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In der Stadt Belo-sur-Tsiribihina im so genannten "Wilden Westen" der Tropeninsel Madagaskar scheint die Zeit still zu stehen, das viel zitierte Ende der Welt erreicht zu sein. Nur wenige Touristen auf dem Weg zu den einzigartigen Tsingy de Bemaraha (Kalksteingebirge) im Norden oder zum 100 Kilometer südlich gelegenen Badeort Morondava verirren sich in dieses trostlose Nest, das, so unglaublich es auch scheinen mag, in Deutschland etliche Freunde hat.
Zu ihnen gehören auch Anne und Erich Raab aus München: "Wir sind verliebt in die Insel", betonen beide wie aus einem Munde. Seit 15 Jahren verbringen sie ihren Urlaub in der Heimat von Pfeffer, Vanille und der seltenen Lemuren. Auf einer Versammlung der deutsch-madagassischen Gesellschaft kamen sie vor Jahren in Kontakt mit dem Verein "Sakaizan’i Madagasikara" (bedeutet "Freunde Madagaskars"), der in Belo segensreich hilft. "Wir glauben, das gerade in einem armen Land mit einer jungen Demokratie bessere Schulbildung am schnellsten Erfolg bringt. Deshalb ist unser vorrangiges Projekt im Bereich Ausbildung die langfristige Unterstützung der Grundschule in Belo-sur-Tsiribihina, einem Ort im abgelegenen Westen von Madagaskar", wird das Ziel des Engagements verdeutlicht. Angesichts der ärmlichen Verhältnisse der dortigen Schule, wird diese seit rund zehn Jahren finanziell und mit Sachmitteln unterstützt. Das schadhafte Dach eines Gebäudes wurde erneuert, die Anschaffung von Büchern finanziert, Unterrichtsmaterialien und Sportgeräte beschafft, ferner ein Videorecorder für die Lehrerfortbildung, Solarkocher und eine elektrische Schreibmaschine. Ferner wurde dafür gesorgt, dass die Schule an die Strom- und Trinkwasserversorgung angeschlossen wurde. Das letzte größere Projekt war der Bau eines Dusch- und Toilettenhauses für Schüler und Lehrer. Für die einfache Krankenstation in Belo werden auf Bestellung zudem Medikamente und Hilfsmittel beschafft, so Matratzen, Solarkocher zur Sterilisation oder ein Mikroskop. Derzeit werden in der Einrichtung knapp 1200 Kinder von 18 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. Klassen mit weit über 60 Kindern sind also hier keine Seltenheit. Seit 1998 werden Mädchen und Jungen bedürftiger Familien mit einem Stipendium von 30 Euro pro Monat gefördert. Insgesamt 22 deutsche Paten konnten bisher gewonnen werden. Die madagassische Familie verpflichtet sich, das Kind regelmäßig zur Schule zu schicken. Nach Beendigung der fünfjährigen Grundschulzeit erhalten die Stipendiaten die Chance, eine weiterführende Schule zu besuchen. Der Verein "Freunde Madagaskars" hat in der Stadt auch noch ein Bildungs- und Informationszentrum eingerichtet. Damit soll ein Beitrag zur Regionalentwicklung des Ortes und des Umlandes geleistet werden: Erwachsenenbildung, Alphabetisierung, Familienplanung, Gesundheitsvorsorge, Unterstützung sozialer, kultureller, ökologischer und wirtschaftlicher Initiativen. Dabei wird mit einem örtlichen Verein zusammengearbeitet, dessen Vorsitzender Schulleiter Théophile Rambeloson ist. Im vergangenen Jahr hat der Münchner Verein einen Kleinbus mit der Ausstattung für die Bibliothek, Fahrräder für Schulkinder, Nähmaschinen und Werkzeug für die Lehrkräfte nach Belo geschickt. Erich Raab: "Unsere Hilfe ist so organisiert, das sie die Adressaten ohne bürokratischen Aufwand erreicht. Dafür sorgen regelmäßige Besuche von Vereinsmitgliedern sowie die madagassischen Projektmitarbeiter Joséa Razakarisoa und Adolphe Randriamampandry vor Ort." Die Stadt im Mündungsbereich des Flusses Tsiribihina wurde gerade von den beiden Zyklonen "Elita" und "Gafilo" ebenso wie andere Teile der Insel stark in Mitleidenschaft gezogen. Auch die Schule ist betroffen, Gebäude wurden beschädigt, große Landstriche überschwemmt, landesweit kamen über 200 Menschen um, über Hundertausend wurden obdachlos. Insbesondere die Kinder in Belo und Umgebung leiden an Unterernährung, daher ist jetzt die Einrichtung eines größeren Schulgartens das Hauptanliegen der örtlichen Mitarbeiter. Der aus Bad Dürkheim stammende und seit sieben Jahren in Madagaskar lebende Reiseveranstalter Klaus Sperling, der in der Trockenzeit regelmäßig mit Touristen den Tsiribihina von Miandrivazo bis zum 160 Kilometer entfernten Belo befährt, hat als Soforthilfe 150 Euro (entspricht rund 1,3 Millionen Franc Malagasy) zur Verfügung gestellt. über ihn wird es auch künftig möglich sein, Sachspenden direkt zum Empfänger zu bringen. Zudem kann über ihn der Kontakt zur Außenwelt aufrecht erhalten werden. Erich Raab: "Seit dem jüngsten Zyklon haben wir keinen telefonischen Kontakt nach Belo..." |
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