Klaus Heimer   Klaus Heimer

Neu-Ulmer in Madagaskar gefragter Senior-Experte

Gerhard Kuhnle bildet auf der fernen Tropeninsel angehende Informatiker aus / Sportlich aktiv und für Neues aufgeschlossen

Von Klaus Heimer, Antananarivo

Gerhard Kuhnle


„Ich bin überzeugt, dass durch die bisherige gute Zusammenarbeit auf dem Ausbildungssektor in Zukunft ein schönes Ergebnis erreicht werden kann.“ Der 66-jährige Gerhard Kuhnle aus Neu-Ulm zieht nach fast dreimonatiger Tätigkeit im „Chambre de Commerce“ in der madagassischen Hauptstadt Antananarivo ein positives Fazit und blickt im Informatikbereich zuversichtlich in die Zukunft. Der im Auftrag des Bonner Senior Experten-Service mit insgesamt acht Kollegen ausgesandte Fachmann hat gerade ein Projekt der Hamburger Handelskammer auf der viertgrößten Insel der Welt unterstützt, das zum Ziel hat, dort das vom Staatspräsidenten Marc Ravalomanana gewünschte duale Ausbildungssystem für Lehrlinge einzuführen.
Gerhard Kuhnle, ein weltweit gefragter Experte und aufgeschlossen für alles Neue, wurde in Waldhausen im Remstal geboren, absolvierte in Schwäbisch-Gmünd das Wirtschaftsgymnasium, bei der Stuttgarter Firma Bosch eine technisch-kaufmännische Ausbildung und studierte anschließend in Köln, Hamburg und München Betriebswirtschaft. Nach dem erfolgreichen Abschluss reiste der Diplom-Kaufmann zunächst zwei Jahre durch Europa und Nordafrika, bevor er vier Jahre als Lehrer an den Wirtschaftsgymnasien Stuttgart und Schwäbisch-Gmünd unterrichtete und dann 20 Jahre Schulleiter an kaufmännischen Einrichtungen in Ulm, Memmingen, Kempten und Calw war. Bis zum Ruhestand im Jahre 2000 leitete er danach als Freiberufler jährlich rund 100 Seminare (PC-Anwenderschulungen) bei zahlreichen Ulmer Firmen und der dortigen Industrie- und Handelskammer.
Der Senior Experten-Service mit rund 13000 Mitarbeitern fragte im Jahre 2002 erstmals bei Kuhnle an und gleich drei Mal gab er in Usbekistan über mehrere Monate seine Kenntnisse an dortige Lehrer und Schüler weiter. Gemeinsam wurde zum Beispiel eine Übungsfirma gegründet, um Ein- und Verkauf, Verlust- und Gewinnrechnung am praktischen Beispiel einer Aktiengesellschaft realitätsnah zu erlernen. Im April 2004 erreichte ihn dann das Angebot, auf der 8000 Kilometer entfernten Gewürzinsel im Indischen Ozean tätig zu werden. „Hier habe ich ideale Bedingungen angetroffen“, drückt Kuhnle Zufriedenheit über diese Zeit aus. Die örtliche Handelskammer hatte vor seinem Eintreffen bereits Firmen und Lehrlinge ausgewählt, die nun ein Jahr lang einmal pro Woche den theoretischen Teil der Informatik-Ausbildung gemeinsam und betriebsübergreifend absolvieren. Kuhnle und sein einheimischer Nachfolger Mandimbisoa Rabarijaona besuchen ihre Schützlinge auch in den Unternehmen, diskutieren mit ihnen über Probleme und Fragen am Arbeitsplatz. Die Ausbildung soll möglichst bald inselweit nach deutschem Vorbild ablaufen. Unterrichtet wird in den Fächern Informatik, Mathematik, Französisch und Malagasy. Nach einem Jahr erfolgt eine Prüfung. Gerhard Kuhnle: „Ich halte nach meiner Rückkehr per Mail Kontakt mit meinem Nachfolger, stelle auch Aufgaben für die Prüfungen bereit und gebe, sofern gewünscht, gerne weiterhin Tipps.“
Gefreut habe ihn das selbstständige Arbeiten der sehr interessierten Auszubildenden aus etlichen Unternehmen der freien Wirtschaft, die intensiv bei der Sache seien, selbst Lösungen erarbeiten und präsentieren beziehungsweise gemeinsam weiter optimieren. „Ich habe hier jede Hilfe“, lobt Kuhnle, dem alle Beteiligten Dank für sein Engagement auch über die normale Arbeitszeit hinaus abstatten. Für den 66-Jährigen sind derartige Arbeitseinsätze auch eine gute Möglichkeit, ein Land besonders intensiv kennenzulernen. „Das ist besser, als einen solchen Minikontinent urlaubsmäßig nur zu überfliegen und oberflächlich zu skizzieren.“ Sehr gefallen habe ihm, dass die Bewohner trotz großer wirtschaftlicher Probleme und allgegenwärtiger Armut immer noch freundlich lächeln und auch viel singen. Gerhard Kuhnle, dessen Stärke theoretisches Wissen ist, merkt schmunzelnd an, dass insbesondere deutsche Bierbrauer im Ruhestand weltweit besonders stark gefragt seien. In Madagaskar braut übrigens Uwe Geyer aus dem schwäbischen Wolfschlugen seit Jahresbeginn köstliches Weizenbier nicht nur für Angehörige der recht kleinen deutschen Gemeinde.
Neben dem Reisen ist Gerhard Kuhle sportlich gleich in mehreren Disziplinen fit. In Österreich stehen Skifahren und Bergwandern auf dem Programm, mit einem Freund hat der begeisterte Inline-Skater die Strecke von Bad Honnef nach Bonn auf den kleinen Rollen zurückgelegt, im Ludwigsfelder Baggersee wird, sofern es die Witterung zulässt, regelmäßig geschwommen, ferner gejoggt und Golf gespielt. Kuhnle sucht ständig neue Horizonte, liebt Gesprächsrunden und interessiert sich für die Sitten und Bräuche in den jeweiligen Ländern, in denen er beruflich Station macht.






nächste Reportage        Reportagen von A – Z

Dem Autor eine Mail schicken

© Klaus Heimer. Ein Nachdruck der Artikel ist nur mit schriftlicher Zustimmung des Autors erlaubt.
Sollte eine Exklusiv-Reportage zu einem speziellen Thema oder die Ausarbeitung einer nicht alltäglichen Studienreise gewünscht werden, bitte per Mail anfordern.