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Erfolg von Grefrath bei Madajazzcar vervielfältigt

Trompeter Markus Türk und Pianist Ghomi Rahamefi begeistern mit ihren Improvisationen auch auf der fernen Tropeninsel / Weitere gemeinsame Konzerte in Deutschland

Von Klaus Heimer, Antananarivo

Markus Tuerk    Markus Tuerk


Wenn sie Mann und Frau wären, würde man von Liebe auf den ersten Blick reden. Bei Trompeter Markus Türk aus Grefrath und dem madagassischen Pianisten Ghomi Rahamefi war es Liebe nach dem ersten Ton. Bei einem ersten Treffen vor wenigen Monaten, zwei Tage vor einem gemeinsamen Konzert, hat es zwischen beiden gefunkt, sehr zur Freude der zahlreichen Zuhörer, die in der Buchhandlung Karl Groß in Grefrath Ohrenzeugen einer musikalischen Premiere der ganz besonderen Art wurden. "Unsere Improvisationen haben wunderbar funktioniert. Ghomi spielt am Klavier ein Motiv, auf das ich mit Trompete oder Posaune einsteige, und daraus entwickelt sich in freier Improvisation ein musikalisches Stück", drückt Markus Türk Begeisterung über dieses Erlebnis aus, das schnell Folgen haben und Wellen bis hin zum Indischen Ozean schlagen sollte...

Im Moment sind Ghomi und Markus 8000 Kilometer von Grefrath entfernt im Hochland der vor der Südostküste Afrikas gelegenen Gewürzinsel Madagaskar unterwegs, um auch die Landsleute des in Frankreich ausgebildeten Pianisten in den Genuss dieser musikalischen Partnerschaft zweier unterschiedlicher Klangwelten kommen zu lassen. Im Rahmen der 17. Neuauflage des Festivals "Madajazzcar" gestaltet das Duo auf Einladung der Botschaft und des Goethe–Zentrums in drei größeren Städten mehrere Konzertabende. "Ghomi hat nach unserem ersten Auftritt in Deutschland angekündigt, dass ich unbedingt in seine Heimat kommen müsse." Markus Türk war dann doch überrascht, dass alles so schnell über die Bühne und der Traum, auf dieser immer noch geheimnisumwitterten Insel spielen zu dürfen, innerhalb kürzester Zeit in Erfüllung gehen sollte.

Vor Tau und Tag landete der 44–jährige gebürtige Krefelder mit seiner Trompete und dem australischen Nationalinstrument Didgeridoo im Handgepäck in der Hauptstadt Antananarivo. Vor dem Flughafengebäude wartete der Dienstwagen des Botschafters und durch die erwachende Millionenstadt ging es zum Frühstück mit Ghomi ins Haus von Katrin und Helmut Frühinsfeld (sie arbeitet in der Botschaft), die den Gast bestens betreuen. "Das ist eine komplett andere Welt", fasst Türk die ersten Eindrücke zusammen. Madagaskar sei gleichsam Afrika und Asien en miniature – mit einer einzigartigen Tier– und Pflanzenwelt sowie musikbegeisterten Menschen. Dem Deutschen, der bisher lediglich einige Länder Nordafrikas bereist hat, steht die Vorfreude auf die beiden bevorstehenden Wochen im Land, wo Pfeffer und Vanille im überfluss wachsen, ins Gesicht geschrieben.

Ghomi Rahamefy, der mehrmals im Jahr durch Europa tourt, ist ebenso wie Markus Türk froh über diese persönliche und musikalische Begegnung. Nach den Erfolgen in Madagaskar sind weitere Konzerte fest geplant: Am 3. November im Kulturzentrum BIS in Mönchengladbach, am 4. November im Tho–Rieth–Hof in Viersen, am 5. November im holländischen Venlo, am 6. November erneut in der Buchhandlung Groß in Grefrath und am 9. November in Connys "Come In" in Viersen–Boisheim. Diese gemeinsame Zeit wird auch dazu genutzt, Demobänder aufzunehmen, die im Vorfeld einer für 2007 geplanten Deutschlandtournee, in die nach Möglichkeit die bestehenden deutsch–madagassischen Vereine quer durch die Republik eingebunden werden, wertvolle Dienste bei möglichen Veranstaltern leisten sollen.

Markus Türk, der früher viel in Bands gespielt hat, ist für die städtische Musikschule Mönchengladbach als Lehrer und Leiter eines Jazzensembles sowie zweier Big Bands tätig, hat Privatschüler, leitet zudem in Kempen eine Big Band und organisiert Konzerte für einen Club. "Es ist schwer, mit Jazz alleine zu überleben. Es gibt nur relativ wenige Clubs und das Publikum steht eher auf amerikanische Namen." Der 44–Jährige ist zufrieden, neben den festen Verpflichtungen noch eigene Projekte – wie gerade jenes mit Ghomi Rahamefi – in Angriff nehmen zu können. Gemeinsam mit dem Gladbacher Pianisten Manfred Heinen werden zudem bekannte deutsche Volkslieder jazzig arrangiert. "Mit meiner Traumbesetzung habe ich im Frühjahr 2003 die fünfköpfige Band Furiopolis gegründet, bei der sich Tiefgang und Schabernack die Hand reichen". Gags wurden eingebaut, dem Ganzen eine kabarettistische Richtung gegeben, alles augenzwinkernd serviert – und der Erfolg des ungewöhnlichen Unternehmens bleibt nicht aus.

Die Kinder stehen übrigens Vater Markus musikalisch in nichts nach: Tochter Muriel hat Geigen– und Klavierunterricht genommen, Sohn Yuri hat sich dem Capoeira aus der brasilianischen Heimat der Mutter verschrieben und will nun wie der Vater, der seit 35 Jahren Trompete spielt, das Instrument Berimbau erlernen. Markus Türk wurde in der Familie von Ghomi, der drei nicht weniger musikbegeisterte Söhne hat, herzlich aufgenommen. Musik kennt erfreulicherweise keine Grenzen, die englische Sprache dient als Brücke zu Malagasy und Französisch.

Markus Türk hängt nach den vier geplanten Auftritten einige Tage Urlaub dran, um Land und Leute noch intensiver auf sich einwirken zu lassen, weitere Kontakte zu einheimischen Musikern zu knüpfen und mit seinem madagassischen Partner musikalische Pläne zu schmieden. Am 20. Oktober wird er wieder im heimischen Grefrath eintreffen, rechtzeitig um einen Tag später mit Partner Manfred Heinen in Mönchengladbach einen Workshop "Klangimprovisationen" zu leiten.



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