|
"Made in germany" geniesst auf der fernen, immer noch stark francophon orientierten Gewürzinsel Madagaskar einen ausgezeichneten Ruf. Insbesondere seit dem Amtsantritt des neuen Staatspräsidenten Marc Ravalomanana im Jahre 2002, der vielfältige Geschäftskontakte in die Bundesrepublik pflegt und dessen Sohn Joshua in Heidelberg studiert hat, gaben und geben sich Delegationen aus Allemagne bei ihm die Türklinke in die Hand. Nach Wirtschaftsvertretern aus Bayern und Hamburg wurden - ganz aktuell - 17 Fachleute aus der nordrhein-westfälischen Baubranche auf der vor der Südostküste Afrikas gelegenen viertgrössten Insel der Welt willkommen geheissen.
Der in Berlin ansässige Zentralverband des Deutschen Baugewerbes konnte bei der Organisation der Reise auf den Geschäftsführer des Bielefelder Handwerksbildungszentrums Brackwede (Fachbereich Bau), Axel Gutounik, "bauen", der in den vergangenen Monaten gleich mehrfach mit den verschiedensten madagassischen Ministerien verhandelt und ein Ausbildungskonzept auf den Weg gebracht hat, das nun möglichst schnell umgesetzt werden soll. "Wir könnten sofort loslegen," strahlt Gutounik auf der gerade zyklongeschüttelten Insel im Indischen Ozean Zuversicht aus. "In allen sechs Provinzen der Heimat von Pfeffer und Vanille sollen mit Bielefelder Hilfe Bildungseinrichtungen aufgebaut werden." Dies wurde beim jüngsten Arbeitsaufenthalt des quirligen HBZ-Geschäftsführers, der zwischen Ministerien, Ausbildungsbetrieben, Hotel und Staatspräsident hin und her pendelte, vertraglich so festgehalten. Mit knapp elf Millionen Euro sei das Projekt veranschlagt. "Die Europäische Investitionsbank, die Weltbank und das Land Madagaskar sollen die Kosten tragen." Gutounik weiter: "Wir werden den Madagassen nichts überstülpen, sondern sie aktiv einbeziehen und uns gemeinsam am Machbaren orientieren." Vorgesehen ist, rund 100 madagassische Techniker, angelernte Meister und Lehrer nach und nach in Deutschland in sechs zweimonatigen Lehrgängen mit effektivem Strassen-, Tief- und Kanalbau vertraut zu machen. Im Gegenzug sollen ebenfalls in mehreren Etappen etliche Mitarbeiter des multifunktionalen Handwerksbildungszentrums Brackwede Richtung Indischer Ozean fliegen, um in der Hauptstadt Antananarivo und in den Provinzmetropolen Tamatave, Majunga, Diego Suarez, Tulear und Fianarantsoa Bildungszentren für die Bauunternehmerschaft zu gründen und mit Leben zu erfüllen. "Jetzt müsssen nur noch letzte Finanzierungsfragen abgestimmt werden," erläutert Gutounik vor dem Rückflug im Gespräch mit dieser Zeitung. "Der Staatspräsident forciert das Projekt und will es möglichst schnell mit uns in die Tat umsetzen." Mit dem Deutsch sprechenden Bürgermeister der Hauptstadt, Patrick Ramiaramanana, der übrigens in Darmstadt seine Studienzeit absolviert hat, hat Axel Gutounik vereinbart, das zwei Strassenbaumeister aus Bielefeld schon bald nach Madagaskar kommen werden, um ihr Wissen weiterzugeben. Diese sollen voraussichtlich ab Mai jeweils zwei bis drei Monate ihre Berufskollegen insbesondere im Bereich der Unterhaltung des in vielen Teilen maroden Strassennetzes weiterbilden. Die Millionenstadt Antananarivo, kurz Tana genannt, verändert seit gut zwei Jahren ihr Gesicht positiv: Das Kanalnetz wird erneuert, Strassen werden ausgebaut und verbreitert, damit die unsäglichen Staus in der verstopften City schon bald der Vergangenheit angehören, und auch die stinkenden Müllberge sowie die Slums sind inzwischen verschwunden. Insbesondere in der Regenzeit versank Antananarivo in der Vergangenheit jeweils in den Fluten... Gutounik: "Der Bürgermeister wünscht, dass unsere Fachleute so schnell wie möglich kommen." Der afrikaerfahrene Bielefelder Horst Militzke, Mitarbeiter im HBZ, war bereits im Herbst 2002 in Antananarivo und hat dort gute Arbeit geleistet. Gutounik und Militzke haben neben deutschen Architekten, Radio- und Fernsehspezialisten, Getränkemaschinenherstellern, Lkw-Firmen etc. dazu beigetragen, das deutschem Know-how 8000 Kilometer von zu Hause entfernt nicht nur auf dem Bausektor eindeutige Priorität eingeräumt wird. Klein- und mittelständische Bauunternehmen der Insel haben sich kürzlich zu einem Landesverband zusammengeschlossen und am Donnerstag einen Kooperationsvertrag mit den baugewerblichen Verbänden mit Sitz in Düsseldorf und dem Management-Center Handwerk der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks in Oberhausen geschlossen. Die Arbeit von Gutounik und Co. trägt also mit Blick auf die unter dem alten Staatspräsidenten sträflich vernachlässigte Entwicklung Madagaskars reiche Früchte. Das positive Image Deutschlands wird von der jungen madagassischen Generation schon länger aufmerksam registriert: Rund 100 Germanistikstudenten an der Universität der Hauptstadt und über 600 Schüler im Goethezentrum hoffen auf weiteres deutsches Engagement in ihrer Heimat, die gleichsam Afrika und Asien en miniature ist. |
|