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"Afrika ist mein eigentliches Zuhause"

Bernd Jüncke aus Herzberg ist in Madagaskar ein gefragter Senior-Experte / Kfz-Fachmann hat viele Jahre im Ausland gearbeitet

Von Klaus Heimer, Antananarivo

Bernd Jüncke    Bernd Jüncke


Mit herzlichem Handschlag wird der 60-jährige Bernd Jüncke im fernen Madagaskar in der Industrie- und Handelskammer und in den zahlreichen Firmen, die sich an dem neuen Ausbildungskonzept nach deutschem Vorbild beteiligen, jeweils begrüßt. Die Hamburger Handelskammer hat gleich acht Fachleute des Bonner Senior Experten-Service ausgesandt, die in der Heimat von Pfeffer und Vanille jeweils sechs Monate lang tätig sein werden. Bernd Jüncke, ausgebildeter Kfz-Meister, ist einer von ihnen.

"Made in Germany" hat auf der vor der Südostküste Afrikas gelegenen viertgrößten Insel der Welt einen ausgezeichneten Ruf - auch dank Jüncke und seiner ebenfalls stark engagierten Kollegen. Der weitgereiste Herzberger war bereits vor rund 30 Jahren (1973-76) schon einmal auf dem immer noch geheimnisumwitterten Eiland, damals als Werkstattleiter bei der Firma Landis Madagascar, die zu einem Hamburger Konzern gehörte und früher auch Landrover herstellte. "Afrika ist mein eigentliches Zuhause", bekennt der weißhaarige Deutsche.

Doch der Reihe nach: Bernd Jüncke wurde in Hamburg-Altona geboren, aufgewachsen ist er jedoch in Bad Lauterberg im Harz. Dort hat er auch die Schulzeit und die Ausbildung im Kfz-Bereich erfolgreich absolviert. Das hier erworbene Rüstzeug hat ihm bei seinen Einsätzen fern der Heimat stets wertvolle Dienste geleistet. Es folgten zunächst acht Jahre bei der Bundeswehr an verschiedenen Standorten, dann die Fahrschullehrerausbildung und die erfolgreiche Meisterprüfung 1970 in Heide in Schleswig-Holstein. Bernd Jüncke wurde anschließend in die Versuchsabteilung des BMW-Konzerns berufen und wollte eigentlich für den bayrischen Automobilkonzern in den Libanon gehen. "Das hat sich jedoch wegen der dortigen prekären Situation zerschlagen." Stattdessen folgte der erste Auslandskontakt im Rahmen des "Dienstes in übersee" im marokkanischen Agadir. Vom "Afrikafieber" erfasst siedelte er 1973 mit Ehefrau Renate und den ersten beiden von insgesamt drei Töchtern in die madagassische Hauptstadt Antananarivo über. "Für uns war von Anfang an klar, wir wollten ins Ausland." Während er drei Jahre die Werkstatt bei der Firma Landis betreute, arbeitete seine ebenfalls aus Herzberg stammende Frau, die er 1966 heiratete, aushilfsweise bei der deutschen Botschaft und danach als Chefsekretärin bei der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Es folgt eine einjährige Tätigkeit als technischer Lehrer an der Deula-Schule im bundesdeutschen Hammelburg, "bevor ich 1977 in die Dienste der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit trat". In Kamerun (elf Jahre) und Sansibar war Bernd Jüncke für die Bereiche Straßenbau, Aufbau von Straßenmeistereien, die Ausbildung Einheimischer oder auch als Sprengmeister in Steinbrüchen tätig, bis ein schwerer Arbeitsunfall in Sansibar beim Aufbau einer Mischanlage dem aktiven Berufsleben ein jähes Ende bereitete. Doch auch im Ruhestand gibt der 60-jährige seine Kenntnisse und Erfahrungen gerne weiter. Der seit 1983 bestehende Senior Experten-Service mit rund 6000 Fachleuten ist in rund 150 Ländern der Welt tätig. "Ein Schwerpunktland ist derzeit in Kooperation mit der Hamburger Handelskammer die Insel Madagaskar, in der das duale Ausbildungssystem mit vier Tagen Praxis und einem Tag Theorie eingeführt werden soll." Bernd Jüncke nimmt in der Hauptstadt eine Schlüsselposition ein. Nachdem er zunächst in der nordwestlichen Hafenstadt Majunga eingesetzt war, in der der theoretische Unterricht zeitweise und auch nur abends stattfinden konnte, wird nun im Hochland mit größeren Firmen zusammengearbeitet, die im Rahmen der zehnmonatigen Lehre ihre Nachwuchskräfte auch tatsächlich zum freitäglichen Theorie-Unterricht freistellen. Bis Ende März wollen Jüncke und sein einheimischer Partner Andriamolisoa Rakotovelo einen kompletten Ausbildungsplan für insgesamt 43 Wochen vorlegen, ferner die Aufgaben für Zwischen- und Hauptprüfungen.

Bernd Jüncke hat frühzeitig einen Pkw nach Madagaskar verschifft, so dass er in der Millionenstadt flexibler ist und an Wochenende auch Ausflüge in die reizvolle Umgebung unternehmen kann. Das polizeiliche Kennzeichen "OHA" für den Osteroder Harz fällt natürlich in der recht kleinen deutschen Gemeinde werbewirksam ins Auge. Ehefrau Renate kommt in Kürze für einen Monat in seine Heimat auf Zeit, die dann weiter erkundet werden soll. Bernd Jüncke, der auch sprachlich äußerst fit ist, fühlt sich in der Luft und im Wasser gleichermaßen pudelwohl. "Vor rund 30 Jahren hatte er angefangen, in Madagaskar die ersten Flugstunden zu nehmen. Dann kam die Revolution dazwischen." In Kamerun konnte er die Fliegerei auch nicht lange fortsetzen. "Ich musste dort 500 Kilometer mit dem Auto bis zum Flugplatz fahren." Jüncke schwimmt sehr gerne, schnorchelt, taucht und segelt auch.

"Ich habe viele schöne menschliche Erfahrungen gemacht", wird positive Bilanz der langen Auslandstätigkeit gezogen. "Lediglich in Kamerun wurde einmal in mein Haus eingebrochen." Der Herzberger schmiedet 8000 Kilometer von zu Hause entfernt schon eifrig Zukunftspläne: "Ich kann mir durchaus vorstellen, mit meiner derzeit noch berufstätigen Frau später einmal ein halbes Jahr in Deutschland und sechs Monate in Madagaskar zu leben, zumal es hier über den Senior Experten-Service weitere interessante Herausforderungen gebe. "Wiederkommen ist nicht ausgeschlossen." Doch nach sechs Monaten fern der Familie muss ich zunächst einmal längere Zeit im Harz bleiben, sonst bekomme ich einen Platzverweis", wird schmunzelnd angemerkt.



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