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Ich wollte schon immer ins Ausland. Besonders Afrika hat mich von jung an fasziniert. Diesen Berufswunsch hat sich der 66-jährige gebürtige Bad Saulgauer Dieter Merz in den vergangenen Jahrzehnten erfüllt. Eigentlich hat alles ganz normal begonnen: Nach Schule und Lehre als Kfz-Mechaniker im heute noch existierenden Autohaus Franz Schmid, wo er zuletzt als Disponent tätig war, legte der Weltenbummler, der stets den Kontakt zu seiner Heimatstadt gehalten hat und nach 33 Jahren auch wieder hier lebt, 1962 die Meisterprüfung ab. Damals bewarb sich der junge Mann für ein Ausbildungsprojekt des Landes Baden-Württemberg in Tunesien. Das kam jedoch nicht zum Tragen, da ich in der Schule keine Fremdsprache erlernt hatte. Dieter Merz blieb in Bad Saulgau, doch ein Jahr später sollte ein Telefonanruf seinem Leben die entscheidende Wende geben.
Die Vorgängereinrichtung (GAWI) der in Eschborn ansässigen Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) hatte von einem Stuttgarter Vermittlerinstitut seine Tunesien-Unterlagen erhalten und fragte an, ob Merz noch an einem Auslandsdienst in Afrika Interesse hätte. Es sollten Landrover und Opel-Kapitäne, als Sanitätsfahrzeuge ausgestattet, in Obervolta (heute Burkina Faso) eingesetzt werden, ferner musste dort ein Wartungs- und Kundendienstnetz aufgebaut werden. Merz: Meine Mutter war Dolmetscherin und bei ihr habe ich damals ganz intensiv Fachfranzösisch gebüffelt. In Absprache mit seinem Arbeitgeber entschied er sich dann für seinen ersten dreiwöchigen Einsatz fern der Heimat. Damals sei das Land mit seiner Hauptstadt Ouagadougou beim Ticketkauf nahezu unbekannt gewesen der Flug dorthin kam aber schließlich doch zustande. Von Woche zu Woche wurde der Aufenthalt verlängert. Ich habe stets meinen Chef angerufen und um weiteren unbezahlten Urlaub gebeten. Schließlich war Afrika mein Jugendtraum. Nach drei Monaten habe ich mich dann endgültig für diesen Kontinent entschieden und es nie bereut. Mit einem Team des Hamburger Tropeninstitutes, das eine Augenkrankheit bekämpfen sollte, ging es vom früheren Obervolta direkt nach Guinea. Merz hatte dort im tiefen Busch die technische Leitung der Fahrzeuge. Danach kehrte er nach Burkina Faso zurück, wo die gelieferten Opel-Ambulanzfahrzeuge, die nicht für die dortigen Wellblechpisten konstruiert waren, inzwischen allesamt defekt waren. Durch die Vibrationen beim Fahren waren die Achsen auf der linken Seite beschädigt. Von Rüsselsheim wurden Ersatzteile geliefert und die Flotte war wieder einsatzfähig. Im fernen Afghanistan, an der Grenze zu Pakistan, erlebt Dieter Merz 1968 einen überaus kühlen Empfang. Auf 2600 Metern Höhe im Hindukusch war es tiefster Winter mit minus 25 Grad Celsius. Für ein Forstprojekt mit angegliedertem Sägewerk sollte der Bad Saulgauer dort eine Kfz-Werkstatt einrichten, die Technik instandhalten, Straßenbaumaschinen warten und Einheimische ausbilden. Nach der Rückkehr 1971 absolvierte er einige Vorbereitungskurse, bevor erneut der Koffer gepackt wurde. In einem landwirtschaftlichen Versuchsprojekt der GTZ in Tansania, in dem 16 Deutsche beschäftigt waren, arbeitete Merz drei Jahre. Von 1975 bis 1985 war Senegal die Heimat des rastlosen Afrikafans. Auch hier sollten für ein Aufforstungsprojekt Mechaniker ausgebildet und die Fahrzeuge einsatzbereit gehalten werden. Nach zehn Jahren wollte ich jedoch wieder in ein anderes Land, um neue Ideen einzubringen. 1985 schloss sich zunächst eine landwirtschaftstechnische Ausbildung in Freising an, nach deren Abschluss er von der GTZ nach Sri Lanka entsandt wurde. Dort sollten Maschinen für den örtlichen Ackerbaubedarf entwickelt werden, einfache Konstruktionen, die zudem selbst gewartet werden können. Das wäre ein ganz neues Gebiet für mich gewesen, wenn Dieser Einsatz habe genau einen Monat gedauert. Im Norden der Insel brach Krieg aus. Ich hatte 1985 meine aus Hamburg stammende Frau geheiratet, die eigentlich nachkommen wollte. Bei einer Fahrt vom Projekt zum Wohnort sei er in eine Straßenkontrolle geraten, bei der ihn ein bewaffneter und sichtlich nervöser junger Mann mit dem Gewehr im Anschlag aufgefordert habe, sich mit erhobenen Händen neben das Fahrzeug zu stellen. Da stand für mich der Entschluss fest, nicht länger als notwendig zu bleiben. Es ist schließlich mein Leben. Eine Woche nach seiner Abreise seien auf Sri Lanka ein Mitarbeiter der Deutschen Welle und ein Belgier erschossen worden Die berufliche Weltreise führte Dieter Merz nach Somalia in ein Forst- und Veterinärprojekt. Das GTZ-Camp wurde später Stützpunkt der deutschen Bundeswehr. Eineinhalb Jahre fernab der Zivilisation, eine harte Zeit. Meine Frau, Biologin und Naturliebhaberin, kam nach und an Wochenenden waren wir stets mit dem Zelt unterwegs. Der nächste Auftrag wartete bereits auf das Allroundtalent: Es sollte nach Mali, genau nach Kayes gehen, der angeblich heißesten Stadt Afrikas. Merz erbat sich als Vorbedingung eine Schnuppertour aus, fuhr mit dem Zug von Dakar nach Bemako. Lediglich in einem Raum gab es eine Klimaanlage, nachts herrschten in der Küche noch 38 Grad Celsius. Sechs Monate blieben meine Frau und ich in diesem Backofen. In klimatisch angenehmere Gefilde, in die GTZ-Zentrale Eschborn, führte der Anschlussauftrag, der beinhaltete, als technischer Berater tätig zu sein. Wunderschön gelegen dann das Camp des Forstprojektes mit Holzverwertung in Algerien. Eine Containerwerkstatt sollte landesweit eine Mustereinrichtung werden. Im Oktober 1993 sei jedoch das Ultimatum an Ausländer gestellt worden, unverzüglich das Land zu verlassen oder Gefahr zu laufen, einen Kopf kürzer gemacht zu werden. In einem Konvoi sind wir im November per Auto nach Deutschland abgerückt. Ich bin mit dem algerischen Nummernschild direkt bis Bad Saulgau gefahren. Während der politischen Krise sei die Werkstatt in Algerien eingetroffen. Merz: Von meiner Zentrale in Saulgau aus habe ich das Projekt noch ein Jahr lang gesteuert, einige Algerier waren in jener Zeit sogar in Deutschland zur Ausbildung. Nach diesen Aufregungen schloss sich als letzte berufliche Station ein Aufenthalt in Ruanda an. In der Hauptstadt Kigali sollte die Infrastruktur für die Rückführung von Flüchtlingen nach dem verheerenden Bürgerkrieg aufgebaut werden. Bis Mai 1994 war Merz dort mit der Planung beschäftigt. Dann hatte ich die Feuerwehreinsätze und das Zigeunerleben satt. Das Vertragsende mit der GTZ war gleichzeitig die Fahrt in den Vorruhestand. Die erste richtige Urlaubsreise führte ihn und seine Frau mit einem Rangerover mit Dachzelt unter anderem ins frühere GTZ-Projekt nach Tansania. An drei Tagen wurden dort alte Erinnerungen aufgefrischt. Es war eine reine Schlammschlacht, bis wir zum Camp durchkamen. Als Merz seinen 60. Geburtstag feierte, trat der Bonner Senior Experten-Service an ihn heran, einen Monat nach Paraguay zu fliegen und dort sein Wissen weiterzugeben. Gerade ist der gefragte Fachmann erneut als Experte für sechs Monate auf der Gewürzinsel Madagaskar, um im Rahmen eines Projektes der Hamburger Handelskammer zusammen mit sieben weiteren deutschen Kollegen das duale Ausbildungssystem in den sechs Provinzen einzuführen. Merz schult in Antsirabe im Hochland Ausbilder des Fachbereiches Kfz-Mechatroniker, damit diese den Lehrplan künftig bei ihren Auszubildenden umsetzen können. Ein Tag Theorie und vier Tage Praxis pro Woche sind angesagt. Dieter Merz: Ein ganz neues Gebiet für mich. Ich pendle derzeit zwischen Schulungsraum, Cybercafe und Hotel hin und her, habe kaum Freizeit. Die Arbeit fordert mich ganz. Ich war noch nie in schulischer Ausbildung eingesetzt. Da muss ich mich echt reinknien. Der Unruheständler hat nach den vielen Stationen insbesondere an Afghanistan schöne Erinnerungen. Dort wollte ich auch mit meinem Bruder ein eigenes Projekt starten, doch in diesem Land treten sich die Hilfsaktionen gegenseitig auf die Füße. Von Afrika habe er als Kind stets geträumt, bekennt Merz unter der Tropensonne Madagaskars im Gespräch mit dieser Zeitung. Privat werden viele Reisen unternommen. Mit einem Campmobil ging es für ein halbes Jahr nach Südamerika. Auf einer Farm in Brasilien traf er den früheren Inhaber der Metzgerei Huber aus Bad Saulgau, mehrmals besuchten er und seine Frau, eine leidenschaftliche Fotografin, Namibia. Vom Senegal, wo er den Flugschein gemacht hat, ging es per Kleinflugzeug nach Saulgau. Unterwegs gab es 20 Zwischenlandungen. Mit 63 erlernte Dieter Merz Inline-Skating und hat seitdem bereits 5000 Kilometer auf den Rollen zurückgelegt. Reiseziele gibt es auch in Zukunft noch zu Genüge. Merz: Die Welt ist groß, spannend und sehr interessant. |
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