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Vielfältige Geschwisterhilfe aus Ringingen für Madagaskar

Johannes Maucher absolviert derzeit ein Praktikum im College Sainte Therese in Antsirabe

Von Klaus Heimer, Antananarivo

Johannes Maucher        Johannes Maucher


Der Erbacher Stadtteil Ringingen bei Ulm und die Edelsteinmetropole Antsirabe im Hochland der Tropeninsel Madagaskar sind seit einigen Jahren freundschaftlich und partnerschaftlich verbunden. Auf deutscher Seite ist der 68-jährige Diakon Karl Geiger der Motor, der vor Jahren auf einer Marienwallfahrt nach La Salette in den französischen Alpen Schwester Victorine Razafiorisoa von der Kongregation des Sœurs de Notre Dame de la Salette kennengelernt hat. Diese madagassische Ordensfrau ist seit 1998 in Antsirabe Direktorin des College Ste. Therese. Rund 1600 Mädchen und Jungen von drei bis 16 Jahren besuchen diese katholische Schule. Die Ordensfrauen sind auch noch in den Städten Morondava, Tsiroanomandidy und Antananarivo segensreich tätig.
Karl Geiger war bereits zwei Mal, 1999 und 2001, auf der vor der Südostküste Afrikas gelegenen viertgrössten Insel der Welt und konnte sich hier selbst ein Bild von der Arbeit der Schwestern machen. Geiger: "Die ersten Kontakte zur Salettiner Mission in Madagaskar wurden bereits vor über 20 Jahren geknüpft. Bei den jährlichen Pilgerfahrten nach Frankreich lernte ich stets neue Schwestern und Patres kennen. In Gesprächen mit Schwester Victorine wurde mir dann aber bewußt, das ich mehr tun muss, als nur persönliche Spenden bereitzustellen." Gesagt, getan!
Im Oktober 1998 gründete Karl Geiger, der seit 1975 Diakon ist, 16 Jahre für die Gemeindearbeit in Allmendingen zuständig war und seit 1989 Diakon in Oberdischingen und öpfingen (Diözese Rottenburg-Stuttgart) ist, die Aktion "Geschwisterhilfe für Madagaskar". Seit Januar 1999 wird in Antsirabe die Schulspeisung am College mitfinanziert. Im Jahre 2001 wurde der erste Container mit zwölf Tonnen Hilfsgütern auf den Seeweg geschickt: Schreib- und Nähmaschinen, Bälle für den Sportunterricht, Papier, Schreibhefte, Tafelkreide, Stifte, Verbandsmaterial und Rollstühle für die Krankenstation, Elektrokabel, Fahrräder, Waschmaschinen, Spielsachen, Einrichtungsgegenstände für die zu sanierende Toilettenanlage der Schüler, Waschbecken etc. wurden für die Partnerschule gespendet. Der erste Container dient übrigens heute den Schwestern als Reislager. Ebenfalls 2001 wurde ein Baugrundstück gekauft und ein "Centre Regional" mit Internat für 20 junge Leute angegliedert. Im vergangenen Jahr konnte dann mit der Sanierung und dem Ausbau der bestehenden Gebäude begonnen werden, die fortgesetzt werden soll. Inzwischen wurde dank einer großzügigen Spende ein weiteres Gebäude mit Schulklassen und einem Computerraum errichtet.
Der zweite Hilfscontainer wird laut Karl Geiger vor allem Medikamente und ärztliche Instrumente im Wert von 18000 Euro enthalten. Madagassische Mediziner haben eine entsprechende Bedarfsliste erstellt. Ferner sollen 30 bis 40 Computer zum College und zu einer benachbarten katholischen Fachhochschule geschickt werden. Karl Geiger: "Ich weiss noch nicht, wie ich das alles zusammenbringen soll, aber mit Gottes Hilfe wird es schon irgendwie gehen."
Unzaehlige Gespräche und Bittbriefe seien erforderlich, um die erforderlichen Mittel aufzubringen. Private Spenden aus den früheren Pfarreien, Allmendingen mit den Teilorten Altheim, Schwörzkirch, Pfraunstetten und Niederhofen, und seinen jetzigen Pfarreien Oberdischingen und öpfingen haben schon dazu beigetragen, viel Gutes zu tun. In diesen Orten wird auch die Sternsingeraktion an Dreikönig zu Gunsten von Madagaskar durchgeführt. Unterstützung kam bereits vom Referat Weltkirche des Ordinariates Rottenburg-Stuttgart und vom Aachener Kindermissionswerk (Sternsinger). In seiner Heimatgemeinde Erbach-Ringingen verzichtet Geiger auf Aktionen, da von hier aus bereits ein einheimischer Missionar in Südafrika unterstützt wird.
Oberstes Ziel des Engagements sei, madagassischen Mädchen und Jungen vom Kindergartenalter bis zum Abitur Bildungsmöglichkeiten zu bieten. Direktorin Victorine besuchte 1998 und vom 21. Dezember 2002 bis 2. Februar 2003 Ringingen, knüpfte dort weitere Kontakte und gab detailliert Einblick in künftige Maßnahmen. Dabei lernte sie über Karl Geigers Sohn Matthias auch Johannes Maucher kennen, der zur Zeit ein studienbedingtes mehrmonatiges Praktikum im College leistet. Der junge Mann, der schon verschiedene europäische Länder bereist hat, betritt mit Madagaskar, das gleichsam Afrika und Asien en miniature ist, geografisches, kulturelles und auch sprachliches Neuland. Die Französischkenntnisse aus der Schulzeit werden aufgefrischt und auch die ersten Brocken in der zweiten, recht schwierigen Landessprache Malagasy gehen ihm bereits leicht über die Lippen. "Es ist schon eine große Umstellung," fasst Johannes im Gespräch mit dieser Zeitung die Eindrücke der ersten Zeit zusammen. "Insbesondere die Armut der Menschen hier macht mir zu schaffen." Die herzliche Aufnahme in exotischer Umgebung, die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen, die stets ein Lächeln für andere haben, und die vielen neuen Eindrücke, hier insbesondere die landschaftliche Vielfalt, lassen die Zeit wie im Fluge vergehen. Per Email wird der Kontakt zur Heimat gehalten. "Am meisten vermisse ich die Tageszeitungen mit aktuellen Informationen über das Geschehen zu Hause und in der Welt," bekennt der Student. "Irgendwie ist man hier von der Außenwelt abgeschnitten."
Johannes Maucher wurde in Ulm geboren, besuchte in Ringingen die Grund- und in Ehingen die Realschule. In der Schreinerei Sebald in Ringingen absolvierte er eine Lehre, leistete in der Stiftung Liebenau bei Ravensburg seinen Zivildienst in einer Wohngruppe für geistig Schwerbehinderte, bestand dann in Ulm die Fachhochschulreife und arbeitete anschließend als Schreinergeselle in Neu-Ulm. In Furtwangen im Schwarzwald studierte er drei Semester Design und Dokumentation, wechselt jedoch nun in die Sparte Kultur- und Medienpädagogik. "Der pädagogische Bereich sagt mir mehr zu," wird die Umorientierung begründet. In der Pfarrgemeinde Ringingen leitete Johannes früher längere Zeit eine Kindergruppe der Katholischen Landjugendbewegung. Der ehemalige aktive Schwimmer nahm in der Jugend für den SV Blaubeuren erfolgreich an vielen Wettkämpfen im Brustschwimmen über 100 oder 200 Meter teil. "Ich war meist unter den ersten Vier."
Johannes ist froh, Schwester Victorine in Deutschland getroffen und den Weg ins immer noch geheimnisumwitterte Madagaskar gefunden zu haben. Er unterstützt mit Kräften die Arbeit der Ordensfrauen in Antsirabe im Dienste junger Menschen, die dank einer guten Schulbildung eine Zukunftschance erhalten sollen.
Johannes Maucher kann nach seiner Rückkehr Ende Juni sicher viel zu Hause berichten. Dies dürfte der "Geschwisterhilfe" weiteren Auftrieb geben, hoffen er und die Ordensfrauen. Reisen in die Umgebung sollen in den nächsten Wochen den Horizont für die vielen Probleme in einem der ärmsten Länder der Welt erweitern, das nach der langen politischen Krise in Folge der Staatspräsidentenwahl vom Dezember 2001 wieder zur Ruhe gekommen ist. Derzeit sind im Süden des Eilandes, fast unbemerkt von der Weltöffentlichkeit, nach langer Trockenheit und Missernten rund 600000 Menschen direkt vom Hungertod bedroht.



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