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Ein Muss : Vor der Heirat ins Gefängnis

Von Klaus Heimer, Antananarivo



ANTANANARIVO – In vielen Ländern rund um den Globus ist es durchaus üblich, dass vor einer Hochzeit der künftige Ehemann mit den Eltern der Auserwählten einen Brautpreis vereinbart und zahlt, sei es in blanker Währung oder auch in vierbeiniger Form.

Auf der fernen Tropeninsel Madagaskar mit den vielen Tabus, hier Fady genannt, oder ungewöhnlichen Ver– und Geboten schlägt der Brauch innerhalb der Bara–Ethnie in den Trockengebieten der südlichen Ausläufer des Hochlandes mit der Stadt Ihosy als Zentrum besonders ungewöhnliche Blüten. Dort steht das Zebu– oder Buckelrind noch mehr als im übrigen Teil der Insel im Mittelpunkt des Lebens und ist Statussymbol. Die Bara sind nach wie vor überwiegend Nomaden und Rinderdiebstahl gehört seit Generationen zur Tagesordnung.

Bis in die heutige Zeit ist es dort ungeschriebenes Gesetz, dass ein junger Mann, der um die Hand seiner Liebsten anhält, zunächst bei deren Vater vorsprechen muss. Die wichtigste Frage bei der Unterhaltung unter vier Augen, also von Mann zu Mann, ist nach wie vor, wie viele Rinder der Bewerber in der Vergangenheit denn schon gestohlen hat. Fällt die Antwort beziehungsweise die nachgewiesene Zahl zufriedenstellend aus und kann der junge Mann sogar zusätzlich noch einen aktuellen Entlassungsschein aus dem Gefängnis vorweisen, dann gibt es meist keine Einwände mehr und das Fest kann steigen. Ein erfolgreicher Rinderdieb (in der Landessprache Malagasy "dahalo"), so die Logik des künftigen Schwiegervaters, kann mit Sicherheit eine Familie ernähren und diese auch vor Gefahren beschützen. Wenn das kein guter Grundstock für eine Ehe ist... In Deutschland allerdings nicht zur Nachahmung empfohlen!

In der Bara"hauptstadt" Ihosy lebt übrigens seit gut vier Jahrzehnten mit dem Idar–Obersteiner Edelsteinhändler Hugo Thees lediglich ein Deutscher. Von ihm ist allerdings nicht bekannt, ob er neben glitzernden und funkelnden Schätzen auch Rinder sammelt.





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