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Von der Schweiz Afrikas in die Heimat von Pfeffer und Vanille

Lisa Voigt aus Neukirchen-Vluyn leistet studienbedingtes Praktikum bei deutscher Stiftung in Madagaskar / Grosses kirchliches Engagement / März 2008

Von Klaus Heimer, Antananarivo



Von Neukirchen-Vluyn mehrmals nach Ruanda und jetzt auf die immer noch geheimnisumwitterte ferne Tropeninsel Madagaskar. Die 23-jährige Lisa Voigt liebt kräftige geografische Sprünge, wobei es ihr der "schwarze Kontinent" besonders angetan hat. Derzeit absolviert die junge Frau in der Hauptstadt mit dem Zungenbrechernamen Antananarivo ein studienbedingtes Praktikum bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, die auf der viertgrössten Insel der Welt seit Jahrzehnten den Bereich der politischen Bildung als Arbeitsschwerpunkt hat.

In Moers geboren, wuchs die Studentin der Politikwissenschaften im benachbarten Neukirchen-Vluyn auf und absolvierte am Julius Stursberg-Gymnasium erfolgreich das Abitur. Die vielseitig begabte und interessierte Weltenbummlerin erlernte an der Städtischen Musikschule das Geigenspiel und gehörte lange dem Schulorchester an. "Prägend für meine berufliche Zukunft war sicher die lange Zugehörigkeit zum Jugendchor der evangelischen Gemeinde." Seit dem 16. Lebensjahr singt Lisa und engagierte sich ganz besonders in einem Begegnungsprojekt mit einem Chor aus dem zentralafrikanischen Ruanda, zu welchem gebeutelten Land und hier speziell der Region um die Hauptstadt Kigali der Kirchenkreis Moers seit gut 25 Jahren partnerschaftliche Kontakte pflegt.

2001 ging es erstmals in die "Schweiz Afrikas", wie das Land der 1000 Hügel auch genannt wird. Gemeinsam mit jungen Leuten aus diesem Staat wurde ein schönes Programm einstudiert und dann bei verschiedenen Konzerten im Rahmen einer Rundreise gleich mehrfach unter viel Beifall den Einheimischen geboten. "Nach der Rückkehr hieß es dann Geld erwirtschaften für den geplanten Gegenbesuch 2002 in Deutschland." Zwei Jahre später ging es erneut Richtung Äquator und die dortigen Begegnungen mit den Menschen haben die damalige Abiturientin nicht losgelassen. Nach der Reifeprüfung packte sie für ein ganzes Jahr die Koffer und half im Dienste der Vereinten Evangelischen Mission der anglikanischen Kirche in der ruandischen Stadt Gitarama beim Aufbau eines Ausbildungszentrums für Jugendliche in den Bereichen Schreinerei, Metall und Nähen. Später wurde noch für Mädchen und Jungen ohne Rechtschreibkenntnisse der Bereich Herstellung von Postkarten aus Bananenblättern angefügt. Lisa Voigt: "Ich war bei den Interviews mit den in Frage kommenden Schülern und Ausbildern dabei, habe in der Verwaltung mitgearbeitet sowie beim Schriftverkehr insbesondere mit möglichen Spendern und Geldgebern geholfen."

Beim Umgang mit jungen Menschen kamen ihr die Erfahrungen zugute, die sie als langjährige Leiterin der Jungschargruppe ihrer heimischen Kirchengemeinde sammeln konnte. Nach der Rückkehr aus Afrika wurde in Berlin an der dortigen Freien Universität das Studium der Politikwissenschaft aufgenommen. Die Zwischenprüfung hat Lisa hinter sich, jetzt hat sie ein Semester Auszeit genommen, um die geforderten Praktika zu absolvieren. Drei Monate arbeitete sie in einer PR-Agentur in der bundesdeutschen Hauptstadt und jetzt ist sie drei Monate bei "Friedrich Ebert" in der Heimat von Pfeffer und Vanille. Ihre guten Französischkenntnisse kommen ihr dort natürlich sehr zugute

Bei der von Oliver Dalichau geleiteten Stiftung in der Hauptstadt Antananarivo hat sich Lisa verstärkt mit dem Bereich Regionale Integration auseinandergesetzt, wird jetzt noch einige Interviews führen. Die Ergebnisse sollen in eine kleine Broschüre einfließen, die möglichst bis Mai aus Anlass der 125-jährigen Wiederkehr der Unterzeichnung des ersten deutsch-madagassischen Freundschaftsvertrages herausgebracht werden soll. "Ich habe zudem Einblick in viele kleine Projekte erhalten, bei denen es um die Rechte der Menschen oder auch um Korruption ging." Auch in den Ablauf des vierten Leadership-Programms für junge Führungskräfte war die Praktikantin aktiv eingebunden.

Die Wochenenden wurden und werden dazu genutzt, per Buschtaxi die Umgebung zu erkunden. Im März haben sich Mutter Brigitte, ihre Zwillingsschwester Gesine mit Freund und Bruder Bastian angesagt, mit denen dann die Naturparks und weitere Sehenswürdigkeiten Richtung Süden besucht werden sollen.

Nach wie vor gehört Lisa Voigt dem Partnerschaftsausschuss des Kirchenkreises Moers an, für den sie im Sommer 2007 mit Freundin Anne Keiner eine dreiwöchige Studienreise mit zehn Teilnehmern leitete, bei der die Rolle der ruandischen Kirche im sozialen Bereich und die Aufarbeitung des Völkermordes im Vordergrund standen.

Nach ihrer Rückkehr wird Lisa Voigt in Berlin das Hauptstudium angehen, in dessen Verlauf sie sich vorstellen könnte, ein Semester in Frankreich zu absolvieren. Beruflich sieht sie ihre Zukunft im entwicklungspolitischen Bereich, eventuell mit Schwerpunkt Afrika. "Vielleicht einige Jahre bei einer Stiftung im Ausland, aber auf Dauer möchte ich schon in Deutschland leben", wird gut 8000 Kilometer von zu Hause entfernt die Richtung abgesteckt.





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