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Schonacher taucht in eine völlig neue Welt ein

Ökotourismus-Berater Max Haberstroh ist zwei Jahre für den Staatspräsidenten in Madagaskar tätig / "Man muss Optimist sein"

Von Klaus Heimer, Antananarivo

Max Haberstroh    Max Haberstroh


Das schmucke Elternhaus von Max Haberstroh steht in der Triberger Strasse 48 in der Schwarzwaldgemeinde Schonach und hier hin zieht es den 53–Jährigen auch stets gerne zurück – wenn er gerade mal in seiner deutschen Heimat ist. Den international tätigen Betriebswirt, Berater für Destinationsmarketing und Journalist hat es diesmal für rund zwei Jahre auf die ferne, immer noch geheimnisumwitterte Tropeninsel Madagaskar verschlagen. Dort ist der Weltenbummler für Präsident Marc Ravalomanana im Bereich ökotourismus tätig. Der Staatschef, für den "Made in Germany" einen hohen Stellenwert hat und der als besonders deutschfreundlich gilt, hofft, mit Hilfe seines erfahrenen Beraters das Land aus dem touristischen Dornröschenschlaf zu wecken.

"Ich weiß, dass ich in den zwei Jahren die Welt nicht verändern kann", ist Max Haberstroh Realist. Er will jedoch Rahmenbedingungen schaffen, Mitstreiter/Schlüsselpersonen gewinnen, die auch nach seinem Weggang die gesteckten Ziele im Auge behalten, Grundstrukturen schaffen und mit der Privatwirtschaft engen Kontakt halten. "Nicht zuletzt infolge des überaus erfolgreichen amerikanischen Animationsfilms "Madagascar" sollte sich die Gewürzinsel auf verstärkte Nachfrage einstellen." Der sprachbegabte Experte kann auf der vor der Südostküste des "schwarzen Kontinentes" gelegenen Insel, die gleichsam Afrika und Asien en miniature ist, eintauchen in eine völlig andere Welt, in der "mora mora" (bedeutet "langsam") angesagt ist. Doch der Reihe nach...

Der Lebenslauf von Max Haberstroh liest sich überaus spannend und ist mit etlichen Stationen gespickt, die bei vielen Lesern sicher Reiselust wecken dürften. Und dabei hat alles ganz "normal" begonnen: Höhere Handelsschule Hausach, kaufmännische Lehre bei der Firma Schwarzwälder Uhrwerke–Fabrik Burger KG in Schonach, Sprachstudium an der Fremdsprachenschule Vorbeck in Gengenbach(Englisch, Französisch und Spanisch), auf dem Zweiten Bildungsweg: Fachhochschulreife und Betriebswirtschaftsstudium an der Reiseverkehrsakademie Düsseldorf, Abschluss als International geprüfter Betriebswirt. 1979/80 leitete er die Kurverwaltung Schonach, integrierte damals Privatunternehmen, Vereine und Institutionen in den Tourismus und realisierte neue Ideen zum "Event–Marketing". Sieben Jahre setzte Haberstroh als Marketingleiter bei der Nürnberger Congress– und Tourismuszentrale Akzente, ganz besonders im Kielwasser der Wende, nach dem Fall der Mauer.

Exotische Stationen seiner bisherigen Laufbahn waren als Botschaftsassistent im Auswärtigen Dienst: Algier, Tunis, Vietnam, Laos, Thailand, Singapur, Irak; später als Tourismusberater für GTZ/CIM über sieben Jahre Kirgisien (Aufbau des Tourismus "von unten", Abschluss als Berater des Staatspräsidenten), gefolgt von Kurzzeiteinsätzen in Montenegro, Kroatien und –– diesmal auf Initiative der deutschen und französischen Botschaften in Buenos Aires – ein Kurzzeiteinsatz im Altiplano hoch im Norden Argentiniens. Später ging es für Nordrhein–Westfalen als Leiter der NRW–Wirtschaftsvertretung in Nischnij Nowgorod (Russland) um ein "Interims–Management" in Sachen Neukonzipierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der Wolga–Don–Region und Nordrhein–Westfalen. Der weitere Weg führte Max Haberstroh in den Kosovo, wo er für die britische Organisation IFES die Tourismuskomponente eines Projekts der Entwicklungszusammenarbeit austüftelte. Danach unterstützte er die Firma Hochtief bei der Identifizierung von Bauprojekten zur "Integrierten Tourismusentwicklung" in Bulgarien und schließlich wechselt Haberstroh für die amerikanische Umweltorganisation Conservation International (Washington) nach Afrika: Diesmal ist er ökotourismusberater für den Präsidenten von Madagaskar in Antananarivo – seine jüngste Station fern des geliebten Schwarzwaldes.

"Besonders nach etlichen Kurzzeiteinsätzen hintereinander sehnt man sich mal nach einem längerfristigen Vertrag. Das ständige Leben aus dem Koffer ist doch recht anstrengend", bekennt der weit gereiste und viel gefragte Fachmann unter der Tropensonne Afrikas, wohin ihn seine Lebensgefährtin Beate Hertzler aus dem Sauerland begleitet.

In der neuen Heimat auf Zeit haben sich beide gut eingelebt, es wird mit Kräften an einem Image für den Minikontinent Madagaskar gearbeitet, Investoren sollen motiviert werden und es wird angestrebt, vorhandene Projekte mit ökotouristischen Inhalten zu koordinieren, um zu einer Kooperation zu gelangen. "Keine leichte Aufgabe", weiß Haberstroh. "Madagaskar soll als Land, das wegen seiner endemischen Flora und Fauna touristisch (noch) ein Geheimtipp ist und ein guter Investitionsstandort werden möchte, bekannt gemacht werden." Voraussetzung sei jedoch, dass die Entscheidungsträger "was tun müssen", wird mit Blick auf zunehmende Umweltverschmutzung, Brandrodung, Zerstörung der Natur durch Buschfeuer und Abholzen der letzten Regenwälder angesprochen. "Wenn das so weiter geht, ist in 20 Jahren nicht mehr viel vorhanden." Haberstroh plädiert für eine konzertierte Aktion: Genehmigung von Kleinkrediten, Verbesserung der Kommunikation und Kooperation aller Beteiligten untereinander, ein schnelleres Reagieren und Arbeiten, die Verbesserung der touristischen Infrastruktur, vor allem bei der Zuwegung zu Sehenswürdigkeiten.

Den Slogan des Präsidenten, "Madagascar –– naturellement!"("Madagaskar –– natürlich!"), fest im Blick wird an Verbesserungen der Rahmenbedingungen für Hotelkonzerne und der Vermarktung der einzigartigen Pflanzen– und Tierwelt gearbeitet. "Man muss bei einem solchen Job Optimist sein", merkt Haberstroh schmunzelnd an. Wenige Minuten zuvor wurde seiner Lebensgefährtin an einem Aussichtspunkt der Hauptstadt das Handy aus dem Auto gestohlen...

Erforderlich sei vor allem eine Zielgruppendefinition. "Wir müssen die wirklich interessierten Besuchergruppen ansprechen, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der Natur bewusst sind." Madagaskar habe im Vergleich zu anderen Urlaubszielen viel aufzuholen. "Das Land wäre auf einem Boom nicht vorbereitet, wird auch mit Blick auf den Umgang mit Kunst und Kulturgütern bedauernd angemerkt. "Bereits vor zehn Jahren ist der Palast der Königin, das Wahrzeichen von Antananarivo, abgebrannt. Erst jetzt macht man sich ernsthaft Gedanken über einen Wiederaufbau. Man sollte nicht immer nur auf Hilfe aus dem Ausland warten, sondern auch beispielsweise selbst mal Müll wegräumen", ist Appell, Eigeninitiative zu zeigen. "Wichtig ist, dem Land ein Gesicht zu geben. Hierzu werde ich einen Beitrag leisten." Haberstroh ist sich bewusst, dass er niemandem etwas überstülpen wird. "Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut." Eine behutsame öffnung aus der Insellage sowie Beständigkeit, Zuverlässigkeit und Einfallsreichtum als Grundvoraussetzungen, gepaart mit gutem Willen zur Zusammenarbeit, seien erforderlich, um sich gesteckten Zielen zu nähern.

Voraussichtlich im März 2006, nach der Internationalen Tourismusbörse in Berlin, wird Haberstroh wieder "daheim" sein, die gute Schwarzwälder Küche genießen und viel wandern, bevor dann die zweite Etappe seiner Tätigkeit 8000 Kilometer entfernt beginnt. Was nach Madagaskar kommen wird, sei noch offen. "Der Beruf Freier Berater ist kein Zuckerschlecken. Ich werde mir halt wieder ein neues Projekt irgendwo in der Welt suchen", ist Haberstroh Optimist.





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