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Gespendete Akkordeons sollen die Musik am Leben erhalten

Musikerin und Komponistin Cathrin Pfeifer aus Berlin brachte aus der Heimat von Pfeffer und Vanille einen Koffer voller Eindrücke mit / 50 Instrumente wurden übergeben

Von Klaus Heimer, Antananarivo

Foto: Klaus Heimer      Foto: Klaus Heimer


"Das Akkordeon fasziniert mich seit meiner Kindheit. Ich reise diesem Instrument rund um den Erdball nach und war schon in Brasilien, Argentinien, New York, Frankreich, Italien, Großbritannien, österreich, Marokko, Finnland und Hong Kong." Die Berliner Musikerin und Komponistin Cathrin Pfeifer sagt dies im Brustton der überzeugung 8000 Kilometer von zu Hause entfernt auf der vor der Südostküste Afrikas gelegenen Tropeninsel Madagaskar. Sieben Wochen lang hat sie dort Kontakte gesucht und geknüpft, viel musiziert und Anfang Februar 2007 rund 50 Akkordeons, die zuvor in Deutschland und österreich gesammelt worden waren, an einheimische Musikfreunde übergeben.

Dabei war es eigentlich gar nicht vorgezeichnet, dass sie das Akkordeonspiel erlernen und zum Beruf machen sollte. "Das Akkordeon ist zu mir gekommen, ich wollte viel lieber Trompete spielen." Cathrin Pfeifer wurde im Ostteil der früher geteilten Stadt Berlin geboren und ist dort auch aufgewachsen. Zu jener Zeit seien besonders begabte Schüler auf musikalischem Gebiet gefördert worden. "Mein Direktor hat, als ich Neun war, entschieden, dass ich Akkordeon spielen sollte." Sehr schnell habe sie ihr erstes eigenes Instrument "Supita" bekommen, das sie heute noch besitzt. Ihr Lehrer von der Musikschule Lichtenberg erkannte ihr Talent und schickte sie zu Wettbewerben. Nach der Schule folgte nahtlos das Studium "Klassisches Akkordeon" an der Hanns Eisler–Hochschule für Musik, das Cathrin Pfeifer 1985 erfolgreich abschloss. Es folgte ein Jahr am Friedrichstadt–Palast, "bevor ich mich selbstständig gemacht habe." Sie habe überall ihre Fühler ausgestreckt, sich Gedanken gemacht, "auf was ich Lust habe" und sei schnell ein großer Fan der Weltmusik geworden. Seit 13 Jahren hat sie zudem ihre eigene Band.

Eine Radiosendung vor gut 15 Jahren weckte erstmals das Interesse an der Heimat von Pfeffer und Vanille im Indischen Ozean. "Nach der Wende war das Akkordeon ein guter Reiseführer, ich bin ihm in viele Länder nachgeflogen. Vor Jahren habe ich in Köln in einer Akkordeonwerkstatt einen Selbsthilfekurs belegt, um bei den Touren fernab der Zivilisation kleinere Reparaturen an meinem Instrument selbst ausführen zu können." Damals sei schon die Idee gereift, mit einem kleinen Werkzeugkoffer über die Insel zu fahren und über reparaturbedürftige Instrumente die dazugehörigen Musiker kennenzulernen. Im vergangenen Jahr habe sie sich nun endlich durch die Sammelaktion gezwungen, die immer noch geheimnisumwitterte Gewürzinsel, die gleichsam Afrika und Asien en miniature sei, zu besuchen. Cathrin erhielt von dem befreundeten französischen Akkordeonbauer Philippe Imbert, der schon des öfteren in Madagaskar Seminare abgehalten hat, viele Informationen, die ihr nun sehr schnell Türen öffneten.

Den Transport der Instrumente übernahm die deutsche Botschaft per Container. Cathrin reiste mit kleinerem Ersatzteilen voraus und mit Freund Götz Rakow ("Mein größter Fan") wurden dann per Buschtaxi die Highlights der Insel erkundet. "Wir haben ein ganz neues Verhältnis zum Regen bekommen", scherzt das Paar, das voll in die diesmal besonders intensive und lang anhaltende feuchte Jahreszeit, verbunden mit Zyklonen, geraten war.

In der Hauptstadt Antananarivo wurde Cathrin von dem Präsidenten der 1998 gegründeten Vereinigung "Taralila" der Akkordeonspieler, Jules Andrianandrasalna, allgemein nur bekannt unter Jojo, empfangen und von ihm an etliche Mitglieder "weitergereicht". Bedauert wird von Cathrin, dass die Hauptspielsaison vorbei war. In den Monaten Juli bis September, wenn die traditionellen Totenumwendungsfeiern im Hochland seien oder touristische Hochsaison sei, dann werde besonders viel musiziert. "Aber ich kann ja wiederkommen", merkt die Berlinerin unternehmungslustig an. In Madagaskar wird alles gespielt, je nachdem, was verfügbar ist. Diatonische Instrumente seien aber besonders gefragt. Gespendet wurden von Musikfreunden meist chromatische Tasten– und Knopf–Akkordeons, die jedoch auf der Insel ebenfalls ein kleines Vermögen kosten. "Die Begeisterung und der Enthusiasmus, mit dem die Leute in Deutschland gespendet haben, hat mich mitgerissen." Dabei sei die Werbung zunächst nur über ihren Email–Verteiler erfolgt, später auch über Konzerte, was dann weitere Kreise zog.

Akkordeonspieler aus dem tiefen Süden Madagaskars, die teilweise mehrer Tagesreisen auf sich nahmen, aus dem Osten und Nordwesten kamen ins Goethe–Zentrum in Antananarivo, um ein Instrument in Empfang zu nehmen. Zuvor mussten sie sich jedoch per Unterschrift vertraglich verpflichten, das klingende Geschenk nicht zu verhökern. Es darf weder verschenkt noch verkauft und muss vom neuen Besitzer bei einer Kontrolle der Botschaft vorgezeigt werden. Was allerdings passiert, wenn sich der neue Eigentümer nicht daran hält, darüber wurde nichts verlautbart.

Die Harmonie beim gemeinsamen Vorspiel begeisterte die Zuhörer eines Konzertes im Goethe–Zentrum. Dessen Leiter Eckehart Olszowski stellte heraus, dass es in Madagaskar keine Hochzeit ohne Akkordeonmusik gebe. Zwei Instrumente bleiben übrigens in der Bildungseinrichtung, die auch Musikunterricht anbietet. Drei Akkordeons stehen als Preise für regionale Musikwettbewerbe im April in Tulear, im August in Tamatave und im November in Antananarivo bereit. Der deutsche Botschafter Dr. Wolfgang Moser hat einen ganz persönlichen Bezug zu diesem Instrument: Sein Vater sei begeisterter Akkordeonspieler gewesen. Cathrin Pfeifer merkte an, dass sie sich auch durch mangelnde Sprachkenntnisse nicht davon abhalten lasse, ferne Länder zu bereisen. Sie habe schnell erfahren, dass Musik eine Sprache für sich sei, die jeder verstehe. Sie wünscht sich, dass die Spende unter den Akteuren keinerlei Missgunst und Neid wecken möge, sondern Inspiration sei, noch mehr Musik, auch gemeinsam, zu machen und sie so am Leben zu erhalten. Sie möchte beim nächsten Besuch noch mehr Musik im Alltag erleben. Sie habe leider in der jetzigen Niedrigsaison außer in der Hauptstadt nicht viel Livemusik zu hören bekommen. Zudem sei die Kommunikation in dem bitterarmen Land sehr schwer, da nicht jeder Musiker ein Telefon besitze oder über einen Internetzugang verfüge.

Cathrin Pfeifer: "Es war eine aufregende, erlebnisreiche und eindrucksstarke Reise." Reale Armut und Berufsbettler, zerstörte Wälder und eine einzigartige Tierwelt, die unverdorbene spontane Fröhlichkeit und Freundlichkeit insbesondere der einfachen Menschen fernab ausgetretener Touristenpfade, die grenzenlose Geduld bei Unbilden im Alltag, aber auch der respektlose Umgang mit Nutztieren seien kontrastreiche Eindrücke, die in Erinnerung bleiben, betont die musikalische Weltenbummlerin. Nach der Rückkehr steht nun die Vorbereitung für das Akkordeonfestival am 11. März in Wien im Vordergrund.



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