass Playing" ins Deutsche ("Die Kunst der Blechbläser"). Für das mit gleichgesinnten Freunden 1981 gegründete Bläser-Kammermusik-Ensemble, die "Frankfurter Bäser-Serenade", hat Peter Steidle viele "Meisterwerke klassischer Musik. auf die Harmonie gesetzt", wie es im 18. Jahrhundert üblich war. 1939 in Bukarest geboren, gelangte der junge Steidle nach einer Odyssee über Berlin, Mecklenburg und Schleswig-Holstein 1945 zu Verwandten in die Rattenfängerstadt Hameln. 1953 fing er autodidaktisch mit dem Waldhorn-Spielen an. 1956 (Mozarts 200. Geburtstag) trat der Musiker mit der Romanze aus Mozarts Hornkonzert KV 447 erstmals an die öffentlichkeit. Vom Herbst 1956 studierte er zunächst als Jung-, ab 1958 dann als Vollstudent Waldhorn und Musikpädagogik bei Gustav Neudecker an der Nordwestdeutschen Musikakademie Detmold. Es folgten Engagements an der Landesbühne Schleswig-Holstein, im Operettenhaus Hamburg und im Städtebundtheater Hof, bevor Ende 1967 der Sprung ins angesehene Frankfurter Hr-Sinfonieorchester gelang. "Ich habe meine Pensionierung kommen sehen und ich wusste, dass mir das nicht schmecken würde", bekennt Steidle, der sich frühzeitig beim Senior Experten-Service angemeldet hat, für den er bereits zum zweiten Male eine Auslandsmission erfüllt. "Bläsermusik ist sehr farbig und für die madagassischen Ohren bestens geeignet", hat er schnell festgestellt und Anhänger um sich geschart. Die Musik wurde ihm förmlich in die Wiege gelegt: "In der Familie meines Vaters gab es zu Zeiten Richard Wagners mit Karl Hill einen bekannten Sänger und Freund des großen Komponisten. Auch bei meiner Mutter finden sich im Stammbaum viele musikinteressierte Menschen." |
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