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"Vanilleeis ist der absolute Renner, dicht gefolgt von Kokosgeschmack." Waehrend der im Magdeburger Stadtteil Sudenburg geborene Horst Pichler in der madagassischen Hauptstadt Antananarivo Einblick in die Kunst der Herstellung von koestlichem Speiseeis gibt, schlecken die 16-jaehrige Tochter Claudia und der zwölfjaehrige Sohn Paco-Adrien wie zustimmend genussvoll an der kuehlen Erfrischung. Der 65-jaehrige Pichler kann auf etliche berufliche und geografische Stationen in seinem Leben zurueckblicken, in dessen Mittelpunkt seit gut 16 Jahren die geheimnisumwitterte viertgroesste Insel der Welt vor der Suedostkueste Arikas steht.
"Glace Bettina" ist hier seit April 1990 nicht nur im Stadtteil Ankadikely-Ilafy ein Begriff fuer Qualitaet und herrlichen Genuss unter tropischer Sonne. Auch die renommierten Hotels der Millionenstadt - Hilton oder Royal Palisandre -, die grossen Supermaerkte, Botschaften und viele Privatleute ordern bei "Bettina" gerne. "Kochen und Backen sind meine Leidenschaft," bekennt der passonierte Hochseefischer Horst Pichler, bevor er seine abwechslungsreiche Lebensgeschichte Reue passieren laesst: Nach dem fruehen Tod des Vaters, der auf dem Weg von Russland nach Deutschland von einer Bombe getoetet wurde, die seinen Zug traf, zog die Mutter, eine Oesterreicherin mit dem Sohn zurueck ins heimatliche Graz, wo Horst Pichler aufgewachsen ist und auch die Schule absolviert hat. In Saalfelden am Steinernen Meer erlernte er zunaechst den Beruf des Instrumentenbauers (Gitarren und Zither), heuerte dann fuer drei Jahre als Matrose bei der Donau-Dampfschifffahrt an, pendelte als Schleppfuehrer zwischen Linz, Regensburg und dem Schwarzen Meer hin und her. Die heute 84-jaehrige Mutter zog spaeter nach Klagenfurt, wo sie heute noch lebt. Horst Pichler tat dort bei Johannes Zimmer den ersten Schritt in den Textilsekor und bedruckte unter anderem Meterware mit Motiven. Im bundesdeutschen Heidenheim an der Brenz, bei der frueheren Wuerttembergischen Cotton-Manufaktur, wurden diese Kenntnisse weiter vertieft, bevor er dem Ruf aus Daenemark folgte und dort mit einem aus Deutschland stammenden technischen Direktor vier Jahre in der Textilproduktion taetig war. Den rastlosen Weltenbummler zog es Ende 1969 in die senegalesische Hauptstadt Dakar, wo gerade eine franzoesische Firma einen Fachmann fuer die Textildruckerei suchte. Zwei Elsaesser, ein Krefelder und Pichler arbeiteten dort mit Enheimischen Hand in Hand. Die fruehere deutsche Kolonie Togo war naechste Station. In bester Erinnerung aus jener Zeit sind die dortige deutsche Brauerei, die herzhaften Wurstwaren und auch der Besuch des frueheren bayrischen Ministerpraesidenten Franz-Josef Strauss. Zurueck in Deutschland beendete Pichler zunaechst in Moenchengladbach sein Studium als Diplom-Textilingenieur. "Das Arbeitsamt hatte damals keinen Jobb fuer mich und so war ich dankbar fuer den Tip eines Hamburger Textilmaschinenherstellers, das im ostafrikanischen Tansania ein Technischer Direktor in einer Fabrik mit Weberei, Strickerei, Faerberei und Druckerei gesucht wurde." Nach acht Jahren in Dar-es-Salaam wurden erste Kontakte zur Stofffabrik Sotema im madagassischen Majunga geknuepft. "1985 habe ich das Unternehmen besucht, in dem hart um das Gehalt gefeilscht wurde. Ich habe damals hoch gepokert." Nach einem halben Jahr habe die Frma dann angebissen. Im April 1986 uebernahm Pichler fuer drei Jahre die Leitung der dortigen Druckerei. Es folgte ein Kurzaufenthalt in Deutschland, der entscheidende "Folgen" hatte: "Per Zufall lernte ich im nordrhein-westfaelischen Coesfeld das Ehepaar Dickmann (Bruder des bekannten Mohrenkopfherstellers) kennen, das damals einen Eissalon betrieb, sich jedoch zur Ruhe setzen wollte." Pichler ueberlegte nicht lange, baute nach einer achtwoechigen Einweisung und etlichen Eistests die Maschinen ab und verstaute dann auch die gesamte Ausstattung des Salons - von der Kuehltheke bis zum Loeffel - in einen Container. Ab ging die Post 1989 per Schiff nach Madagaskar, an welcher Insel - nicht nur aus privaten Gruenden - sein Herz haengt. Hier hat sich Pichler mit seiner einheimischen Frau Sahondra ein nettes Zuhause geschaffen, die Ausstattung der "Eiskammer" kann mit deutschen Massstaeben sehr gut mithalten. Das oertliche Institut Pasteur nimmt regelmaessig Proben. "Diese Kontrollen mache ich freiwillig, ich will mir schliesslich nichts Schlechtes nachsagen lassen." Angegliedert ist eine Baeckerei und ein "Salon de the" direkt an der Haltestelle der Buslinie 163. Die Eingebung fuer den Namen hatte Pichler in Klagenfurt: "Beim freitaeglichen Markt entdeckte ich dort das Eiscafe Bettina", dessen Einrichtung sehr nett ist. Mir hat's gefallen und ich habe direkt gefragt, ob die Betreiber etwas dagegen haben, wenn ich den Namen nach Madagaskar exportiere." |
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