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Es „deutscht“ gewaltig in der Heimat von Pfeffer und Vanille
„Schulen: Partner der Zukunft“–Plaketten an Partnerschulen in Madagaskar übergeben / Deutsche Sprache im Aufwind
Von Klaus Heimer, Antananarivo
Vertreter des Goethe–Zentrums und der Deutschen Botschaft in Madagaskar enthüllten am 31. Oktober und 15. November 2008 die Plaketten „Schulen: Partner der Zukunft“ (kurz „Pasch“ genannt), in den beiden Partnerschulen in Ambositra und Antananarivo. Aus diesem Anlass wurden zugleich aus „Pasch“–Mitteln neu eingerichtete Computerarbeitsräume eingeweiht.
In Madagaskar wurden bereits im Juli 2008 Kooperationsabkommen mit dem Lycée Andohalo in der Hauptstadt Antananarivo und dem Lycée Rakotoarisoa in Ambositra, der „Hauptstadt des Kunsthandwerks“, unterzeichnet. Die ferne Gewürzinsel war damit eines der ersten Länder im subsaharischen Afrika, in dem Schulen in das Programm aufgenommen wurden. Diese Geschwindigkeit ist einerseits auf die Bedeutung zurückzuführen, die der Deutschunterricht traditionell in Madagaskar besitzt. Schon vor 100 Jahren, 1908, wurden im Lycée Andohalo die ersten Stunden in Goethes Sprache erteilt. Andererseits erlebt Deutsch wegen des Staatspräsidenten Marc Ravalomanana, der seit 2002 im Amt ist und „Made in Germany“ außerordentlich schätzt, einen bis dato nicht gekannten Boom auf der der Mosambik vorgelagerten viertgrössten Insel der Welt.
Weit über 600 der rund 900 Schüler eines staatlichen Gymnasiums in dem gut 30.000 Einwohner zählenden Städtchen Ambositra im Hochland der immer noch französisch orientierten Tropeninsel erlernen die deutsche Sprache. Tendenz steigend!
Das Bundesaußenministerium hat in Zusammenarbeit mit der Deutschen Botschaft in Antananarivo und dem Goethe–Zentrum gerade dieses außergewöhnliche und langjährige Interesse gewürdigt und das 1973 gegründete Lycée Rakotoarisoa im Ambositra offiziell zur „Partnerschule“ erkoren. Damit gehört diese Einrichtung in der „Hauptstadt des Kunsthandwerks“, wie Ambositra wegen der zahlreichen Holzschnitzer vom Volksstamm der Zafimaniry in dieser Region auch genannt wird, zu dem weltweit 1000 Schulen umfassenden Netzwerk des 2008 von Bundesaußenminister Frank–Walter Steinmeier initiierten Programms „Schulen: Partner der Zukunft“.
„Ich liebe Deutschland und möchte natürlich gerne einmal dort hin fliegen“, bekräftigt die 16–jährige Sylvia Haingonirina Raharimananarivo. Neben den Landessprachen Malagasy und Französisch büffelt sie freiwillig Deutsch und informiert sich darüber hinaus über ihr „Traumland“. Die beiden einzigen Deutschlehrerinnen der Schule, Elisa Razanabao (33) und Salohivololona Ratsimbazafy (24), die 150 km südlich aus der Stadt Fianarantsoa stammen, unterrichten bis zu 55 Jugendliche ab 13 Jahren pro Klasse und sind vom ungewöhnlichen sprachlichen Lerneifer und den Fortschritten ihrer Schützlinge fasziniert. Beide waren nie außerhalb ihres Heimatlandes und träumen natürlich ebenfalls von einem Aufenthalt im 8000 Kilometer entfernten Deutschland. Damit dürfen sie sich auch gerne anfreunden, denn im Rahmen von „Pasch“ ist auch die Fortbildung der Deutschlehrer in der Bundesrepublik vorgesehen.
Die offizielle Ernennungsfeier der „Partnerschule“ am wöchentlichen großen Markttag in Ambositra wurde zu einer eindrucksvollen deutschen Liebesbekundung: „Alle Vögel sind schon da“ erklang es hell und klar unter der Tropensonne Afrikas, Gedichte bekannter Poeten wurden rezitiert, die Festreden zum Teil mehrsprachig gehalten, Tänze vorgeführt und bei einer farbenprächtigen Modenschau die Trachten der 18 Volksgruppen der Heimat von Pfeffer und Vanille präsentiert.
Neben dem von der Bundesrepublik komplett finanzierten Computerraum mit 20 Arbeitsplätzen wurde zugleich auch eine Bibliothek mit neuem Mobiliar und zahlreicher Literatur aus und über Deutschland eingeweiht; ein Raum für einen „deutschen Club“ an der Schule folgt in Kürze. Bereits zwei Wochen zuvor konnte aus Anlass der Feierlichkeiten ihres 100–jährigen Bestehens der zweiten Partnerschule, dem Lycée Andohalo in Antananarivo, ebenfalls ein aus „Pasch“–Mitteln bezahlter Computerraum übergeben werden. 2009 werden die hier bereits existierende Bibliothek und der Deutschunterrichtsraum modernisiert.
„Jetzt fehlt nur noch ein Internetanschluss, damit wir möglichst oft virtuell nach Deutschland reisen können“, ist Sylvias Wunsch für die nahe Zukunft. 2009 soll auch Ambositra an das Netz angeschlossen werden. „Die beiden Deutschlehrerinnen sind mein großes Vorbild“, bekennt die 16–Jährige. Und Schulleiter Jean Marie Rakotoarivelo ist mit dem anhaltenden Lerneifer der Schüler in dem Gymnasium, das nach einem früheren Bürgermeister des Ortes benannt ist und 38 Lehrer sowie 18 Verwaltungsmitarbeiter beschäftigt, mehr als zufrieden. „Es ist gut, den jungen Menschen einen Lichtblick für die Zukunft zu geben und ihnen zu zeigen, dass auch außerhalb unseres bitterarmen Landes jemand Anteil an ihrem Schicksal nimmt und sie fördert. „Wir sind stolz, eine Partnerschule von Deutschland zu sein und werden weiter fleißig lernen“, verspricht die 15–jährige Schülerin Sombinaina.
Gemeinsam mit Sylvia war sie Anfang September 2008 zu einem Theater–Workshop mit zahlreichen weiteren fleißigen Deutschschüler(inne)n aus Afrika nach Namibia eingeladen. Ein bleibender Eindruck für die beiden Mädels, deren Lerneifer dadurch ganz enorm gesteigert wurde.
Vertreter der Stadt, Region, Botschaft und des Bildungsministeriums waren sich in ihren Festreden einig, dass dieses Engagement aus Deutschland mit Blick auf die wachsende Globalisierung ein ausgezeichneter Motivationsschub sei, über den Tellerrand zu schauen und die Freude am Lernen zu steigern. Die übergabe von Ballspenden, Büchern und Zeitschriften auf dem Sportgelände wurde von den Gymnasiasten und ihren Eltern mit herzlichem Beifall quittiert. Für die anwesenden deutschen Vertreter gab es als Dank schöne Holzschnitzereien.
Laut des Leiters des Goethe–Zentrums in der Hauptstadt, Eckehart Olszowski, erlernen derzeit in Madagaskar rund 14000 Jugendliche in 20 staatlichen und 98 Privatschulen Deutsch. Im Goethe–Zentrum in Antananarivo seien es pro Jahr gut 700 Schüler, die Mehrzahl weiblichen Geschlechtes, die an Kursen teilnehmen. An der Universität gebe es zudem etwa 120 Germanistikstudenten. Dank „Pasch“, da ist sich Olszowski sicher, werden es bald viel mehr werden.
Deutscher Akademischer Austauschdienst
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (Bureau d'échanges interuniversitaire allemand) arbeitet seit vielen Jahren mit Universitäten auf der ganzen Welt zusammen, um den Austausch von Studenten und Wissenschaftlern und damit den gegenseitigen Austausch von Erfahrungen und Wissen zu gewährleisten. Der DAAD vergibt Stipendien für junge Absolventen (Minimum maîtrise) und Wissenschaftler, die in Deutschland studieren und forschen möchten. Er fördert den Wissenschaftleraustausch, indem er ein– bis dreimonatige Aufenthalte von deutschen Professoren an den Universität Antananarivo und Forschungsaufenthalte madagassischer Wissenschaftler in Deutschland finanziert.
Zu den Aufgaben des DAAD Büros an den Universität Antananarivo gehört es Informationen zu geben über Studienplätze, Forschungs– und Förderungsmöglichkeiten sowie Zugangsvoraussetzungen, ferner Hilfe zu leisten bei den Antragstellung und bei der Suche nach geeigneten Studienorten.
Geschichte des Fachbereichs Germanistik:
1960–1980: Deutsch gehörte zu den Wahlfächern sowohl in verschiedenen Abteilungen der Fakultät der Sprach– und Geisteswissenschaft als auch in anderen Fakultäten.
1980: Gründung des Faches Germanistik im Rahmen der „UER (Unité d'Enseignement et de Recherche) des Langues Vivantes“, nach einer Vereinbarung der Abteilungen, in denen Fremdsprachen (Deutsch, Spanisch, Russisch usw.) unterrichtet und Sprachstudien veranstaltet wurden.
1987: Gründung der „UER Etudes Germaniques“
1989: Der (Club des Etudiants et Enseignants Germanistes d'Ankatso), ein Club der Germanistikdozenten und –studenten an der Universität Ankatso in Antananarivo, wurde unter Mitwirkung von Jürgen Richter–Johanningmeier, einem DAAD–Lektor gegründet.
1992 : Gründung der Germanistikabteilung.
2000: Die Germanistikabteilung feiert ihren 20. Geburtstag. Ein „Tag der offenen Tür“ für Studenten und Abiturienten wurde organisiert, an dem auf Plakaten, Fotos und mit Videos die Arbeit der Abteilung vorgestellt wurde. Berichtet wurde über das seit 1999 laufende E–Mail–Tandem–Programm, über deutsche Landeskunde und Literatur. Eingeladen waren auch ehemalige Germanistikstudenten, die über ihren beruflichen Werdegang berichteten. Ziel war, neue Studienbewerber für das Fach Germanistik zu gewinnen. Kontakt: Tel. 020 22 23563, Mail: etgerma@univ–antananarivo.mg
Deutscher Entwicklungsdienst (DED) startet durch
Der Deutsche Entwicklungsdienst mit Hauptsitz in Bonn engagiert sich seit Jahresbeginn 2009 mit den anderen Akteuren der deutschen Entwicklungszusammenarbeit erstmals in Madagaskar und hier speziell im Bereich Ressourcen–Management. Bis zu 20 Entwicklungshelfer sollen einmal auf der Insel tätig werden, heißt es von der Stabsstelle Presse, öffentlichkeitsarbeit und Publikationen.
Mit Beginn des Engagements wird in der Hauptstadt Antananarivo ein Planungsbüro eröffnet und von einem(r) Landesdirektor(in) geleitet. Der DED hat rund 1000 Entwicklungshelfer in 45 Ländern. Dazu kommen rund 500 einheimische Fachkräfte, die in nationalen Partnerorganisationen zeitlich befristet (teil–)finanziert werden, um Berufspraxis und –qualifizierung zu ermöglichen. Website: www.ded.de
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