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In Madagaskar den Dialog der Kulturen fördern

Heidelberger leitet seit 25 Jahren das Goethe-Zentrum auf der Tropeninsel / Fliegerei ist die große Leidenschaft des 54-Jährigen / Bundesverdienstkreuz

Von Klaus Heimer, Antananarivo

Eckehart Olszowski    Eckehart Olszowski


Kulturarbeit und Fliegerei sind die beruflichen Standbeine, Heidelberg und Antananarivo die beiden großen und wichtigsten Stationen im Leben des 54–jährigen Eckehart Olszowski, der seit einem Vierteljahrhundert das Goethe–Zentrum auf der fernen Tropeninsel Madagaskar leitet. "Als ich vor 28 Jahren eher zufällig in dieser Stadt ankam, ahnte ich nicht, dass ich meine künftige Wahlheimat betreten hatte", bekennt der gebürtige Heidelberger, der im Stadtteil Pfaffengrund das Licht der Welt erblickte. Dem Abitur in Mosbach folgte das Studium in Religionsgeschichte, Indologie und Polnisch in Marburg. "1978 packte ich erstmals meinen Koffer, um in Madagaskar Material für meine Doktorarbeit zu sammeln." Dem jungen Olszowski, in der Heimat von Pfeffer und Vanille allseits bekannt unter dem Kurznamen "Olle", genügten damals die geplanten drei Studienmonate nicht, "aus denen nun mehr als ein halbes Arbeitsleben geworden ist".

Von 1960, also direkt nach der Unabhängigkeit der Gewürzinsel, bis 1976 existierte in der Hauptstadt Antananarivo ein Goetheinstitut. Mit der zwangsweisen Schließung der Friedrich–Ebert–Stiftung stellte auch das Institut seine Tätigkeit ein. Danach übernahm zunächst ein deutsch–madagassischer Kulturverein die Arbeit, die mit der stetigen Aufwärtsentwicklung einen deutschen Geschäftsführer suchte. Olszowski: "Ich war praktisch der einzige Bewerber und habe die Aufgabe 1980 übernommen." Sein unermüdliches Engagement für die deutsche Kulturarbeit wurde gerade, wenige Tage vor der Ankunft von Bundespräsident Horst Köhler, von Botschafter Dr. Dieter Hubertus Zeisler mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt. "Kulturarbeit ist kein Job von 8 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr. Sie ist eine Arbeit mit Menschen und im Dialog mit ihnen." Der Heidelberger ist stolz darauf, dass viele Madagassen, die im Sprungbrett Goethe–Zentrum erstmals eine Bühne betraten, heute auch international bekannt und erfolgreich sind. "Diese Künstler erfüllen unser Kulturinstitut im Herzen der Stadt mit Leben. Mit vielen von ihnen verbindet mich eine langjährige Freundschaft." Angesichts der prekären wirtschaftlichen Lage mangele es den madagassischen Künstlern an materiellen Voraussetzungen, um kreativ tätig zu werden. Wichtig sei auch, die kulturelle Identität zu fördern und damit zum "nation building" beizutragen. Nicht unerwähnt bleibt im Gespräch mit dieser Zeitung die persönliche Unterstützung des Demokratieprozesses im Krisenjahr 2002.

In Olszowskis Anfangszeit besuchten pro Jahr rund 100 junge Leute die Deutschkurse. Heute sind es über 700, die von 20 madagassischen Lehrern unterrichtet werden. "Wir leisten die Arbeit eines mittelgroßen Goethe–Institutes, aber alles mit viel weniger Geld und das Ganze auf einer Halbtagsstelle", stellt Olszowski fest, der sich über mehr Unterstützung aus der Münchner Zentrale freuen würde. "Wir vollbringen hier ein kleines Wunder, erfüllen mit einem finanziellen Minimum die geforderten Qualitätsstandards. Unsere Sprachabteilung ist eine der größten Afrikas." Die gesamte kulturelle Palette wird in den gerade umfassend renovierten Räumen im repräsentativen Gebäude an der Unabhängigkeitsstrasse abgedeckt, das in den Stosszeiten aus den Nähten platzt. Im Jahre 2000 wurde der Status leicht angehoben: Seitdem gibt es in Madagaskar das Goethezentrum.

"Made in Germany" sei auch dank des überaus deutschfreundlichen Staatspräsidenten Marc Ravalomanana sehr gefragt. Olszowski, seit rund 20 Jahren mit einer Madagassin verheiratet, lässt keine Gelegenheit verstreichen, sich für seine Wahlheimat zu engagieren und diese voranzubringen. In Deutschland herrsche der Jugendkult, mit 45 habe man kaum eine Chance, einen Arbeitsplatz zu finden. Langjährige Lebenserfahrung habe keinen Wert mehr. In Madagaskar herrsche dagegen der Alterskult, wird der gravierende Unterschied herausgestellt. Nur das Wort der älteren zähle. "Die jungen Leute haben sich, trotz oftmals bester Qualifikationen, zurückzuhalten." Dies sei bedauerlich, denn beflügelt von jugendlichem Enthusiasmus könne gerade die junge Generation, unterstützt und beraten von der Erfahrung der älteren, zur Entwicklung ihres Landes beitragen. "Gebt der madagassischen Jugend eine Chance und schreibt die älteren in Deutschland nicht ab", ist seine Forderung an die Verantwortlichen. Dieses Beispiel zeige, wie man im Dialog der Kulturen voneinander lernen könne. "Diesen Dialog zu fördern ist auch weiterhin die vornehmste Aufgabe."

Seit gut zwanzig Jahren hat sich der Heidelberger mit Leib und Seele der Fliegerei verschrieben. "Aus einer Leidenschaft wurde ein Beruf." Der Pilot fliegt im Auftrag eines Unternehmens Geschäftsleute, aber auch hohe Regierungsvertreter durch die Lande und fühlt sich hoch über den Wolken pudelwohl.

Seine Heimatstadt Heidelberg, in der die Mutter, aus der Eppelheimer Wiegand–Familie stammend, und die beiden Schwestern leben, ist nach wie vor seine deutsche Heimat und wird natürlich regelmäßig besucht. "Meine Beziehung zu Deutschland und insbesondere zu Heidelberg ist mir nach wie vor sehr wichtig. Madagaskar ist meine Wahlheimat geworden, mein Herz schlägt aber immer noch in meiner Geburtsstadt." Und wenn Heidelberger in Madagaskar sind, dann haben sie natürlich Heimvorteil und sind bei Eckehart Olszowski im Goethezentrum stets willkommen.



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