Deutschland–Schweiz–Österreich und Madagaskar von A bis Z
A
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
P
Q
R
S
T
U
V
W
X
Y
Z
B
Baobab – Solidarität mit Madagaskar
Von Hildegard Pesendorfer
„Mein Mann Josef und ich haben 1998 die madagassische Musikgruppe „Mahaleo“ kennen gelernt. Wir organisierten in unserer oberösterreichischen Gemeinde Altmünster ein Konzert in Zusammenarbeit mit dem Welthaus der Diözese Linz, die die Gruppe zu einer österreichtournee eingeladen hatten. So lernten wir sie persönlich kennen und ihr Engagement hat uns begeistert. Um die vielen Projekte finanziell unterstützen zu können, gründeten wir eine Selbstbesteuerungsgruppe. 2001 wurde der Verein „Baobab – Solidarität mit Madagaskar“ ins Leben gerufen. Die 17 Mitglieder sind entwicklungspolitisch interessierte Personen und einige haben auch schon Madagaskar bereist.
Das Spendengütesiegel, das wir jährlich nach einer Prüfung durch einen Wirtschaftstreuhänder erhalten, gibt unseren Spendern die Garantie, dass die Geldmittel bei den Menschen in Madagaskar auch ankommen. Da wir alle ehrenamtlich arbeiten und wir schon viele treue Spender haben, ist es uns möglich, unseren Partnern jährlich Geldbeträge zu übermitteln. Diese sollen Madagassen ein selbst bestimmtes Leben ermöglichen.“
Der Name „Baobab“ steht in diesem ganz speziellen Fall für eine freundschaftliche Verbindung zwischen österreichern und Madagassen. Die konkrete Arbeit von Baobab besteht darin, die regionale und soziale Entwicklung in Madagaskar zu fördern. „Baobab – Solidarität mit Madagaskar“ wurde in Jahre 2001 als Verein gegründet. Knapp 20 aktive Mitglieder erarbeiten gemeinsam mit Partnern in Madagaskar ehrenamtlich die Planung und Umsetzung von Projekten. Beiträge fördernder Mitglieder und Spenden bilden die Basis für die Organisation und Durchführung der Projekte.
Partner:
„Cicafe“ ist ein Informations–, Kommunikations– und Bildungszentrum in Antananarivo. Cicafe unterstützt lokale Initiativen und arbeitet am Aufbau eines Netzwerkes von Kleinprojekten in den Bereichen Landwirtschaft, Bildung, erneuerbare Energie und Gesundheit in verschiedenen Regionen.
„Mahaleo“ ist eine der bekanntesten Musikgruppen Madagaskars. Sie entstand vor mehr als fünfunddreißig Jahren aus einer Studentenfreundschaft. In ihren Hauptberufen arbeiten die Mitglieder der Gruppe als ärzte und Soziologen in verschiedenen Regionen und an unterschiedlichen Entwicklungsprojekten. Die Auftritte im In– und Ausland dienen der öffentlichkeitsarbeit, Bewusstseinsbildung und Völkerverständigung.
Projekte:
Umwelt: Aus– und Weiterbildung im biologischen Landbau für madagassische Projektleiter und Bauern, Biodiesel–Herstellung für Kleinstrukturen, Bau von solaren Frucht– und Gemüsetrocknungsanlagen, Solarkocher und Solarkisten, Wiederaufforstung, Brunnenbau und Brunnenrenovierung
Bildung: Bau von Schulen in Dörfern ohne staatliche Förderung, Bezahlung von Lehrpersonal, öffentlichkeitsarbeit in österreich
Soziales: Soforthilfe bei Wirbelstürmen, Förderung alternativer Einkommensquellen durch Mikrokredite, Herstellung von Gemeinschaftskochtöpfen, Ausstattung eines Krankenhauses in Tana mit medizinischen Geräten
Ziele:
Gemeinsam an der globalen Verständigung und am Austausch zwischen den Völkern arbeiten, von einander lernen und sich gegenseitig unterstützen. – Förderung von Projekten und Einrichtungen, die in Madagaskar die Lebens– Produktions–, Handels– und Umweltbedingungen verbessern.
Kontakt in österreich: Baobab – Solidarität mit Madagaskar, Zu Händen Hildegard und Josef Pesendorfer, Schwarzenbach 16, 4814 Neukirchen, Austria
Tel. +43(0)7618/7176, Mail: baobab@aon.at oder jh.pesendorfer@aon.at, Website: www.verein–baobab.at
Kontakt in Madagaskar: CICAFE, Charle Bert Andrianaivo, Lot VN 52 A, Ambohitsoa Mahazoarivo, 101 Antananarivo
Bankverbindung für Spenden: Raiffeisenbank Salzkammergut, Bankstelle Altmünster, Bankleitzahl: 34510, Kontonummer: 1946979, IBAN: AT193451000001946979, BIC: RZOOAT2L510
Baugewerbliche Verbände: Erfahrungen mittelständischer Unternehmer auf Madagaskar
Von Heinz Rittmann, Düsseldorf
Im Jahre 2004 besuchten einige institutionelle Vertreter gemeinsam mit mittelständischen Bauunternehmern der Baugewerblichen Verbände mit Sitz in Düsseldorf im Rahmen einer Wirtschaftsdelegation zum ersten Mal Madagaskar. Für einige Teilnehmer war es nicht der erste Aufenthalt in einem afrikanischen Entwicklungsland, während die meisten Bauunternehmer erstmals in Afrika waren. Hintergrund war die negative Entwicklung auf dem deutschen Baumarkt, die dafür verantwortlich war, dass die Baugewerblichen Verbände mit Bauunternehmern neue Geschäftsfelder erarbeiteten. Eines davon war das Bauen mit kleinen und mittelgroßen Unternehmen in Afrika, welches damals aus unserer Sicht noch in den Kinderschuhen steckte.
Wir wählten für den Flug ab Paris Air Madagascar. Die Wahl erwies sich als absolut korrekt. Wie aus diesem Reiseführer hervorgeht, ist zu bestimmten Jahreszeiten mit Zyklonen zu rechnen. So wurde auch an diesem Tag eine entsprechende Warnung ausgegeben. Die einzige Fluggesellschaft, die an diesem Tag nach Madagaskar flog, war Air Madagascar. Nicht nur das Service an Bord war sehr gut (wir alle flogen Economy Class), sondern wir wurden absolut sicher wie in Abrahams Schoß nach Madagaskar gebracht.
Wirtschaftspolitisch ist der von Madagaskar eingeschlagene und von internationalen Institutionen unterstützte Weg – nicht nur aus unserer Sicht – die einzige Möglichkeit, um mehr Wohlstand für alle Bevölkerungsschichten zu erreichen. Gleichzeitig sollte der Besucher sehr viel Verständnis und Sensibilität für eine andere und sehr interessante Kultur mitbringen. Wer deutsche Verhältnisse vorfinden möchte, sollte seinen Besuch vielleicht noch einmal überdenken und im Schwarzwald Geschäfte machen. Diese Andersartigkeit der Kultur findet sich selbstverständlich auch im Geschäftsleben wieder. Der lange Kolonialismus und ein Jahrzehnte dauerndes System, welches auf Korruption und Abhängigkeiten baute, haben viele madagassische Geschäftsleute vorsichtig und mißtrauisch werden lassen. Wir machten die Erfahrungen, dass im ersten Schritt eigentlich alle potentiellen madagassischen Kooperationspartner sehr zurückhaltend waren. Man muss Geduld mitbringen und sensibel mit den Geschäftsleuten umgehen. Auch wir brauchten dafür etwas Zeit. Gelingt es jedoch diese Barriere zu überwinden, dann können sich wirtschaftlich fruchtbare und lange andauernde Kooperationen ergeben. Besonders wichtig sind in diesem Zusammenhang französische Sprachkenntnisse. Zwar wurde Englisch inzwischen als dritte Amtssprache eingeführt, aber es benötigt wohl eine weitere Generation, bis sich Englisch als Geschäftssprache durchgesetzt hat. Eine übergangslösung könnten vielleicht im Anfangsstadium Dolmetscher sein. Diese sollten aber mehr können, als ein Einzelzimmer mit Dusche im Hotel zu bestellen. Sie müssen kulturell sensibel übersetzen und insbesondere den aus Europa kommenden Geschäftsneuling auch auf mögliche Aussagen „zwischen den Zeilen“ aufmerksam machen. Selbstverständlich sind auch auf Madagaskar – wie überall auf der Welt – Geschäftsleute zu finden, die vielleicht nicht zu Recht die Bezeichnung „Ehrbare Kaufleute“ führen. Der Kontakt zur deutschen Gemeinde hilft, Informationen über potenzielle Geschäftspartner zu erhalten.
Madagaskar als Insel zwischen Asien und Afrika entwickelt sich. Manchmal sind jedoch die Ziele der politischen Führung sehr ehrgeizig, getrieben von dem unbedingten Willen etwa Gutes für die Madagassen zu erreichen und scheitern an der täglichen Bürokratie. Der Wille zur Veränderung ist bei der madagassischen Führung definitiv vorhanden, allerdings ist dieser Wille nicht unbedingt in der gesamten Bürokratie zu finden. Daher muss sich der europäische Geschäftsmann auch an dieser Stelle in Geduld üben.
Auch abseits wirtschaftlicher Interessen haben wir keine schlechten Erfahrungen gemacht. Im Gegenteil: Wir als „Weißnasen“ wurden überall neugierig bestaunt und sehr freundlich begrüßt. Natürlich wurde der eine oder andere Bauunternehmer angebettelt. Aber man muss auch für die Menschen auf Madagaskar Verständnis haben: Wir sind materiell betrachtet in deren Augen unermeßlich reich. Da kann der eine oder andere der Versuchung erliegen, zu betteln. Bettlern nichts geben, sich vorsichtig zurückhaltend verhalten und Geld vielleicht einer anerkannten Institution spenden wäre ein beispielhafter Lösungsansatz. An Kriminalität haben wir nicht feststellen können. Laut einigen Kollegen soll aber Taschendiebstahl vorkommen. Wir hatten damals für uns den Schluss gezogen, dass es in einigen deutschen Bahnhofsvierteln gefährlicher ist, als auf Madagaskar.
Madagaskar war über Jahrzehnte französische Kolonie bzw. französisch beeinflußt. Die daraus resultierenden Beziehungsgeflechte sind selbstverständlich heute noch zu finden. Allerdings versucht sich der madagassische Staat breiter zu positionieren und vorhandene negative Strukturen, die die madagassische Wirtschaftsentwicklung behindern, zu beseitigen. Dieser ehrliche Wille ist klar zu erkennen. Allerdings sollten Geschäftsleute nicht naiv erwarten, dass alle auf deren Erscheinen gewartet haben. Alle, die von neuen Geschäften negativ berührt werden, werden versuchen, diese zu unterbinden. Manchmal kann daher das bessere Geschäft das nicht durchgeführte Geschäft sein. Daher soll an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht werden, auch sehr genau hinter die Kulissen zu schauen.
Insgesamt kann aus Sicht der Baugewerblichen Verbände Düsseldorf, ein positives Fazit hinsichtlich eines wirtschaftlichen Engagements auf Madagaskar gesprochen werden. Wir haben erfolgreich ein Infrastrukturprojekt durchgeführt und haben gegenwärtig, d. h. im Jahre 2008, ein weiteres und größeres im Visier. Mit der richtigen Vorbereitung und einer sensiblen Vorgehensweise können mit den richtigen Partnern auf Madagaskar durchaus erfolgreiche Geschäfte gemacht werden.
Heinz Rittmann, Dipl.–Ing, Dipl.–Kfm.
Mail: h.rittmann@bgv–nrw.de
Baugewerbliche Verbände Düsseldorf
Graf–Recke–Strasse 43, 40239 Düsseldorf
Bielefeld hilft bei Universitätsreform in Madagaskar
Seit den 80er Jahren Institutspartnerschaft zwischen den Universitäten Bielefeld und Antananarivo
Von Lutz Koester
Die im Jahr 2002 eingeleiteten umfassenden Reformen des Bildungssystems in Madagaskar betreffen auch die Universitäten, die auf das LMD–System (License – Master – Doctorat) umgestellt werden sollen. Die Ausgestaltung des License ist dabei stark von den Bachelor–Erfahrungen in Europa geprägt. Probleme bereiten in Antananarivo die überalterung des Lehrkörpers, der Staat hatte lange Zeit die Nachwuchsförderung vernachlässigt, eine grundsätzliche Neuorientierung in der Methodik sowie die nunmehr geforderte Berufsorientierung auch des Fachs Germanistik.
Deutsche Universitäten können in diesem Prozess beratend und unterstützend tätig sein. Bereits seit den 80er Jahren gab es einen Kooperationsvertrag der Universitäten Bielefeld und Antananarivo, der besonders die Fachbereiche Mathematik und Deutsch als Fremdsprache (Département d’Etudes Germaniques) betraf. Regelmäßig hielten sich madagassische Studierende und Doktoranden mit Stipendien des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) Bonn in Bielefeld auf. Die jetzige Leiterin des Département promovierte unter der Betreuung eines Bielefelder Linguisten.
Ab 2008 gibt es nun eine spezielle umfassende Förderung durch den DAAD, sie ist – neben Kairo – die einzige Institutspartnerschaft von deutschen und afrikanischen Universitäten. Zwischen dem Fach Deutsch als Fremdsprache der Universität Bielefeld und dem Département findet der wissenschaftliche Austausch auf allen Ebenen statt. Madagassische Studierende halten sich in Bielefeld auf, deutsche Studierende arbeiten als Tutoren in Antananarivo, madagassische Doktoranden und Dozenten forschen an der Universität Bielefeld, deutsche Dozenten kommen zu Fortbildungsseminaren an die Universität Antananarivo.
Hauptziele dieses mehrjährigen Programms sind die Entwicklung neuer Lehrinhalte und –formen, eine stärkere Berücksichtigung von wissenschaftlichen Arbeitstechniken während des Studiums, das auch stärker berufsorientiert angelegt werden soll, die Förderung junger Wissenschaftler und studentische Mobilität in beide Richtungen. Zugrunde gelegt werden die Erfahrungen, die in Deutschland mit der Einführung des Bachelor–Studiensystems gemacht wurden.
Die Institutspartnerschaft ist ein weiteres Mittel der Förderung der deutschen Sprache in Madagaskar; neben dem Département d’Etudes Germaniques, an dem auch eine deutsche Lektorin arbeitet, sind in diesem Zusammenhang noch das CGM (Cercle Germano–Malgache) und zwei Gymnasien mit einem Deutsch–Schwerpunkt in Ambositra und Antananarivo zu nennen, die im Rahmen der deutschen Afrika–Initiative PASCH (Schulen: Partner der Zukunft) unterstützt werden.
Bundespräsident: „Naturschutz geht die ganze Weltgemeinschaft an“
Roter Vari aus Deutschland hat sich in Madagaskar prächtig eingelebt / Horst Köhler: „Was in Madagaskar verloren geht, das geht für die Menschheit insgesamt verloren“ / Kölner Biologe vor Ort
Von Klaus Heimer, Antananarivo
“Ich heiße Itampolo, wurde am 20. April 2002 in Frankfurt am Main geboren, bin im besten Mannesalter und habe im Botanischen und Zoologischen Garten Tsimbazaza in der madagassischen Hauptstadt Antananarivo die Frau fürs Leben gefunden. Um in die Heimat meiner Vorfahren zu gelangen, war es jedoch ein langer Weg. Mit dem Auto ging es von der Mainmetropole nach Paris und dann im klimatisierten Spezialfrachtraum der Air Madagascar in die Heimat von Pfeffer und Vanille. Diplom–Biologe Dr. Christoph Schwitzer aus Köln hat dafür gesorgt, dass es mir unterwegs an nichts fehlte. Am Ziel angekommen, durfte ich sofort meine Lebensgefährtin Tamina, die übrigens in Köln am Rhein geboren wurde, in Augenschein nehmen. Seit 1999 lebt sie nun bereits in Antananarivo. Doch unsere Kennenlernphase wurde zunächst abrupt unterbrochen. Aus mir unerfindlichen Gründen musste ich zwei Tage nach meiner Ankunft morgens erneut in den Reisekäfig und dort solange bleiben, bis mein Tierpfleger das Türchen wieder öffnete.
Draußen wimmelte es von Deutschen und Madagassen, darunter Bundespräsident Horst Köhler aus Berlin und etliche einheimische Minister, wie sich herausstellte. Ich habe mich von dem Rummel nicht weiter stören lassen und mich direkt zu Tamina gesellt, da ich ja nicht wusste wie lange die Freiheit diesmal andauern sollte. Die Zuschauer fanden das alles allerdings etwas erheiternd. Ich habe jedoch nur meine Pflicht erfüllt und hoffe, dass wir in 102 Tagen Zwillinge bekommen werden. Dann wäre die Familie komplett und das Zuchtprogramm erfolgreich angelaufen."
Diese feierliche übergabe eines seltenen Roten Vari als ungewöhnlichstes und teuerstes Gastgeschenk überhaupt symbolisiere, so der deutsche Bundespräsident bei seinem viertägigen Staatsbesuch im April 2006, auf einprägsame und deutliche Weise den gemeinsamen Gedanken beider Länder, die ursprüngliche und einzigartige Biodiversität Madagaskars zu bewahren. „Naturschutz geht die ganze Weltgemeinschaft an“, betonte das deutsche Staatsoberhaupt. „Denn was in Madagaskar verloren geht, das geht für die Menschheit insgesamt verloren.“ Die Ausnahmestellung des durch den amerikanischen Animationsfilm „Madagascar“ in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit gerückten Inselstaates sei eine besondere Verantwortung für alle und dieses tierische Geschenk auch eine Botschaft an die heimische Bevölkerung, auf ihre bedrohte unmittelbare Umwelt zu achten..
Laut Dr. Schwitzer, seit dem Jahr 2000 stellvertretender Leiter des europäischen Erhaltungszuchtprogramms für diese Lemurenart, gibt es dort in rund 70 Zoos, davon rund ein Dutzend in Deutschland, eine Reservepopulation von etwa 350 Tieren, weltweit sollen es gerade mal 600 sein. Die Zahl der in Freiheit, im Nordosten im Regenwaldgebiet der Masoala–Halbinsel lebenden Roten Varis könne nur schwer geschätzt werden. Dieser Halbaffe mit großen Augen und buschigem Schwanz benötige ein weites Territorium und sei auf hohe Fruchtbäume spezialisiert. Insbesondere der Züricher Zoo mit seiner Masoala–Halle engagiere sich für diese Region der Tropeninsel. Rote Varis gehören, so der Biologe weiter, der zweithöchsten Kategorie bedrohter Arten an.
„Lemuren haben mich schon immer fasziniert“, bekennt der 40–jährige in Köln–Nippes geborene Dr. Schwitzer, der seine Diplomarbeit über das „Nahrungsaufnahmeverhalten von Varis im Zoo“ verfasst und für seine Doktorarbeit über „Energieaufnahme und Fettleibigkeit bei Lemuren in menschlicher Obhut“ in Deutschland und Frankreich bei etlichen Arten in den Futternapf geschaut, Tiere gewogen und sie beobachtet hat. 2003 packte der junge Mann dann erstmals den Koffer, um auf der viertgrößten Insel der Welt im Auftrag eines von Köln initiierten und jetzt 17 Einrichtungen umfassenden Zookonsortiums in Sahamalaza (bedeutet „der berühmte Garten“) im Nordwesten der Gewürzinsel die überaus seltenen blauäugigen Mohrenmakis zu erforschen. 18 spannende Monate verbrachten Schwitzer und seine heutige Frau Nora Peters in jener Gegend. „Vom Dschungel ins Standesamt“ ging es in einer kurzen Urlaubspause im September 2004, um die „wildeste Ehe des Rheinlands“ zu feiern. „Wir haben in der Wildnis fast alle Krankheiten überstanden, die man sich dort holen kann“, zieht Schwitzer Bilanz der harten Zeit fernab jeglicher Zivilisation. „Zunächst geht es per Boot in die Natur und dann muss man noch stundenlang wandern.“
Innerhalb kürzester Zeit hat sich der Kölner Spezialist die Landessprache Malagasy angeeignet, die ihm bereits flott über die Lippen geht. Abseits der Zentren ist dies die einzige Verständigungsmöglichkeit mit den Einheimischen. „Salut Christoph“ tönt es im Zoo in der Hauptstadt von allen Seiten, wenn der 40–Jährige auftaucht, der sich privat für Stadtentwicklung, Architektur und Politik interessiert. Im Kölner Zoo, den er seit Kindesbeinen kennt und in dem er 1987 auch den Jugendclub gegründet hat, werden derzeit acht Lemurenarten gehalten. Nach dem Studium hat Schwitzer dort auch immer wieder Informationsstände betreut. Er ist dankbar für die jüngste Geste aus Deutschland, mit dem putzigen Geschenk die Bemühungen um den Erhalt der Natur auf solch prägnante Art und Weise zu fördern. Und im Zoo Tsimbazaza strömten nach der übergabe des Roten Vari die Besucher natürlich zuerst zu den beiden populären „deutschen“ Lemuren, die der Ruhm allerdings kalt lässt. Das Pärchen ist ganz mit sich selbst beschäftigt – halt Flitterwochen!
Reportagen von A Z
Dem Autor eine Mail schicken
© Klaus Heimer. Ein Nachdruck der Artikel ist nur mit schriftlicher Zustimmung des Autors erlaubt.
Sollte eine Exklusiv-Reportage zu einem speziellen Thema oder die Ausarbeitung einer nicht alltäglichen Studienreise gewünscht werden, bitte per Mail anfordern.