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Wenn die Karlsruherin Elfi LittmannKaba mit ihrem "SonnenMobil" in kleinen Ortschaften im Nordwesten der Tropeninsel Madagaskar auftaucht und eindrucksvoll die verschiedenen Möglichkeiten aufzeigt, die im überfluss vorhandene Solarenergie im Alltag zu nutzen, dann glauben viele Bewohner zunächst an geheimnisvolle magische Zauberkräfte. In der Heimat von Pfeffer und Vanille wird in über 80 Prozent aller Haushalte der Reis noch mit Hilfe von Holzkohle gekocht. Die Folgen sind allerorts sichtbar: Die letzten Wälder lösen sich buchstäblich in Rauch auf, sintflutartige Regenfälle und Erosion besorgen den Rest. Nur halbherzig beschäftigen sich die politisch Verantwortlichen mit dem Thema "Alternative Energien". Sonnenenergie ist jedoch in weiten Teilen der Insel nahezu im überfluss vorhanden, wird aber viel zu wenig genutzt. Dem will die engagierte Deutsche abhelfen.
Elfi LittmannKaba, die ursprünglich im pfälzischen Germersheim angewandte Sprachwissenschaften (Französisch und Englisch) studiert hat und eigentlich Diplomübersetzerin mit den Spezialgebieten Wirtschaft und Technik ist, hat den Sprung gewagt, ist ausgewandert und hat in Mahajanga, der Stadt der Blumen, ihr eigenes kleines Unternehmen mit dem Namen "Madasoleil" gegründet. "Ich habe viel von dem verwirklichen können, was mir in Deutschland nicht möglich war", wird positive Zwischenbilanz gezogen. "Ich hatte schon immer davon geträumt, in einem afrikanischen Land eine Solarfirma aufzubauen." Sechs Jahre lang habe sie sich informiert. "In Deutschland konnte ich meine eigentlichen Stärken, Flexibilität und Pionierarbeit leisten, nicht einsetzen." Bei der Suche nach ihrer persönlichen Trauminsel stieß sie im Internet auf Madagaskar. "Ich habe mein Wohnzimmer einige Monate untervermietet und bin im November 2002 einfach runtergeflogen. In die Stadt Mahajanga habe ich mich sofort verliebt. Hier gibt es viel Sonne, Blumen, Meer und freundliche Menschen", schwärmt die begeisterte Hobbyseglerin. Noch einmal ging es für kurze Zeit in die deutsche Heimat zurück, "doch im März 2003 stand für mich dann felsenfest, dass ich endgültig die Mücke machen werde". Die Wohnung wurde vermietet, die private Rentenversicherung verkauft und seit Februar 2004 ist Madagaskar nun Heimat von Elfi LittmannKaba. In der beschaulichen Hafenstadt im Nordwesten hat sie ein Haus mit einem Solarsystem als Referenzobjekt ausgestattet. Bis die in Deutschland georderten Gerätschaften in Madagaskar ankamen, dauerte seine Zeit: Fünf Monate. "Ein reiner Nervenkrieg." Madagassische Kunsthandwerker, die in filigraner Handarbeit attraktive Miniaturflugzeuge aus Holz oder auch Blechdosen herstellen, haben dank der ideenreichen Neubürgerin einen zusätzlichen Erwerbszweig erhalten. Elfi LittmannKabas Techniker stattet sie mit winzigen Solarmodulen für die Oberseite aus, deren Energie per Kabel zu einem Minimotor geleitet wird, so dass sich der Propeller wie von Geisterhand in Bewegung setzt, sobald ein Sonnenstrahl auf das Modul fällt. "Ein schönes Geschenk nicht nur für Kinder", findet die Entdeckerin, die nun die Produktion steigern möchte, was angesichts der "langsam langsam"Mentalität mehr Zeit benötigt als vorgesehen. Wenn ihr SonnenMobil über Land fährt, ist die Bevölkerung Feuer und Flamme für die Möglichkeiten vor allem des Kochens mit der Kraft der Sonne. Abseits der großen Städte erfolgt die Kommunikation über batteriebetriebene Radios. Auch diese können mit der Sonnenenergie tagsüber ohne Batterien betrieben werden, demonstrieren Elfi LittmannKaba und ihr Team. Da sich die Suche nach einem qualifizierten Techniker als schwierig erwies, finanziert sie ihrem technisch begabten Hausangestellten eine Ausbildung zum Elektriker. Dieser übernimmt nun die Aufgabe, seine Landsleute zu motivieren, sich die neue Technik auch bei der Nutzung von Wasserpumpen oder tragbaren Lampen zunutze zu machen. In Mahajanga betreut die Karlsruherin seit einiger Zeit eine Gruppe von sieben Frauen aus sehr armen Verhältnissen, die bei "Madasoleil" das solare Kochen selbst erlernten und die Produkte (Marmelade, Fleischtaschen etc.) nun auf Märkten verkaufen. Das Standbein Solarenergie reiche nicht aus, um sich über Wasser zu halten, weiß die 54jährige Geschäftsfrau, die noch übersetzungsaufträge annimmt und sich zudem auf Videodokumentationen im Umweltbereich (über Buschfeuer, Holzkohleherstellung, Abholzung, Produktion von Biodiesel etc.) spezialisiert hat. Einen touristischen Film über die Stadt Mahajanga, die eher durch Schläfrigkeit als durch innovatives Engagement von sich reden macht, will die Deutsche ebenfalls noch drehen, die an der örtlichen Journalistenschule einen Lehrauftrag angenommen hat. Elfi LittmannKaba aus dem Dorf RheinstettenNeuburgweier hat am Karlsruher FichteGymnasium das Abitur gemacht, im Rahmen des Studiums zwei Semester in Paris zugebracht, nach dem erfolgreichen Abschluss zunächst beim Bundessprachenamt in Hürth bei Köln gearbeitet und Bedienungsanleitungen für Torpedos oder UBoote übersetzt. "Das kann nicht alles sein", sagte sich die technisch interessierte junge Frau und wechselte nach einigen Jahren als übersetzerin in die freie Wirtschaft, arbeitete unter anderem für einen Japaner als MarketingSekretärin bei Konferenzen. Sie erwarb sich Fachkenntnisse im Bereich professionelle Videoschnittsysteme und präsentierte diese auf internationalen Messen. Von Köln ging es an die Waterkant, "da ich unbedingt mehr segeln wollte". Elfi LittmannKaba übte weiterhin den Beruf der Produktmanagerin aus. "Ich bin durch die Welt getigert, bis ich morgens aufgewacht bin und nicht mehr wusste, in welcher Stadt ich gerade war." Es folgte ein Job als VideoCutterin und dann der Schritt in die Selbstständigkeit mit den Firmenschwerpunkten Mediengestalterausbildung, Messepräsentation und übersetzungen. "Am Anfang lief es Klasse und ich investierte in ein Videoproduktionssystem, aber irgendwann gab es kaum noch Aufträge. Es folgten zwei harte Jahre, die Rücklagen schrumpften, die konjunkturellen Voraussagen waren eher pessimistisch da bin ich dann ausgewandert." |
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