Deutschland–Schweiz–Österreich und Madagaskar von A bis Z
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KfW in Madagaskar – Naturschutz als Schutz vor Armut
Die Nationalstraße 4 durchschneidet den Anakarafantsika–Nationalpark im Herzen Madagaskars, doch Touristen sollten sich davon nicht täuschen lassen: Der 130.000 ha große Tropengürtel, in dem seltene Vogelarten, Lemuren und Krokodile zu Hause sind, genießt den höchsten Schutzstatus, den die Naturschutzorganisation Association Nationale pour la Gestion des Aires Protégées (heute „Madagascar National Parks“) zu vergeben hat. Jagen ist verboten, Holz fällen sowieso. Ankarafantsika steht für die Gratwanderung zwischen dem Erhalt der natürlichen Ressourcen und der wirtschaftlichen Entwicklung Madagaskars, das auf den Tourismus, die drittwichtigste Devisenquelle, nicht verzichten kann. Langfristig profitiert die Anrainerbevölkerung vom Schutz der sensiblen ökosysteme. So ist der Anakarafantsika–Nationalpark ein wichtiger Wasserspeicher für den Reisanbau. Deutschland gehört zu Hauptpartnern der Nationalparkverwaltung.
Seit 1990 setzt Madagaskar einen Umwelt–Aktionsplan um, der in Fünfjahresschritten fortgeschrieben wird. Ziel ist es, Schutzgebiete wie Nationalparks, Forstreservate und ökokorridore einzurichten und nachhaltig zu bewirtschaften. Der Teil, der die Nationalparks betrifft, wird von „Madagascar National Parks“ wahrgenommen, einem gemeinnützigen Verein, der 46 Schutzgebiete betreut. Auf insgesamt 1,7 Mio. ha – das entspricht 2,9 Prozent der Landesfläche – haben sich Tropen–, Trockenwälder und Savanne mit einer einzigartigen Tier– und Pflanzenwelt bewahrt. Madagaskar ist daher weltweit eines der wenigen Zentren der Megabiodiversität.
Allerdings steht die Parkverwaltung einer Vielzahl von Problemen gegenüber: Die teilweise recht kleinen Schutzgebiete sind über das ganze Land verteilt; die Anrainerbevölkerung mit einem Armenanteil von 80 Prozent erzeugt einen hohen Nutzungsdruck; die politische Krise des Jahres 2002 führte vorübergehend zu einem Rückzug der internationalen Geber. Hinzu kommt, dass das Park–Management mit seinen 850 Mitarbeitern lange Zeit nicht besonders effizient arbeitete.
Die Naturschutzorganisation ist auf externe Finanzierung angewiesen, um den laufenden Betrieb der Parks zu gewährleisten. Eigene Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Konzessionen machen weniger als zehn Prozent des Jahresbudgets von ca. 4,3 Millionen Euro aus – selbst unter günstigen Voraussetzungen wird dieser Anteil langfristig nicht über 20 Prozent steigen. Die deutsche Finanzielle Zusammenarbeit (FZ) ist der größte bilaterale Geber bei „Madagascar National Parks“. Der FZ–Beitrag zum Naturschutz in Madagaskar erschöpft sich nicht in Akutmaßnahmen, sondern strebt strukturelle Verbesserungen an. Dabei hat die geplante Korbfinanzierung, die seit 2007 einzelne Projekte ablöst, besondere Bedeutung.
Neue Gebäude für die Parks
Zwei Schwerpunkte zeichnen sich ab: Zum einen werden aus dem Finanzierungskorb Sachinvestitionen getätigt und der Betrieb der Parks sowie eine bessere touristische Nutzung ermöglicht. Zum anderen erhält „Madagascar National Parks“ technischen Service und Qualifizierung für ein effizienteres Management des Parknetzes, ohne die die Investitionen ins Leere laufen würden. Der Beitrag zu den regelmäßigen Kosten soll schrittweise zurückgefahren werden – auf lange Sicht müssen sich alternative Finanzierungsmechanismen, etwa die madagassische Stiftung für den Erhalt der Biodiversität, bewähren. Diese wird ebenfalls von der deutschen FZ erfolgreich unterstützt, mit dem Ziel die Zinserträge des Stiftungsvermögens für den Erhalt der Parks einzusetzen. Bis 2013 will die Finanzielle Zusammenarbeit insgesamt 11 Millionen Euro für die Parkverwaltung aufwenden, von denen bereits 7 Millionen Euro bewilligt sind. Um den gezielten Einsatz dieser Mittel sicherzustellen und „Madagascar National Parks“ bei der internen Restrukturierung zu unterstützen, wird die FZ einen Durchführungs–Consultant in die Generaldirektion des Vereins entsenden.
Das Geld, das Deutschland für den Naturschutz in Madagaskar einsetzt, fließt überwiegend in lokale Projekte. Viele Gebäude der Parkverwaltungen sind baufällig, Strom– und Wasserversorgung funktionieren nur eingeschränkt. Damit Wildhüter und technisches Personal auch entlegene Gebiete erreichen können, benötigen sie robuste Geländefahrzeuge, außerdem müssen die Zufahrtswege jedes Jahr nach der Regenzeit kontrolliert und ausgebessert werden. Neu sind die Umweltinformationszentren in den frei zugänglichen Zonen – Dokumentationen zu seltenen Tier– und Pflanzarten erhöhen den touristischen Wert der Parks ungemein, was sich in steigenden Besucherzahlen niederschlägt.
Schulbesuch nimmt zu
Bei allem, was die FZ in Madagaskar leistet, finden die Millenniums–Entwicklungsziele der Armutsbekämpfung starke Beachtung. Die Anrainerbevölkerung benötigt neue Einkommenschancen, um nachvollziehen zu können, dass Naturschutz nicht zu ihren Lasten geht. Ein Ansatzpunkt sind Kleinstprojekte, die zum Teil aus den Parkeinnahmen bestritten werden – die Hälfte der Einnahmen steht den Gemeinden zu. Bauern erhalten beispielsweise höherwertiges Saatgut oder werden in der nachhaltigen Nutzung von Arzneipflanzen unterwiesen – durch solche Maßnahmen sinkt der Nutzungsdruck auf die Parks, weil die Menschen zur Ernährungssicherung nicht mehr zusätzlich Wald roden oder wildern müssen. Reparaturarbeiten an Schulen oder die Anschaffung von Lehrmaterialien haben sich bereits positiv auf den Schulbesuch ausgewirkt. Der Tourismus bringt ihnen außerdem dauerhafte Arbeitsplätze und steigert an manchen Parks nachweislich die Einschulungsrate. Die Kinder an den Parks haben nämlich eines erkannt, um den Berufswunsch Touristenführer zu realisieren muss man Fremdsprachen können.
Förderschwerpunkte
Madagaskar – das Paradies zurückholen
Reiseveranstalter überschlagen sich mit Superlativen, wenn sie in Prospekten Madagaskars natürliche Schönheit beschreiben: grandios, atemberaubend, märchenhaft. Wer vor dem Andringitra–Massiv steht oder durch den Lemurenwald im Isalo Canyon streift, wird die Begeisterung nicht übertrieben finden. Manche Tiere wie Feuchtnasenaffen und bestimmte Chamäleon–Arten gibt es nirgendwo sonst auf der Welt. Doch der anhaltende Raubbau wird das Natur–Juwel zerstören. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit (EZ) fördert den Umweltschutz und bekämpft damit zugleich die Armut: Nur eine intakte Natur zieht Touristen an, die Geld und berufliche Chancen bringen.
Am madagassischen Umweltaktionsplan wirken Regierung, internationale Geber wie Deutschland und Nichtregierungsorganisationen mit. Die Akteure teilen sich die Arbeit im Sinne der Paris–Deklaration, d.h. Konkurrenz zwischen Projekten wird vermieden. Diese Harmonisierung der EZ hat bereits zu einer teilweisen Entschuldung Madagaskars geführt. Von rund 5 Millarden US–Dollar Auslandsschulden erließen die Geber bis 2006 ungefähr die Hälfte. So werden im Haushalt des Landes Mittel frei, die der Armutsbekämpfung, dem Umweltschutz und dem Aufbau des öffentlichen Dienstes zugute kommen.
Die deutsche EZ in Madagaskar hat einen großen Schwerpunkt: Umweltpolitik, Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen. Darin wird das madagassische Nationalparknetz durch gezielte Investitionen in den Parks und zum Nutzen der Anrainerbevölkerung unterstützt. Daneben erhalten das Präsidialamt und verschiedene Ministerien Beratung, die die Reformen in der öffentlichen Verwaltung, auf dem Finanzsektor und in der Energieversorgung unterstützen soll. Deutschland hat darüber hinaus – als Querschnittsaufgabe – Koordinierungsvorhaben für alle Vorhaben in der HIV/Aids–Bekämpfung übernommen.
Gäste sind willkommen
Ursprünglich war Madagaskar fast ein einziger Wald. Vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wich er der rasch wachsenden Bevölkerung, die Flächen für Viehhaltung und Reisanbau rodete. Heute erstreckt sich Steppe und nackte Erde auf nahezu 90 Prozent der Fläche des Landes. Aber auch unter diesen veränderten Bedingungen ist Madagaskar ein einzigartiger Naturraum mit einer vielfältigen Tier– und Pflanzenwelt. Mit ihrem Engagement zum Schutz der Umwelt stärkt die deutsche EZ die wirtschaftliche Basis des Landes, weil der Fremdenverkehr angeregt wird. 2007 besuchten 350.000 Touristen die Insel. Jährliche Zuwachsraten von knapp zehn Prozent, die von 2003 bis 2007 im Schnitt beobachtet wurden sind auch weiterhin möglich.
Beratung ist ein Pfeiler der Umweltschutzaktivitäten der deutschen EZ: Gemeinsam mit der Regierung und Lokalpolitikern erarbeiteten das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die KfW Entwicklungsbank Strategien, wo und wie Ressourcen gerettet werden können. Bauern lernen in Kursen, welche Vorteile der ökologische Reisanbau bietet. Der naturnahe Tourismus birgt Geschäftspotenzial für private Unternehmer, die bei der Beantragung von Lizenzen für die touristische Nutzung von Nationalparks und durch gezielte Kredite für Investitionen in touristische Infrastruktur an diesen Parks unterstützt werden.
Erosion stoppen
Im Betsiboka–Kreis im Nordwesten der Insel fressen sich kahle Stellen in die Waldhänge. Regen wäscht den fruchtbaren Boden aus, der Wasserhaushalt kippt, so dass die Bauern immer weniger auf ihren tiefer gelegenen Reisfeldern ernten. Die deutsche Finanzielle Zusammenarbeit (FZ) begleitet das nationale Erosionsschutzprogramm. Das eingesetzte Geld dient dazu, die Dorfgemeinschaften in die Lage zu versetzen Schutzanlagen zu unterhalten und den Boden zu rekultivieren. Aus fast unfruchtbaren Erosionskratern entstehen dadurch wieder mit Büschen und Bäumen bewachsene Hänge, die den Wasserhaushalt stabilisieren und für Brennholz sorgen.
Madagaskar hat mehr als 40 Nationalparks, die sich als Motor des wachsenden Fremdenverkehrs bewähren. Die deutsche FZ arbeitet eng mit den Nationalparks Ankarafantsika, Marojejy, Andringitra und der ökoregion Kirindy Mitea und Tsimanampetsoa zusammen. Aus einem neuen Investitionsfonds, der dem nationalen Parknetz zur Verfügung steht, werden künftig Gebäude, Wegenetze und technische Geräte zur Verfügung gestellt und die zuständige Parkstruktur in ihrer Arbeitseffizienz gestärkt.
Die Anrainerbevölkerung profitiert mehrfach von den Nationalparks: Sie bieten ihnen Arbeitsplätze und sie stabilisieren das ökosystem, was sich in besseren Ernten niederschlägt. Außerdem fällt ihnen die Hälfte der Parkeinnahmen zu. Indem sich die Verdienstsituation der Menschen verbessert, sinkt der Nutzungsdruck auf die Parks – einige der hässlichen Schürfstellen, an denen früher nach Halbedelsteinen gesucht wurde, sind verwaist; der Holzdiebstahl geht zurück.
Noch lange werden die Besucherzahlen nicht ausreichen, um die Kosten der madagassischen Bemühungen für den Erhalt ihrer wunderbaren Parks zu decken. Deshalb hat die deutsche FZ zusammen mit dem madagassischen Staat und anderen internationalen Organisationen die Einrichtung einer Stiftung zum Erhalt der madagassischen Biodiversität mitfinanziert. Die anfallenden Zinserträge des Stiftungsvermögen decken inzwischen bereits einen Teil der laufenden Kosten für das Management der Parks. Ein großer Schritt in Richtung des Erhalts der einzigartigen Biodiversität der Insel.
Auch durch Aufklärung trägt die deutsche EZ zum Naturschutz in Madagaskar bei. Das Bildungsministerium des Landes gibt Umweltfibeln für Schüler heraus, um sie für das Thema zu sensibilisieren. Produktion und Verteilung dieser Medien sowie eines Umweltmagazins für Schüler und Studenten werden von Deutschland bezuschusst. Das stärkt nicht zuletzt die kulturellen Beziehungen zwischen beiden Ländern: Bereits an über 100 Gymnasien wird Deutsch unterrichtet.
Quelle: KfW (www.kfw–entwicklungsbank.de), Stand: April 2008
KfW–Büro Madagascar: Bureau de la KfW in Antananarivo, Immeuble Assist, Ivandry, B.P. 4121, Antananarivo 101, Madagascar, Telefon: +261 20 22 43601/02, Fax: +261 20 22 43603, Mail: kfw.antananarivo@kfw.de
Klaus Heimer: „Mit 40 wollte ich auswandern“
Globetrotter aus Bad Sobernheim hat seit Mai 2002 kleine Presseagentur in Madagaskar
Klaus Heimer hat sich einen Traum erfüllt: Mit 40 auswandern. Der Globetrotter aus dem rheinland–pfälzischen Bad Sobernheim hat seine neue Heimat im Indischen Ozean gefunden und arbeitet seit Juni 2000 als freier Fotograf, Journalist und Reiseleiter auf der viertgrößten Insel der Welt: Madagaskar.
Den Sprung von der Nahe nach Madagaskar hat Klaus Heimer trotz etlicher Erschwernisse in der neuen Heimat bis heute nicht bereut. Die erforderlichen überlebenstechniken hat sich der 50–Jährige bei seinen vielen Reisen rund um den Globus angeeignet. Reisefieber und Fernweh waren schon in frühester Jugend ständige Wegbegleiter des im Leinenborner Weg aufgewachsenen Felkestädters, der als Kind die große Bandbreite der Abenteuerliteratur von Karl May regelrecht verschlungen hat.
Seit der ersten mehrwöchigen Tour mit den katholischen Seelsorgern Peter Steinborn (ehemals Seesbach) und Otfried Stertenbrink (früher Lauschied) sowie Freunden aus Odernheim und Bärenbach nach Australien war das Interesse an fernen Ländern und vor allem der oft einzigartigen Pflanzen– und Tierwelt geweckt. Es folgten Reisen zu den Wanderungen riesiger Gnuherden nach Tansania, in die Serengeti, zu lachsfangenden Braunbären nach Alaska, nach Kanada, Brasilien, Indien, Nepal, Ceylon. Das „Afrikafieber“ erfasste den Journalisten in Gambia: Es folgten Aufenthalte im Senegal, in Ruanda (Besuch von Partnerschaftsprojekten, die von Rheinland–Pfalz gefördert werden), Kenia, Tansania und schließlich Madagaskar. 1984 war die viertgrößte Insel der Welt, vor der Südostküste Afrikas, erstmalig das Ziel. Mit 40 Jahren, so hatte er sich vorgenommen, sollte das Leben ganz neu anfangen. Die Entscheidung, wohin es gehen sollte, fiel nicht schwer. Die Wahl fiel nach über 20 Aufenthalten auf Madagaskar.
Mit 20 Kilo Gepäck im Seesack, Kugelschreiber, Block und Kamera machte sich der Journalist und Reiseleiter im Juni 2000 auf den gut 8000 Kilometer langen Weg. Im Mai 2002 hat er in der Hauptstadt Antananarivo eine klitzekleine Presse– und Touristikagentur mit dem Namen „Pro Madagascar“ gegründet, die ihren Beitrag zum Aufbau des „neuen Madagaskar“ leisten soll. Das arg gebeutelte Land habe schlimme Monate infolge der Staatspräsidentenwahl vom 16. Dezember 2001 hinter sich. Der bisherige Präsident machte seinem rechtmäßig gewählten Nachfolger Marc Ravalomanana, dessen Sohn Joshua übrigens in Heidelberg studiert hat, und seinen Landsleuten das Leben zur Hölle, berichtet Heimer. Wahlbetrug, Abschottung der Hauptstadt von den Häfen, Sprengung strategisch wichtiger Brücken und Strommasten, Verfolgung anders denkender Menschen, Kidnapping – die Liste ist lang. Inzwischen habe der neue Präsident die Lage unter Kontrolle. Ex–Regierungschef Didier Ratsiraka habe in Frankreich Unterschlupf gefunden und wird sich wohl nie vor einem internationalen Gerichtshof verantworten müssen. Seine Helfershelfer seien ebenfalls geflohen oder warten auf ihre Gerichtsverhandlung. Enorme Preiserhöhungen und ausbleibende Touristen trafen damals auch das kleine Unternehmen des Bad Sobernheimers. „Viele setzen nun auf die neue Regierung“, resümiert er.
Seine besten Freunde in der neuen Heimat kommen übrigens aus Hettenrodt und Bad Dürkheim. Die „deutsche Kolonie“ hält nicht nur in Notzeiten zusammen; man hilft sich gegenseitig. Die Kontakte an die Nahe, zu guten Bekannten, werden per E–Mail aufrecht erhalten. Erreichbar ist Heimer unter promadagascar@yahoo.de oder www.klausheimer.de. Gesundheitliche Rückschläge hat es bisher noch nicht gegeben. 1988 wurde im Kirner Krankenhaus die leichte Form der Malaria auskuriert.
In Madagaskar schreibt er nun Reportagen über Deutsche, die dort tätig sind, und über die vielfältigen deutsch–madagassischen Verbindungen.
Banker, Fußballtrainer und Herzspezialisten gesucht
Baugewerbliche Verbände und Madagaskar liegen ihm am Herzen / Hauptgeschäftsführer Lutz Pollmann aus Kaarst ist seit April 2007 Honorarkonsul
Von Klaus Heimer, Antananarivo
Wie wird man eigentlich Honorarkonsul von Madagaskar? „Dazu gibt es eine kurze und eine lange Version“, sagt Rechtsanwalt Lutz Pollmann, seit 1992 Hauptgeschäftsführer der Baugewerblichen Verbände Düsseldorf, 8000 Kilometer von zu Hause entfernt unter der Tropensonne Afrikas und schmunzelt dabei geheimnisvoll.
2004 besuchte er mit einer stattlichen Wirtschaftsdelegation seiner Verbände erstmals die gerade durch die beiden tierischen Trickfilme populär gewordene Heimat von Pfeffer und Vanille im Indischen Ozean. Einige Zeit später habe ihn der damalige madagassische Botschafter Denis Andriamandroso aus Berlin–Falkensee angerufen und gefragt, ob er vielleicht jemanden kenne, der in Düsseldorf arbeite und dort ein Büro habe. Pollmann ahnte, was die Stunde geschlagen hatte. „Denken Sie da vielleicht an mich?“ Es habe schließlich zwei Jahre gedauert, bis die offizielle Ernennung erfolgt sei – rechtzeitig zum Besuch von Madagaskars Staatspräsident Marc Ravalomanana in Köln und bei Bundespräsident Horst Köhler in Berlin, bei dessen Vorbereitung Pollmann in seiner rheinischen Heimat Organisationstalent unter Beweis stellen konnte.
„Kennen Sie einen Banker, der uns beraten kann? Wir möchten in der Hauptstadt Antananarivo ein Herzzentrum einrichten. Wir wollen ein Kongresszentrum mit Mobiliar ausstatten. Wir brauchen einen Fußballnationaltrainer.“ – Wem solche oder ähnliche Wünsche vom Staatschef der viertgrößten Insel der Welt angetragen werden und diese schnell und zufrieden stellend erfüllt, der muss eine Mischung aus Tausendsassa und einer Person mit vielen guten Kontakten im In– und Ausland sein. Lutz Pollmann (54) hat bei dem überaus deutschfreundlichen Präsidenten, der „Made in Germany“ außerordentlich schätzt und mindestens einmal im Jahr die Bundesrepublik besucht, um dort auch kräftig für sein Land einzukaufen, ein Stein im Brett.
Dabei war alles so gar nicht geplant: „Unsere Baugewerblichen Verbände mit rund 5000 Mitgliedsbetrieben pflegen intensive Kontakte nach Ghana, Guinea oder äthiopien, um auch dort Aufträge für heimische Unternehmen in Verbindung mit lokalen Partnern an Land zu ziehen.“ So habe erfreulicherweise auch der erste Aufenthalt im Land der putzigen Lemuren zu etlichen Kontakten geführt. „Und ich kann als Konsul dank meiner beruflichen Stellung und guten Verbindung viel für dieses demokratisch regierte Land tun, das nach wie vor zu den ärmsten Nationen der Welt zählt, jedoch in Aufbruchstimmung ist.“ Zwischen der Herzklinik in Bad Oeynhausen und Madagaskar gibt es inzwischen ein Kooperationsabkommen, so dass madagassische Mediziner in Deutschland ausgebildet werden.
Es treffe sich gut, dass Madagaskar dank der beiden Animationsfilme aus dem USA in aller Munde sei. Insbesondere dem aufstrebenden Tourismus tue dies gut, freut sich der gebürtige Düsseldorfer mit Eigenheim in Kaarst, der gerade einen Kurzbesuch in Verbindung mit einem Fachvortrag im Goethe–Zentrum in Antananarivo hinter sich gebracht hat. „Ich werde wieder kommen, um noch mehr von diesem Land zu sehen, das mich in seinen Bann gezogen hat.“ In seinem Büro schmücken nun etliche Souvenirs oder auch Produkte wie Kaffee, Tee und Vanille sein Wandregal und Besucher, die ein Visum bei ihm holen, erhalten so einen aromatischen und optischen Eindruck von ihrem künftigen Urlaubsland.
In der Zeit vor der Ernennung zum Konsul sei er hinter den Kulissen auf Herz und Nieren überprüft worden, wobei unter anderem Fragen, ob er vorbestraft sei oder Schulden habe, eine Rolle spielten. Zu Beginn habe die madagassische Botschaft einen so genannten Non–Letter an das Auswärtige Amt geschickt und darin angefragt, ob die bundesdeutsche Behörde Bedenken habe, wenn Madagaskar in Erwägung ziehen würde, Pollmann zum Honorarkonsul zu bestellen. Nach Abschluss der überprüfung sei dann in einem weiteren Non–Letter dem Ansinnen zugestimmt worden. Pollmann hat einen überaus schmucken Diplomatenpass von Madagaskars Regierung erhalten, geht in der Berliner Botschaft ein und aus, plaudert mit Ministern und anderen „hohen Tieren“ – stets mit dem Hintergedanken, etwas für sein fernes „Patenkind“ zu erreichen.
„Die Vorstände der Verbände haben dem ehrenamtlichen Nebenjob gerne zugestimmt“, bekräftigt Pollmann, der bundesweit nur noch zwei Kollegen in Hamburg und München hat. „Ich kann sehr gut bei den vielen Terminen, die das Amt mit sich bringt, die Interessen meiner Mitglieder und jene von Madagaskar unter einen Hut bringen.“
Anschrift: Honorarkonsul Lutz Pollmann, der Touristenvisa ausstellt: Graf –Recke–Strasse 43, 40239 Düsseldorf, Mail: info@honorarkonsul–madagaskar.de, Website: www.honorarkonsul–madagaskar.de, Tel. +49 211 914 29 17
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