Klaus Heimer   Klaus Heimer

Herausforderung für jeden Osterhasen: Madagaskars Eier der XXL-Größe

Von Klaus Heimer, Antananarivo



Madagaskars Supereier der XXL–Größe würden jeden Osterhasen vor Probleme stellen. Das über 30 Zentimeter lange elfenbeinfarbige Ei des Elefantenvogels wiegt so viel wie rund 190 Hühnereier. Es ist doppelt so lang und hat sieben Mal so viel Inhalt wie ein heutiges Straussenei. «Das gab sicher ein Super–Omelett», scherzen heute Betrachter des größten Eis der Welt, wenn sie im Museum des Botanisch–Zoologischen Gartens Tsimbazaza in der Hauptstadt Antananarivo das Skelett eines Elefantenvogels mit einem Originalei bestaunen.

Er lebte einst auf der fernen Gewürzinsel vor Afrikas Südostküste. Um den auch Elefantenfußstrauß genannten Vogel mit dem wissenschaftlichen Namen Aepyornis maximus oder Aepyornis titan ranken sich viele phantasievolle Seefahrer–Legenden. Der aus Sindbads Abenteuern und Marco Polos Reiseberichten bekannte «Vogel Rock», der in den Sagen aus der Luft herab geschwungen kam und selbst Elefanten weggetragen haben soll, war jedoch schon beim Eintreffen der ersten Europäer um 1500 nach Christi Geburt ausgestorben. Die Vernichtung des Lebensraumes durch extensive Brandrodung und die Jagd durch die Ureinwohner scheinen Gründen für die Ausrottung des flugunfähigen Giganten der Vogelwelt zu sein.

Der Riesenlaufvogel, der seit dem Ende des Tertiärs in der Heimat von Pfeffer und Vanille lebte und von dem es mindestens noch drei weitere, allerdings kleinere Arten gegeben haben soll, kam auf eine Höhe von bis zu drei Metern. Sein Lebendgewicht wird auf rund eine halbe Tonne geschätzt. Von einem solchen Goliath konnte auch ein besonders großes Ei erwartet werden. Das allererste Fossil dieses Vertreters der ausgestorbenen Familie der Laufvögel in Madagaskar wurde vom französischen Forscher Alfred Grandidier entdeckt. Wegen der dicken, porzellanartigen Schale waren die Aepyornis–Eier so fest, dass auch heute noch zahlreiche Bruchstücke gefunden werden.

Vor allem nach starken Regenfällen im Süden und Südwesten des Eilandes, wenn dort die Erde ausgewaschen wird, tauchen Relikte des Urvogels auf. Und auf Märkten in diesem Teil des Landes, in dem es übrigens keine Hasen gibt, öffnen Madagassen vor Ausländern nicht selten geheimnisvoll eine Tasche mit einem kompletten Ei. Sie haben es entweder so gefunden oder die Schalen wie ein Puzzle zu einem Ganzen zusammengefügt. Inzwischen gibt es auch Nachbildungen, die auf den ersten Blick von Originalen kaum zu unterscheiden sind.

Der Aepyornis ist wohl der größte Vogel, der je auf Erden gelebt hat. Im Vergleich zu den mächtigsten Dinosauriern, die leicht das Hundertfache an Gewicht – also 50 Tonnen – erreicht haben, sind 500 Kilogramm allerdings nicht viel. Doch die Dinosaurier–Eier, von denen ebenfalls immer wieder welche gefunden werden, sind wesentlich kleiner als jene des Supervogels. Solche von Riesensauriern sind rundlich und hatten einen Inhalt von maximal vier Litern, bei einem Höchstdurchmesser von lediglich 25 Zentimetern.





nächste Reportage: "Die Menschen kommen hier mit viel weniger aus"

Reportagen von A – Z

Dem Autor eine Mail schicken

© Klaus Heimer. Ein Nachdruck der Artikel ist nur mit schriftlicher Zustimmung des  Autors   erlaubt.
Sollte eine Exklusiv-Reportage zu einem speziellen Thema oder die Ausarbeitung einer nicht alltäglichen Studienreise gewünscht werden, bitte per Mail anfordern.