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Für die Madagassen stellt der deutsche Bildhauer Nick Blume aus Engelschoff eine besonders imposante Erscheinung dar: Vor gut zwei Jahren besuchte der Hüne mit dem imposanten Rauschebart mit seinem Freund Hans-Werner Tilge und dessen Sohn aus Dornbusch erstmals die vor der Südostküste Afrikas gelegene viertgrösste Insel der Welt, "die mich seitdem nicht mehr losgelassen hat. Damals habe ich mir auch einen Traum erfüllt und bin erstmals in meinem Leben geflogen."
Gerade ist der Künstler mit der sozialen Ader, der schon in 900 Metern Tiefe Kohle geschaufelt, als Friseur, im Gastronomiebereich und auf dem Bau gearbeitet hat, für weitere drei Monate in Madagaskar eingetroffen, um Gutes zu tun. Ganz konkret möchte er einem kleinen Ort am Canal des Pangalanes, 50 Kilometer vor der Hafenstadt Tamatave an der Ostküste, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, beim Wiederaufbau der Schule helfen. Ferner soll möglichst ein Brunnen gebohrt werden, um die Versorgung mit sauberem Trinkwasser sicherzustellen. "Ich habe auch diesmal wieder alles zusammengekratzt, viele Skulpturen und persönlichen Besitz verkauft, um hierher fliegen zu können." Vor zwei Jahren sei er ohne grosses Wissen, ohne Sprachkenntnisse und ohne Visum gekommen - "ich war ein richtiges Greenhorn." Gemeinsam mit seinen beiden Begleitern zog es ihn damals zu dem insgesamt 600 Kilometer langen Süsswasserkanal, der parallel zum Indischen Ozean verläuft. Von Einheimischen erwarben die drei Deutschen einen altersschwachen Einbaum, hier Piroge genannt, was auch gleich mit einem Fest gefeiert wurde. Die drei "vazaha" (bedeutet in Malagasy "Fremder") waren natürlich Gesprächsthema Nummer eins und schnell bekannt wie die sprichtwörtlichen bunten Hunde. Mit dem "fahrbaren" Untersatz wurde einfach drauflos gepaddelt. "Wir bastelten uns noch einen Ausleger, um den Einbaum sicherer zu machen, und setzten sogar ein Segel, um etwas schneller vorwärts zu kommen." In der Nähe des örtchens Tampina wurde gezeltet und ein grosses Feuer entfacht, das die Aufmerksamkeit auf sich zog. Trotz Satellitenkarten verlief sich das Trio am anderen Tag bei einer Fussexkursion. Als es zum Lagerplatz zurückfand, standen dort bereits rund 30 schwer bewaffnete Männer, die offenbar von der ängstlichen Dorfbevölkerung alarmiert worden waren. Die "Gäste" hatten alles durchwühlt und Ausrüstungsgegenstände an sich genommen. Nick Blume: "Angst hatte ich eigentlich nicht. Ich fand alles irgendwie lustig." Die Gendarmen konnten sich schnell davon überzeugen, dass die Drei harmlos waren und als Blume alle zu ein paar Bierchen einlud, war das Eis endgültig gebrochen. Dorflehrer Daniel lud die Gäste ein, ihre Zelte neben seiner einfachen Hütte aufzuschlagen. "Damals haben wir in Tampina hinter die Kulissen eines Dorfes blicken dürfen und den Alltag der Menschen hautnah kennengelernt." Beim Eintreffen bestand dort nur ein Tante-Emma-Laden, in dem Blume die letzten sechs Kilogramm Reis aufkaufte, wenige Wochen später gab es bereits drei dieser Mini-Shops. Nick und seine Begleiter finanzierten Arztbesuche für die Kinder, deren Eltern sich die Pfennigbeträge nicht leisten konnten. "Damals klickerte es in meinem Kopf," erinnert sich der Bildhauer mit dem Hang zu Ungewöhnlichem. "Ich passe halt in keine Schublade." Beim Anblick stattlicher Würgefeigen brach sofort die Künstlernatur durch: "Ich bezahlte 100 Wurzeln, die ich schälen liess und nach Deutschland zur weiteren Bearbeitung exportieren wollte." Eine Musterkiste kam jedoch nie in seiner Heimat an... "Wie kann ich dem Dorf langfristig helfen?" - Diese Frage stellte sich der in Bingen am Rhein aufgewachsene Blume immer wieder. Er stiftete dem Dorf bei seinem ersten Besuch zum Abschied eine Holzfigur, die einen Madagassen mit einem Zeburind darstellt. Auch diesmal hat er natürlich sein Werkzeug dabei, um kreativ tätig werden zu können. Ende vergangenen Jahres erstand Blume dann seinen allerersten Coputer, machte sich mit der Technik vertraut und warb auch per Internet für sein Projekt. "Ich konnte den Ort einfach nicht vergessen, bin wohl vom Madagaskarvirus befallen." In der Verbesserung der Bildung sieht Blume eine gute Möglichkeit für das Dorf, langfristig aus der Armut herauszukommen. "Tampina ist wirklich am Ende der Welt. Ich glaube, ich hätte keinen ärmeren Platz finden können. Ich habe das ganze Jahr rotiert, um Spenden zu sammeln. Mit meinem eigenen körperlichen Einsatz will ich die Bevölkerung nun motivieren, sich selbst zu helfen." Wichtig sei, das Gehalt des Dorflehrers zu sichern, da viele Leute selbst das sehr geringe Schulgeld nicht aufbringen können. "Jedes Kind sollte aber die Möglichkeit erhalten, den Unterricht zu besuchen." Nick Blume hat kürzlich in seiner deutschen Gemeinde ausrangierte Schulmöbel aufgekauft, die im nächsten Jahr mit weiteren Spenden (Nähmaschinen, einfaches Werkzeug, Unterrichtsmaterial etc.) in einem gesponserten Container Richtung Madagaskar gebracht werden sollen. Seit einiger Zeit arbeitet er auch mit den Vereinen "Arbeit und Dritte Welt" sowie "Kintana - Verein für Entwicklungszusammenarbeit" eng zusammen. Die Spendenaktionen der vergangenen Monate, der Verkauf von speziellen T-Shirts und auch die Versteigerung der von ihm geschaffenen Skulptur "Gemeinschaft" (wir berichteten) hätten leider nicht den erhofften Erlös gebracht, bedauert der Bildhauer im Gespräch mit dieser Zeitung. "Die Bewohner von Tampina müssen die Entwicklung ihres Ortes selbst wollen. Ich kann keine Löhne bezahlen für die Instandsetzng der Schule, lediglich die Reismahlzeiten für die Arbeiter." Der Künstler hat es nicht bereut, ein weiteres Mal nach Madagaskar gekommen zu sein. "Ich weiss, dass einer alleine nicht viel bewerkstelligen kann, aber die notleidenden Menschen hier sollen merken, dass es jemanden gibt, der ihnen aus ihrem Dilemma heraushelfen will." Nachahmer und Mitstreiter seien willkommen... |
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