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"Reden, dabei sein und immer wieder anschieben"

Helgo Alberts aus Ottobrunn als Senior Experte für Hamburger Handelskammer in Madagaskar / Duales Ausbildungssystem nach deutschem Vorbild ist gefragt

Von Klaus Heimer, Antananarivo

Helgo Alberts    Helgo Alberts


"Hamburg baut Madagaskar auf " lautet in Kurzform die Devise der in der Hansestadt ansässigen Handelskammer, die seit 2004 in Madagaskar in Zusammenarbeit mit dem Bonner Senior Experten–Service eine duale Berufsausbildung einführt und in einem zweiten Schritt die dortigen örtlichen Kammern für Handel, Handwerk, Industrie und Landwirtschaft in den sechs Provinzen unterstützt.

Der 64–jährige Diplom–Volkswirt Helgo Alberts aus Ottobrunn, der von 1979 bis zum Ruhestand Ende 2005 stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK München war, gehört zu jenem Team ausgewählter deutscher Fachleute, die dazu beitragen, dass die gesteckten Ziele in Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern auch erreicht werden. Bundespräsident Horst Köhler wird übrigens bei seinem bevorstehenden Kurzbesuch vom 6. bis 9. April in Antananarivo Einblick in das Geleistete nehmen und etlichen Absolventen des allerersten Ausbildungsjahrganges nach deutschem Modell ihre Zeugnisse überreichen.

"Ich sauge die farbenprächtigen Märkte auf und tauche in eine völlig neue exotische Welt ein", fasst Helgo Alberts die ersten Eindrücke auf der vor der Südostküste Afrikas gelegenen Gewürzinsel zusammen; die gleichsam Afrika und Asien en miniature sei. Mit einer Wirtschaftsdelegation des Freistaates Bayern war er schon einmal kurz in der Heimat von Pfeffer und Vanille, die ihm also nicht ganz fremd ist. Und im Büro der Hamburger Handelskammer steht mit Olinirina Ranaivo eine Fachkraft zur Verfügung, die das Einleben erleichtert und dank ihrer Kontakte schnell Türen öffnen kann.

"Zunächst müssen die bestehenden Verbindungen zum Industrieminister, der Regierung, dem Bürgermeister der Hauptstadt, der in Deutschland studiert hat, oder den Verantwortlichen der Kammer vertieft werden." Dies hat Alberts bereits hinter sich. Jetzt geht es daran, in Antananarivo und in der Hafenstadt Tamatave die bestehenden Kooperationsverträge und Standards der partnerschaftlich verbundenen Kammern dahingehend zu überprüfen, ob sie mit Leben erfüllt und umgesetzt werden. Entgeltplan für Dienste der Kammer, die Verwirklichung des Organisationsplans, die Erstellung eines Positionspapiers zu einem regionalpolitischen Thema, die Beleuchtung der Arbeit der Generalversammlung und Ausschüsse sowie die Aufbereitung der Beschlüsse, oder auch die erstmalige Erstellung einer umfassenden Firmenkartei, die schleppend anlaufe, seien nur einige der Schwerpunkte des Experteneinsatzes. Alberts: "Man muss reden, reden, dabei sein und immer wieder anschieben."

Der gebürtige Berliner Helgo Alberts ist in Bremen aufgewachsen, hat dort das Abitur gemacht und dann den zweijährigen Militärdienst bei den Gebirgsjägern in Mittenwald absolviert, bevor er viereinhalb Jahre an der Münchener Universität Volkswirtschaft studierte. Beim Deutschen Gewerbeverband Bayern und dem Deutschen Industrie– und Handelstag, dem Dachverband der 82 deutschen Industrie– und Handelskammern, wurden erste wertvolle praktische Erfahrungen gesammelt. In London hat Alberts von 1970 bis 1973 die Deutsche IHK aufgebaut und Briten beraten, die auf dem bundesdeutschen Markt Fuß fassen wollten. Ende 1973 wurden dort die Koffer gepackt und seitdem wohnt Helgo Alberts mit Ehefrau Heidi, die als Diplom–Handelslehrerin viele Bankkaufleute ausgebildet hat, und den beiden Söhnen in Ottobrunn bei München. Bei der IHK in der bayerischen Landeshauptstadt, die bundesweit vor Stuttgart die größte Einrichtung dieser Art mit der höchsten Wirtschaftskraft sei und 410 Mitarbeiter beschäftigt, war der Diplom–Volkswirt zunächst persönlicher Referent des Hauptgeschäftsführers, danach Leiter der Koordinations– und Verkehrsabteilung und zuletzt bis zum Ruhestand 15 Jahre Chef der Abteilung Außenwirtschaft. Fragen zu Im– und Export, Direktinvestitionen, Besuch von Delegationen aus dem Ausland, Messebeteiligungen, Weiterbildungsseminare für Unternehmen oder Länderveranstaltungen (so auch zu Madagaskar) standen im Blickpunkt der Tätigkeit. In guter Erinnerung ist der Besuch des madagassischen Staatspräsidenten Marc Ravalomanana, dessen Sohn in Heidelberg studiert hat, in der Münchner Kammer. Deutschen Unternehmen eine Plattform für Geschäfte bieten, sei oberstes Ziel aller IHK–Bemühungen.

In der bisher sehr knappen Freizeit engagiert sich Alberts seit zwei Jahren im Vorstand der Münchner Symphoniker, die weiterhin neben zahlreichen Auftritten mit besonderen Aktivitäten junge Leute an die klassische Musik heranführen wollen. Neben dem Besuch fremder Länder und dem Kennenlernen unterschiedlicher Kulturen sind auch im noch jungen Ruhestand weiter verstärkt Theaterbesuche, Bergwandern, Tennis und Skifahren angesagt. "Nach rund 30 Jahren Pause habe ich auch wieder mit Golfsport begonnen. Natürlich besuchen wir auch regelmäßig die Freunde aus der Londoner Zeit." In Madagaskar wird Kontakt zu den dortigen Rotaryclubs gesucht, zu deren Treffen der Deutsche stets willkommen ist. Darüber hinaus erkundet Alberts die Märkte und Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt und näheren Umgebung. "Wobei man sich hier als Ausländer daran gewöhnen muss, von Berufsbettlern umschwärmt zu werden."



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