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Pater Pedro und seine „Engel in Fetzen“: Nahrung ist kein Luxus!
Von Klaus Heimer, Antananarivo
„Nahrung ist kein Luxus, sondern ein Grundrecht der Menschen“, ist der 1948 als Sohn einer slowenischen Einwandererfamilie in Argentinien geborene Lazaristenpater Pedro Opeka überzeugt. Vor gut 20 Jahren hat er auf der vor Afrika gelegenen Insel Madagaskar mit der Gründung der Wohltätigkeitseinrichtung „Akamasoa“ (Deutsch: „Die guten Freunde“) eine Einrichtung geschaffen, von der heute täglich rund 28 000 Menschen profitieren. Sie kümmerte sich in ihren Anfängen um die „Müllmenschen“ – die ärmsten der Armen, die auf einer Müllhalde überlebten.
Der schlanke, fussballbegeisterte „Vazaha" (Deutsch: „Weißer“ oder „Fremder“) mit dem Rauschebart, den es buchstäblich in den Dreck gezogen hat, kam 2007 aus Europa zurück, wo in Starnberg auch der Förderverein „Madagaskar und wir“ (www.paterpedro.de) ins Leben gerufen wurde. Seine Berichte von den vielen Menschen in aller Welt, denen die Not anderer nicht egal sei, seien Hoffnung für die ehemals von der Regierung ausgestoßenen Müllmenschen, sagt er. Und die Audienz Anfang Februar 2007 bei Papst Benedikt XVI in Rom habe ihm selbst neue Kraft gegeben, nicht nachzulassen als „Kämpfer der Hoffnung“, auf den die Straßenkinder von Antananarivo wie „Engel in Fetzen“ wirkten, als er das erste Mal nach Madagaskar kam.
Der charismatische Priester nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, den aus seiner Sicht richtigen Weg aus dem Elend aufzuzeigen. Er liest unfähigen heimischen Politikern ebenso die Leviten wie Entwicklungshelfern, die immer wieder aufs Neue erst einmal ausführliche Armutsstudien in Angriff nehmen. „Wir müssen den Armen heute helfen, morgen können sie schon tot sein. Es ist unerträglich, dass in Madagaskar 75 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben“, wettert der streitbare Missionar, der mit 22 Jahren erstmals in die Heimat von Pfeffer und Vanille kam.
Von der ersten Minute an habe er es sich zum Ziel gesetzt, mit den Menschen zu leben und zu arbeiten und die Liebe Gottes weiterzugeben. Seine Bilanz: "17 Dörfer wurden mit den Händen der Bewohner auf den 'Hügeln der Hoffnung' gebaut, über 9000 Kinder besuchen heute regelmäßig unsere 72 Schulen und werden von 280 Lehrkräften betreut, von denen etliche früher selbst zu den Müllmenschen gehörten." Der Funke Hoffnung, der von „Akamasoa“ ausgehe, soll nun möglichst auf das ganze Land überspringen.
"Kämpfer der Hoffnung": Pater Pedros Elektroschock und die Folgen
Von Klaus Heimer, Antananarivo
„Im Freien, vor den Toren der Stadt, liegt die Müllhalde wie eine riesige Landschaft der Verwesung. Aber es gab Schlimmeres als den Gestank: Menschen lebten auf dieser Halde. Oder überlebten vielmehr.“ Für Pater Pedro Opeka (61) war der 20. Mai 1989 eine Art Elektroschock. In seiner Autobiographie, die 2007 als deutsche Erstauflage mit 40 000 Exemplaren an den Start ging, schildert er gleich zu Beginn seinen ersten Gang zur Kuppe eines Hügels der madagassischen Hauptstadt Antananarivo. Dieses Schlüsselerlebnis hatte für die von der Stadtverwaltung seit 1985 per Müllfahrzeug auf das Gelände „entsorgten“ Armen positive Folgen.
Beeindruckend sind die fesselnden Berichte, wie er als Nicht–Madagasse mit zunächst wenigen Helfern erst einmal das Vertrauen des misstrauischen „Müllvolkes“ erwerben musste. Die Vorsehung habe ihn zu dem Ort geführt, ist Pedro Opeka überzeugt. Er habe dort erkannt, dass sein Platz bei den Armen sei. Eigentlich sollte Pater Pedro, der zuvor 15 Jahre im Süden der Afrika vorgelagerten Tropeninsel wirkte, in der Hauptstadt Seminaristen des Lazaristenordens im Zentrum des Heiligen Vinzenz von Paul ausbilden. Pedro: „Studieren ist sicher wichtig, aber ich hatte keine Zeit zu verlieren.“
Er ist überzeugt: „Der Lebenskern von uns Missionspriestern ist es, zu lieben, zu helfen und den Armen zu dienen.“ Gemeinsam mit ihnen zog Pater Pedro mit Hammer und Pickel in einen nahen Steinbruch, um Bruch–, Pflastersteine und Kies zu produzieren und zu verkaufen. Mit diesen Materialien wurden auch die ersten Häuser des Wohltätigkeitszentrums „Akamasoa“ (Deutsch: „Die guten Freunde“) errichtet, das inzwischen 17 Dörfer mit kompletter Infrastruktur für 28 000 Bewohner geschaffen hat.
Die 297 Seiten des Buches reichen kaum aus, um alle Erlebnisse, Träume, Hoffnungen, Verleumdungen, Hetzkampagnen, Anfeindungen, Erfolge und Niederlagen der vergangenen Jahrzehnte aufzuschreiben; sie zeigen aber eindrucksvoll, mit welchem Elan, welcher Ausdauer und konstruktivem Optimismus es der Maurer und Ordensmann geschafft hat, die Menschen an eine bessere Zukunft glauben zu lassen.
Die Lebensgeschichte der Familie Pater Pedros hat viel gemeinsam mit den Schicksalen der madagassischen Müllmenschen. Der Vater entging Verfolgungen, einem Hinrichtungskommando, musste seine Heimat vor den Kampfgruppen Stalins verlassen, lernte seine Frau Marija in einem Gefangenenlager in Italien kennen, wo sie auch heirateten. Am 31. Dezember 1947 kam die Abreise nach Argentinien. Pater Pedro dazu: „Massaker in Slowenien, Exil, Elend und Integrationsschwierigkeiten: Man kann von einem besseren Erbe und Start ins Leben träumen. Die Geschichte meiner Familie hätte traumatisierend sein können. Sie hat mich gestärkt.“
Bei seinem Vater erlernte Pedro das Maurerhandwerk, das ihm auf Madagaskar später wertvolle Dienste leisten sollte. „Das Unmögliche möglich machen“ war seit jeher das Leitwort von Pater Pedro, der die ungebrochene Kraft aus seinem Glauben schöpft. Der Geistliche ist sich im Abschluss–Kapitel bewusst, dass er bald den Stab an einen Nachfolger in Akamasoa übergeben muß: „Ich gehe, wenn ich weiß, dass meine Anwesenheit nicht mehr erforderlich ist und hoffe, dass dann die Kontrolle unseres Werkes nicht in die Hände eines skrupellosen Menschen gerät.“
Pater Pedro : Kämpfer der Hoffnung Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 297 Seiten, Euro 19,95 (D), Euro 20,60 (A), sFr 34,80 (CH) ISBN–10: 3550078935 ISBN–13: 9783550078934
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