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Wenn die 28jährige Bonnie Blaimer aus dem pfälzischen
Bad Dürkheim unter der Tropensonne Afrikas gefragt
wird, was sie an der fernen Gewürzinsel Madagaskar am
meisten interessiert, dann kommt die Antwort wie aus
der Pistole geschossen: "Ameisen in allen Varianten
und Größen!"
Die winzigen, nur wenige Millimeter kleinen staatenbildenden Insekten, haben die DiplomForstwissenschaftlerin in ihren Bann gezogen. Die Giganten unter den rund 450 in der Heimat von Pfeffer und Vanille vorkommenden Arten bringen es auf immerhin stattliche eineinhalb Zentimeter. Weltweit gebe es, so Blaimer, über 12.000 bisher bekannte Arten, in Europa seien es immerhin 180. Ameisen seien sehr anpassungsfähig. Man finde sie in tropischen Urwäldern und am Polarkreis, im Hochgebirge und in den Wüsten. Vorherbestimmt war der Weg von der Pfalz auf die viertgrösste Insel der Welt keineswegs. Wie der Zufall halt manchmal so spielt. Die junge Forscherin ist in Bad Dürkheim, wo Mutter Ursula Blaimer, die in Ludwigshafen ihre Kindheit verbrachte, und eine Tante (diese wohnt in Friedelsheim) heute noch leben, aufgewachsen und hat am Werner HeisenbergGymnasium das Abitur gemacht. "In der Schule war ich eher auf Sprachen fixiert, weniger auf Biologie", bekennt Bonnie, die damals dem örtlichen Reitverein angehörte, 8000 Kilometer von zu Hause entfernt. Nach der Reifeprüfung habe sich dann die Frage gestellt, was ich machen könnte. "Doch zunächst wollte ich reisen. Ich habe bei der Post in Wachenheim gearbeitet und eisern gespart. Eine Weltreise sollte es werden, ein halbes Jahr Australien kam dabei heraus." In diesem Zeitraum habe sie etliche Nationalparks im Land der Kängurus und Koalabären besucht. "Dort habe ich mich entschieden, meine Liebe zur Natur zum Beruf zu machen." Gesagt, getan! Nach der Rückkehr ins heimische Bad Dürkheim, schrieb sich Bonnie Blaimer an der Universität Freiburg im Breisgau ein, um Forstwissenschaften zu studieren. Zuvor absolvierte sie bis Januar 2001 bei Hartmuth Hager vom Forstamt in ihrer Heimatstadt ein viermonatiges Praktikum, das sie meist in die Wälder der Umgebung führte, um mit den Revierförstern und Waldarbeitern eine Qualitätsauswahl der zu fällenden Bäume zu treffen. Darüber hinaus erhielt sie Einblick in die Verwaltungsarbeit der Forstbehörde. Zehn Semester dauerte das Studium, in dessen Rahmen sie nochmals zwei Monate ein Praktikum zum Bereich Forstgenetik mit Schwerpunkt Laborarbeit im australischen Melbourne machen konnte. Im afrikanischen Uganda absolvierte sie einen Kurs in tropischer Biologie. Bei ihrer Mitarbeit im forstzoologischen Institut in Freiburg wurde das Interesse für Biologie und Zoologie weiter gefördert. Und so war es fast selbstverständlich, dass ihre Diplomarbeit einen exotischen Touch erhielt. Die männlichen Sexualorgane des Bananenfalters, einer südamerikanischen Schmetterlingsart, die sich wegen ihrer Größe besonderer Beliebtheit auch in bundesdeutschen Parks erfreut, wurden eingehend untersucht. Als Anerkennung für den erfolgreichen Studienabschluss lud ihre Mutter sie im Mai 2006 zu einer dreiwöchigen Rundreise durch Madagaskar ein. Bonnie: "Da wollte ich schon immer hin." Die Mutter kehrte nach der Tour zurück, die Tochter blieb, nutzte das dreimonatige Visum voll aus und verdoppelte den Aufenthalt sogar. Sie nahm in dieser Zeit Kontakt mit der renommierten "Academy of Sciences", einem Naturhistorischen Museum, im kalifornischen San Fransisco auf, die in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo ein BiodiversityZentrum mit Schwerpunkt "Ameisen" unterhält. "Das ist ein Glücksfall für mich", wird Begeisterung über die aktuelle Forschungsarbeit ausgedrückt. Seit März 2007 ist die junge Deutsche wieder in ihrer Heimat auf Zeit, verbringt einen Grossteil der Arbeitszeit mit einheimischen Kollegen im Labor und ordnet Ameisen aus allen Teilen der "tierischen Schatzinsel" der richtigen Gattung und Art zu. Ende Mai geht es zunächst für einige Monate ins heimische Bad Dürkheim, im August kommt dann der berufliche Hüpfer über den Ozean nach Kalifornien. "Im September werde ich dann dort mit meiner Doktorarbeit in englischer Sprache beginnen." Eine ganz spezielle madagassische Ameisengattung mit dem Namen "Crematogaster" hat es ihr angetan. Gut 450 Arten, die rund 40 Gattungen zugeordnet werden, gibt es auf der vor der Südostküste Afrikas gelegenen Tropeninsel, "wobei ständig neue Insekten oder auch Frosch und Lemurenarten neu entdeckt werden". Viele Arten seien von Forschern vor rund 100 Jahren beschrieben worden. Jetzt gehe es darum, systematisch die verwandtschaftlichen Beziehungen zu ergründen, wobei die DNAAnalyse genaue Aufschlüsse über offene Fragen gebe und die Klassifizierung erleichtere. "Sortieren, untersuchen, einordnen", wird der derzeitige Arbeitsalltag mit den nützlichen Winzlingen im Tierreich auf den Nenner gebracht. Mitarbeiter des Institutes in Madagaskar unternehmen Expeditionen in die entlegendsten Gebiete, um immer neue Ameisenarten oder auch eingeschleppte exotische Exemplare aufzuspüren, die in der neuen Heimat überlebt haben. Bonnie freut sich schon darauf, in den verschiedenen Museen der Welt das dort gelagerte Material über "ihre" Gattung zu durchforsten und geht davon aus, im Zuge der mehrjährigen Tätigkeit erneut nach Madagaskar zu kommen, an welcher Insel auch privat ihr Herz hängt. "Ich hoffe, nach vier Jahren die Ergebnisse meiner Doktorarbeit vorlegen zu können und kann mir gut vorstellen, dann in einem Naturkundemuseum zu arbeiten", wird beruflicher Ausblick gegeben. Bis es soweit ist, werden jedoch sicher noch jede Menge emsiger Ameisen ihren Weg kreuzen. |
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